Euro-KriseAsmussen schlägt Griechenland Schuldenkauf mit Krediten vor

Griechenland solle Anleihen mit geliehenem Geld zurückkaufen, meint der EZB-Experte. Weil diese deutlich unter Wert gehandelt werden, könnten so die Schulden sinken. von afp und reuters

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen  |  © Timur Emek/dapd

Zur Lösung der griechischen Schuldenkrise hat EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen vorgeschlagen, dass die griechische Regierung mit geliehenem Geld eigene Staatsanleihen auf den Finanzmärkten zurückkaufen sollte. Damit könne die hohe Schuldenquote gedrückt werden, sagte er der Süddeutschen Zeitung . Eine Senkung dieser Quote gilt als Voraussetzung dafür, dass Griechenland wieder zu bezahlbaren Bedingungen Geld von privaten Kapitalgebern bekommt.

Asmussen begründete seinen Vorschlag damit, dass griechische Schuldtitel derzeit auf den Finanzmärkten weit unter ihrem Nominalwert gehandelt werden. Würde die griechische Regierung diese Titel nun zurückkaufen, müsste sie für Anleihen im Nominalwert von 100 Euro einen deutlich niedrigeren Kurswert von beispielsweise 50 oder 70 Euro bezahlen. Die Schuldenquote würde dadurch spürbar sinken.

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Derzeit zeichne sich ab, "dass die griechische Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 deutlich über jenen 120 Prozent liegen wird, die bisher angepeilt sind", sagte Asmussen. "Daher muss man sich Elemente überlegen, um sich diesem Zielwert zu nähern." Dazu könnte ein Schuldenrückkauf gehören. Darüber hinaus gebe es eine Reihe weiterer Instrumente.

Wer soll das Geld leihen?

Woher das Geld für den Schuldenrückkauf kommen soll, sagte Asmussen nicht. "Ganz klar: Die EZB kann einen solchen Schuldenrückkauf nicht durchführen, das wäre Sache des griechischen Staates", sagte er. Nach Einschätzung der Zeitung bliebe wohl nur der bisherige Euro-Schutzschirm EFSF, über den Griechenland bereits Hilfen in zweistelliger Milliardenhöhe erhalten hat. Dadurch würde aber das Haftungsrisiko weiter steigen.

Asmussen betonte, dass ein Schuldenrückkauf nicht gleichbedeutend mit einem Schuldenschnitt sei. Die privaten Gläubiger Griechenlands haben bereits auf die Rückzahlung von etwa 100 Milliarden Euro verzichtet. Weil jedoch die Wirtschaft stärker einbricht als erwartet, steigt die Schuldenquote trotzdem massiv an.
 

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Leserkommentare
  1. eigentlich studiert? Ägyptologie?

    Selbst der IWF hat mittlerweile erkannt, dass wir ein schwachsinniges Geldsystem haben. "The Chicago Plan revisitet" heißt das Papier glaube ich.

    WARUM leihen sich Staaten Geld bei Privatbanken, um sie mit genau dem Geld dann zu retten? Um sich anschließend bei den geretteten Banken wieder Geld zu leihen? HALLO?

    Einige interessante Dinge zum Geldsystem gibts <a href="http://bettercentury.blogspot.com/2011/12/geldschopfung-ein-unvollkommer... target="_blank">HIER</a> zu erfahren.

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    Warum zersetzt die Natur tote Körper, um danach mit den zersetzten Stoffen wiederum lebendige Körper zu bauen, die nach einiger Zeit wieder sterben? Hallo? Total sinnlos...

    ... aber funktioniert - irgendwie.

    Auf den ersten Blick wirkt es als wolle Herr Asmussen uns sagen, dass sich Hellas am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen soll.
    Auf den zweiten Blick wirkt es aber logisch, denn eine volle Umschuldung würde dann einen 25%-50% Schuldenschnitt entsprechen und vermutlich zusätzlich das Vertrauen in Griechenland erhöhen.

    Ich kann das Risiko hier nicht abschätzen - ich hoffe Asmussen, der Chefvolkswirt im EZB-Direktorium, kann dies

  2. In einem anderen Artikel berichtet die ZEIT gerade über Herrn Prof. Sinn, der den Deutschen angeblich mächtig Angst einjagt.

    Und dann sowas hier ... mit dem da! Das ist gruselig!

    • AuchGut
    • 12. Oktober 2012 20:05 Uhr

    Herr Asmussen hat sich mit dem Vorschlag völlig disqualifiziert - unfassbar.

    Ich bekomme bei soviel Unsinn einfach nur noch Angst.

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    • Moika
    • 13. Oktober 2012 1:46 Uhr

    Was Sie als Unsinn bezeichnen, macht nicht nur rechnerisch einen Sinn. Aber um das zu verstehen, sollte man zumindest das kleine Einmaleins beherrschen. Dann klappt das auch.

    • tinnef
    • 13. Oktober 2012 8:18 Uhr

    suchen sie mal einen Volkswirt/Ökonomen der jemals erfolgreich ein Unternehmen gegründet oder geführt hat oder einen der jemals irgendwelche akurate Vorhersagen für wirtschaftliche Entwicklungen gegeben hat und nein Abweichungen von 0.4 Prozent sind nicht genau.

    Herr Asmussen versucht gerade seine Spuren zu verwischen, seinen wirtschaftlichen Sachverstand hat er bei der IKB unter Beweis gestellt. Das Vorgehen war damals das Gleiche wie Heute.

