Ein Demonstrant bei einem 24-stündigen Streik in Griechenland © Panagiotis Tzamaros/AFP/Getty Images

Griechenland soll mehr Zeit und noch mehr Geld bekommen. Die Euro-Länder wollen dem hochverschuldeten Land nach einem Bericht des Handelsblatt weitere 16 bis 20 Milliarden Euro gewähren. Das zweite Hilfspaket vom Februar in Höhe von 130 Milliarden Euro reiche nicht aus, zusätzliche Kredite seien unvermeidlich, sagte ein ranghoher Vertreter der Euro-Zone dem Blatt. Die Finanzminister würden die zusätzlichen Mittel voraussichtlich am 12. November beschließen.

Voraussetzung dafür ist weiterhin, dass sich die griechische Regierung auf ein Sparpaket einigt. Auch der Bundestag muss dem Kreditpaket zustimmen. FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke sagte dem rbb Inforadio, für ein solches drittes Hilfspaket sehe er dort keine Mehrheiten.

Griechenland soll dem Zeitungsbericht zufolge der Schuldendienst noch einmal erleichtert werden: Der Zinssatz für die Hilfskredite solle ein weiteres Mal gesenkt, die Laufzeit der Kredite könne erneut verlängert werden. Einen Schuldenerlass werde es jedoch nicht geben.

Dass die zusätzlichen Kredite nötig sind, geht aus dem sogenannten Memorandum of Understanding hervor, das die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds ( IWF ) und EU-Kommission mit Griechenland ausgehandelt hat und dem Handelsblatt vorliegt. Demnach werde die Regierung in Athen in den kommenden Jahren weniger sparen, als bislang geplant. Bis spätestens 2014 sollte Griechenland einen Primärüberschuss von 4,5 Prozent im Haushalt erzielen. Das Ziel werde nun erst zwei Jahre später erreicht.

Die griechische Regierung bestätigte bereits, dass sie mehr Zeit bekomme, um die Sparauflagen zu erfüllen . Am Mittwoch sagte Finanzminister Yannis Stournaras, sein Land müsse die Neuverschuldung erst 2016 wieder unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung drücken. Diese Darstellung wiesen die Bundesregierung , die EU-Kommission, der IWF und die EZB jedoch zurück.

Umstritten in der Troika ist dem Handelsblatt zufolge außerdem, ob Griechenland bis 2020 seine Schuldenquote auf das maximal erträgliche Niveau von 120 Prozent senken kann. Die EU-Kommission glaube, dass dies erst 2022 gelingen werde. Dagegen bestehe der IWF auf dem bislang vereinbarten Zieldatum 2020.