Ein Montagmorgen im November 2012. Um neun Uhr tritt der Bundestag zusammen und soll das nächste Griechenland-Paket beschließen. Eine weitere Milliardenspritze. Die BILD-Zeitung titelt am Morgen: "Griechen fressen uns die Haare vom Kopf." Der Bund der Steuerzahler hat schon um sechs Uhr früh die erste Pressemitteilung verschickt: "Steuergelder retten – Bundesregierung abwählen."

Ein komplett unwahrscheinliches Szenario? Nicht unbedingt. Tatsächlich spricht zunehmend mehr dafür, dass es zu einem weiteren Rettungspaket für Griechenland kommen wird. Die Entscheidung wird schnell fallen müssen, denn am 16. November braucht Griechenland frisches Geld. Bis dahin muss der Verhandlungspoker zwischen Athen und seinen Gläubigern zu einem Ende gebracht werden und zwei Fragen beantwortet sein: Wie könnte ein neues Hilfsprogramm aussehen? Und wie lassen sich weitere Hilfen dem Bürger verkaufen – ein Jahr vor der Bundestagswahl?

Dass weitere Milliarden überhaupt nötig werden , ist für viele Bürger schwer zu verstehen. Immerhin gibt es derzeit noch das zweite Rettungspaket. Es umfasst insgesamt 164 Milliarden Euro und soll Griechenland zwischen 2012 und 2014 über Wasser halten. Aufgelegt haben es der Internationale Währungsfonds ( IWF ) und der Euro-Rettungsfonds EFSF, an dem Deutschland beteiligt ist. In jedem Quartal erhält Griechenland eine Tranche, bislang waren es 75,6 Milliarden Euro. Die Bedingung dafür ist, dass Griechenland Reformauflagen erfüllt.

Griechenland schafft Auflagen nicht

Daran hakt es nun. Die Auflagen für Griechenland sehen vor, dass das Land ab 2013 einen sogenannten Primärüberschuss aufweisen muss. Athen darf also keine neuen Schulden machen, zumindest wenn die Zinszahlungen außen vor sind. Erst wenn diese Bedingung erfüllt ist, wird die Troika, bestehend aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, die nächste Tranche auszahlen: rund 31,5 Milliarden Euro.

Das Problem ist nun, dass Griechenland diese Auflagen nicht schaffen wird. Stattdessen fordert die Regierung in Athen zwei Jahre mehr Zeit. Weil das Land dadurch länger am Tropf der Geldgeber hängt, braucht es auch mehr Geld. Der zusätzliche Bedarf für zwei Jahre Aufschub beträgt, je nach Schätzung, zwischen 18 und 30 Milliarden Euro. Die Frage lautet nun: Woher nehmen?

Eine Alternative zu weiteren Krediten wäre ein zweiter radikaler Schuldenschnitt. Die Gläubiger würden auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Da aber die meisten griechischen Staatsanleihen mittlerweile in öffentlichem Besitz sind, müsste auch der Staat auf Geld verzichten – die Griechenlandrettung würde also erstmals echtes Geld der Steuerzahler kosten.