    Aber er ist der Prototyp der s.g. dt. Macht und Führungseliten keine Leistungen zeigen immer wieder demonstrieren, wie inkompetent man ist und man fällt die Leiter rauf.

  3. Ich muss sagen: Es war höchste Zeit, dass endlich auch jemand aus der Politik auf diese offensichtliche Idee kommt.

    Im Moment ist es möglich, mit 1 EUR eine Summe von 5 EUR an griechischen Schulden zurück zu zahlen. Warum tut man es nicht einfach?

    Man kann natürlich fragen: Und wer soll den einen Euro aufbringen?

    Die Antwort ist nur kompliziert, wenn man von nationalen Steuerzahlern ausgeht. Allerdings ist dieser Gedanke inzwischen Wunschdenken: Der Europäische Steuerzahler (oder der Deutsche) am Ende eh die Zeche zahlen, egal wie sehr die Griechen schuften. Um das zu vermeiden, wurden in der Vergangenheit zu viele Fehler gemacht, innerhalb und außerhalb Griechenlands.

    Mit einem solchen Anleiherückkauf, zum Beispiel durch den europäischen Rettungsfonds finanziert, könnte dieser deutsche oder europäische Steuerzahler eine Menge Geld sparen... auf Kosten von Banken und Hedgefonds. Dazu kommt: Niemand wird gezwungen, wer zu Griechanland steht, gewinnt.

    Und die schönste Nebenwirkung - Durch die neue Nachfrage werden die Kurse steigen und damit die Zinsen für Griechenland sinken. Ein erster Schritt auf dem Weg zurück in eine eigenfinanzierte Zukunft.

    Also meinetwegen: Nur zu.

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    Also wenn sie Griechenland gerne beim Schuldenschnitt helfen wollen, nur zu. Stellen sie ihr Geld einfach zur Verfügung, sie haben ja hinterher einen Schuldner,der nur halb soviel Schulden hat. wenn dann ihr Nachbar auch noch mitmacht haben wir hinterher einen Schuldner mit nur noch 1/4 Schulden. Das ist doch voll in Ordnung. Schade das die Welt ein bisschen anders funktioniert.

    1. Mittlerweile liegen nur noch ca. 25% der griechischen Schulden in den Händen privater Gläubiger. Selbst wenn sie die zu 50% Kursen kaufen, reduzieren sie die griechische Schuldenlast nur um ~12.5%, also die Schuldenquote von ca. 135% auf ca. 118%. Vermutlich spekuliert eher die EZB darauf, die eigenen Bestände los zu werden.
    2. Sie verwechseln Zins und Rendite. Wenn sie in großem Stil versuchen, die Anleihen zu kaufen, steigen die Kurse. Die Renditen sinken, aber nicht die Zinsen, die Griechenland zahlen muss. Zinsen beziehen sich auf den Nennwert.

    • keibe
    • 12. Oktober 2012 20:06 Uhr

    Ich kann mir vorstellen, dass auf ähnliche Ansinnen

    "Griechenland solle Anleihen mit geliehenem Geld zurückkaufen, meint der EZB-Chefökonom. Weil diese deutlich unter Wert gehandelt werden, könnten so die Schulden sinken."

    bereits -wohl beraten durch "Ihr Mann von der Hamburg-X-er" bereits etliche zig Kleinanleger -auf der Suche nach ihrem Auskommen im Alter- herein gefallen sind.

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    Falschberatung von Kleinanlegern zu tun ?

    • S.Kunze
    • 12. Oktober 2012 20:10 Uhr

    und das sogar straffrei.

  4. Herr Asmussen,

    es gibt in dieser Euro-Zonen-Krise drei Parteien: Die Polit-Eliten, privaten Gläubiger und die Steuerzahler.

    Die privaten Gläubiger wollen ihr Anlagerisiko auf die noch solventen Staaten der Euro-Zone übertragen. Man kann das gut an Griechenland erkennen: Waren vor zwei Jahren die griechischen Schuldtitel noch ganz überwiegend in privatem Besitz, so befinden sich nun etwa 70 Prozent in staatlichen Händen. Kommt es zu einem Schuldenschnitt, ist der deutsche Steuerzahler mit 80 Milliarden dabei.

    Den Polit-Eliten geht es um Machterhaltung. Sie verleihen dem privaten Gläubiger den Status der Systemrelevanz. Dadurch wird dessen Rettung „alternativlos“. Und da es nur einen Retter der letzten Instanz gibt, muss der Steuerzahler herhalten.

    Wie lange läuft dieses „Spielchen“ noch. Was glauben Sie? Ich vermute, nicht mehr sehr lange. Das Inkrafttreten des ESM und die Anleihenkauf-Strategie der EZB enthält einen Denkfehler: Selbst wenn man 90 Prozent der Anleihen des Südens kaufen würde, wird man auf Dauer keine Senkung des Zinsniveaus erreichen. Wer kauft den Ramsch für niedrige Zinsen? Schauen Sie auf den Feldversuch Griechenland. Die Zentralbank hat für 60 Milliarden Euro griechische Staatstitel gekauft, ohne dauerhaft deren Marktpreise beeinflussen zu können.

  5. und gruselig zugleich.
    Finanzwirtschaft ist eine Kreuzung aus Poker und Alchemie

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    • S.Kunze
    • 13. Oktober 2012 3:55 Uhr

    Man muss als Theologe auch wider besseren Wissens einfach nur dran glauben und sich von Fakten nicht beeindrucken lassen, wenn man seiner Denkschule nacheifert.

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