Es ist genau 25 Jahre her, dass der BBC-Wettermann Michael Fish den britischen Fernsehzuschauern erklärte, die Gerüchte über einen heranziehenden Orkan seien übertrieben. Am nächsten Morgen blickte die Nation ungläubig auf die Bilder der Verwüstung. Es war sehr wohl ein Orkan, der vom Atlantik gekommen war und er richtete in weiten Teilen Südenglands großen Schaden an.

Das schreckliche Unwetter taugt als Gleichnis, wenn man die britische Wirtschaftslage beschreiben will. Niemand sah die Bankenkrise im Jahr 2008 kommen und niemand ahnte, wie gründlich und langfristig sie Großbritannien verwüsten würde. Heute gibt es leichte Hoffnungsschimmer. Aber richtig ausgestanden wird die Krise wohl erst in fünf Jahren sein. Bis dahin dauern die Aufräumarbeiten an. Die Bank of England schätzt, dass der Haushalt frühestens 2018 saniert werden kann.

Als David Cameron 2010 Premierminister wurde, war schnell klar, dass vor allem eine Großaufgabe auf ihn wartete. Die jährliche Neuverschuldung war da schon auf mehr als elf Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Es stand zu befürchten, dass die Zinsen für britische Staatsanleihen bald durch die Decke gehen würden. Großbritannien drohte der Bankrott. Binnen weniger Monate brachte die neue Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberaldemokraten ein radikales Sparprogramm auf den Weg. Einzelne Kabinettsressorts mussten ihre Budgets um bis zu 23 Prozent kürzen. Im öffentlichen Dienst wurden eine Million Stellen gestrichen, sogar der Fuhrpark der Minister wurde verkleinert.

Die Finanzmärkte sind beruhigt, die Krise bleibt

Zwei Jahre später zeigt sich, dass die rigorose Sparpolitik in einer Hinsicht erfolgreich war: Das Haushaltsdefizit ist auf neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken. Dafür belohnen die Rating-Agenturen Großbritannien mit den besten Bonitätsnoten. Britische Staatsanleihen bleiben billig. Ansonsten aber erscheint die Situation so düster wie eh und je. Seit Anfang des Jahres steckt Großbritannien erneut in der Rezession. Die krisengeschüttelte Euro-Zone importiert immer weniger von der Insel und die Abkühlung des Weltwirtschaftsklimas insgesamt hat die britischen Exporte weiter gesenkt.

Das Land würde gerne nach vorne schauen, aber dafür muss die Vergangenheit überwunden werden. Die Finanzwirtschaft etwa hat sich längst noch nicht von dem großen Crash erholt. Die Politik hat sich vorgenommen, die Finanzwirtschaft so zu reformieren, "dass sie sich den Bedürfnissen der Gesellschaft unterordnet, ihr dient", wie es Schatzkanzler George Osborne formuliert. Dafür plant er neue Gesetze, nach denen die Banken bis zum Jahr 2020 ihre Eigenkapitalquote auf rund zehn Prozent und im Investmentbanking auf 17 Prozent anheben müssen. Die internationalen Basel-III-Regeln schreiben nur sieben Prozent vor. Zudem sollen Privatkundengeschäft und Investmentbanking rechtlich getrennt werden. Schon jetzt gelten für die City neue Bonusregeln, die den obszönen Geldregen der vergangenen Jahre heftig einschränken.