Zur Lösung der griechischen Schuldenkrise hat EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen vorgeschlagen, dass die griechische Regierung mit geliehenem Geld eigene Staatsanleihen auf den Finanzmärkten zurückkaufen sollte. Damit könne die hohe Schuldenquote gedrückt werden, sagte er der Süddeutschen Zeitung . Eine Senkung dieser Quote gilt als Voraussetzung dafür, dass Griechenland wieder zu bezahlbaren Bedingungen Geld von privaten Kapitalgebern bekommt.

Asmussen begründete seinen Vorschlag damit, dass griechische Schuldtitel derzeit auf den Finanzmärkten weit unter ihrem Nominalwert gehandelt werden. Würde die griechische Regierung diese Titel nun zurückkaufen, müsste sie für Anleihen im Nominalwert von 100 Euro einen deutlich niedrigeren Kurswert von beispielsweise 50 oder 70 Euro bezahlen. Die Schuldenquote würde dadurch spürbar sinken.

Derzeit zeichne sich ab, "dass die griechische Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 deutlich über jenen 120 Prozent liegen wird, die bisher angepeilt sind", sagte Asmussen. "Daher muss man sich Elemente überlegen, um sich diesem Zielwert zu nähern." Dazu könnte ein Schuldenrückkauf gehören. Darüber hinaus gebe es eine Reihe weiterer Instrumente.

Wer soll das Geld leihen?

Woher das Geld für den Schuldenrückkauf kommen soll, sagte Asmussen nicht. "Ganz klar: Die EZB kann einen solchen Schuldenrückkauf nicht durchführen, das wäre Sache des griechischen Staates", sagte er. Nach Einschätzung der Zeitung bliebe wohl nur der bisherige Euro-Schutzschirm EFSF, über den Griechenland bereits Hilfen in zweistelliger Milliardenhöhe erhalten hat. Dadurch würde aber das Haftungsrisiko weiter steigen.

Asmussen betonte, dass ein Schuldenrückkauf nicht gleichbedeutend mit einem Schuldenschnitt sei. Die privaten Gläubiger Griechenlands haben bereits auf die Rückzahlung von etwa 100 Milliarden Euro verzichtet. Weil jedoch die Wirtschaft stärker einbricht als erwartet, steigt die Schuldenquote trotzdem massiv an.