GriechenlandDie unbemerkte Aufholjagd

Noch vor Kurzem explodierten die Zinsen für griechische Staatspapiere. Seit dem Frühjahr aber sinken sie, und zwar rasant. Was ist da los? von 

© ZEIT ONLINE

Seit Monaten vollzieht sich am Markt für griechische Staatsanleihen eine erstaunliche Entwicklung. Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit gewinnen zehnjährige Staatspapiere wieder deutlich an Wert. Die Kurse haben sich seit Mai fast verdoppelt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich die Renditen auf diese Papiere nahezu halbiert haben (siehe Grafik). Griechenland könnte sich also wieder viel günstiger Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Im Moment ist das nicht notwendig, weil das Land komplett unter dem Rettungsschirm der Europäer steckt.

Glaubt man Analysten, gibt es für die Entwicklung eine simple Erklärung: Das Vertrauen der Anleger kehrt langsam zurück. Investoren halten den oft zitierten Grexit , den Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone, für immer unwahrscheinlicher. Spekulationen darüber hatten noch im Frühjahr die Zinsen steigen lassen.

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Zudem honorieren die Märkte offenbar auch Griechenlands Reformbemühungen. Das Haushaltsdefizit lag zuletzt bei nur noch drei Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch das Leistungsbilanzdefizit sinkt; Griechenland benötigt also weniger frisches Kapital aus dem Ausland. Und auch die Verhandlungen mit der Troika kommen langsam voran.

Allerdings ist die Renditeentwicklung mit Vorsicht zu genießen. Griechische Staatsanleihen notieren weiter als "Schrottpapiere", Ratingagenturen versehen sie mit den schlechtesten Noten. Noch immer verlangen Anleger enorme Risikoaufschläge. Die Rendite für zehnjährige Griechenlandanleihen lag an diesem Dienstag bei 16,8 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland muss seinen Gläubigern nur 1,6 Prozent garantieren.

Noch ein weiterer Knick fällt in unserer Grafik auf – entstanden ist er am 12. März 2012. Das war der Tag, an dem die griechische Regierung ihren Anlegern den Schuldenschnitt verordnete. Die Renditen brachen damals von 38 Prozent auf 18 Prozent ein. Kein Wunder: Investoren mussten damals auf 53,3 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Im Gegenzug erhielten sie Papiere des Euro-Rettungsfonds EFSF und frische Staatsanleihen.

Genau mit diesen Schrottbonds spekulieren Investoren zurzeit und treiben die Kurse in die Höhe. Gerüchte über ein mögliches Rückkaufprogramm Athens treiben diese Entwicklung noch an.

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Leserkommentare
  1. Da könnte man sich ja wieder ordentlich Geld leihen! Soll soll schon schiefgehen?

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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich und differenziert. Die Redaktion/ls

    • RPT
    • 23. Oktober 2012 17:29 Uhr

    wenn Griechenland sowieso keine Kredite am freien Kapitalmarkt aufnimmt sondern sich ausschließlich über Rettungspakete finanziert?

    Das mindeste was die Euro-Retter aber bitte dann doch verhindern möchten, ist dass noch irgendjemand (vielleicht jemand aus irgendwelchen Klüngeln) erstmal noch fette Rendite für griechiche Anleihen einstreicht für ein Risiko, dass aber tatsächlich alleine von den Steuerzahlern der Eurozone getragen wird. Liebe Euro-Retter, wenigstens das schafft ihr doch, oder ... ?

    • Bornie
    • 23. Oktober 2012 17:33 Uhr

    Sobald die Griechen meine 2008 gekauften Anleihen mit dem damals vereinbarten Wert und den Zinsen zurückzahlen werde ich mal wieder daran denken mir so was tolles zu kaufen. Alle die jetzt Vertrauen haben drücke ich die Daumen. Aber wie es scheint kann man ja sogar beim russischen Roulette auf der Gewinnerseite sein...

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    Keine Antwort aber eine Frage: haben Sie 1988 griechische Anleihen etwa gekauft um von den fiktiven Abgeltungssteuern, die die Bundesregierung mit Griechenland vereinbart hatte, zu profitieren?
    Ich frage mich doch warum die BRD diese Vereinbarung getroffen hatte damals, vielleicht damit Griechenland genügend Kredit bekommt um deutsche U-Boote zu kaufen?
    Na ja, so hinterlistig wird keiner sein, oder? Das wäre eine indirekte Subventionierung, was eigentlich verboten ist.

    Korrektur: haben Sie 2008 griechische Anleihen......

    • bmovie
    • 23. Oktober 2012 17:41 Uhr

    Irgendwas ist sicher faul an dieser Meldung.

    Nicht umsonst kursiert eine Abbildung des 0-EURO Scheins im Internet: Eine reale Bewertung der Fantasiegebilde auf unser aller bunten Altpapier-Zahlungsmittel.

    http://www.facebook.com/p...

  2. Griechenland ist jetzt unternehmerfreundlich, für Black Rock und Co

    ...wie es dazu kam? Einfach mal 30% brutal bei Renten, Schulen, Krankenhäusern, Verwaltung, Gewerkschaften, Arbeitslosengeld und und und gekürzt.

    Die Demos sind da nur lästiges Beiwerk, schließlich hat die Polizei und die Armee keine Einsparungen zu beklagen.

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    • RPT
    • 23. Oktober 2012 18:48 Uhr

    Wenn Griechenland jetzt unternehmerfreundlich ist, dann wundert es mich aber, dass niemand dort investiert,Leute einstellt und den Mehrwert abschöpft. Seit wann lassen sich Kapitalisten sowas entgehen?

  3. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jp

  4. ...Griechenlands aus der Euro-Zone, für immer unwahrscheinlicher."

    Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Trend anhält, so lange der deutsche Finanzminister vor Mikrofonen sagt, dass es keinen Euro-Austritt Griechenlands geben wird.
    http://www.tagesspiegel.d...

    • RPT
    • 23. Oktober 2012 18:48 Uhr

    Wenn Griechenland jetzt unternehmerfreundlich ist, dann wundert es mich aber, dass niemand dort investiert,Leute einstellt und den Mehrwert abschöpft. Seit wann lassen sich Kapitalisten sowas entgehen?

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    es mich aber, dass niemand dort investiert,Leute einstellt und den Mehrwert abschöpft. Seit wann lassen sich Kapitalisten sowas entgehen?"

    Es ist eigentlich sogar so, dass seit klar ist, dass die Unternehmen in Griechenland Steuern bezahlen müssen, sie sich auf den Weg in andere Steueroasen machen.
    http://www.wienerzeitung....

    So ein Firmensitz ist schneller in die Schweiz, nach Luxemburg oder nach Irland verlegt, als ein 4 Personenhaushalt einen Umzug mit Hausstand managen könnte. Und für den Betrieb rechnet es sich dank Steuerkonkurrenz nach kürzester Zeit.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Euro-Zone | Geld | Grafik | Griechenland | Regierung | Rendite
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