Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich den sechsten Monat in Folge verschlechtert. Nach Angaben des Münchner ifo Instituts fiel der entsprechende Geschäftsklimaindex im Oktober auf 100,0 Punkte. Im Vormonat lag dieser noch bei 101,4 Zählern.

Befragt wurden auch diesmal Manager von 7.000 deutschen Unternehmen. Laut ifo beurteilten sie ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als im September. Das entsprechende Barometer fiel auf 107,3 von 110,3 im Vormonat. Die Geschäftserwartungen bleiben aber unverändert, wenn auch auf dem niedrigen Niveau von 93,2 Punkten.

"Die Wolken am deutschen Konjunkturhimmel verdunkeln sich", bewertete Institutspräsident Hans-Werner Sinn die Lage. Sie wird geprägt durch die ungelöste Schuldenkrise in Europa und die weltweit schlechteren Konjunkturaussichten.

Ökonomen sind überrascht, aber optimistisch

Dennoch kommt dieses Ergebnis für Ökonomen überraschend. Sie hatten angesichts der stabilen Finanzmärkte mit einem Anstieg gerechnet. "Das ist insgesamt enttäuschend", sagt Holger Schmieding von der Berenberg Bank, verweist aber auf einen "kleinen Hoffnungsschimmer": Die Erwartungen seien nicht weiter gefallen.

Dieser Meinung ist auch Andreas Rees. "Es stellt sich die Frage: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Trotz des starken Rückgangs ist es meiner Meinung nach halb voll", meint der Banker von der Unicredit . "Denn das Geschäftsklima ist ausschließlich wegen der schlechteren Lage zurückgegangen, weil die Unternehmen jetzt ihre Auftragsbestände abarbeiten." Das sei ein natürlicher Prozess.

Andreas Scheuerle von der Dekabank prognostiziert dennoch eine "Abkühlung der Konjunktur im vierten Quartal". Im Übrigen habe es viele Vorboten für die Haltung der Manager gegeben: "Die Unternehmen sprachen in immer düsteren Tönen über ihre Geschäftsentwicklung, sie berichteten von Kosteneinsparungsprogrammen, Investitionsaufschub, Produktionsdrosselungen und zuletzt wieder vermehrt von Kurzarbeit."

Diskrepanz zwischen Börse und Werkbank

Offenbar teilen die Unternehmen nicht den Optimismus an den Börsen. "Wir haben eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen an den Finanzmärkten und in den Unternehmen", sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Die Unsicherheit der Firmen habe sich durch die EZB-Ankündigung, notfalls unbegrenzt Anleihen der schuldengeplagten Staaten aufzukaufen , nicht verringert. Dagegen hat sich der Euro stabilisiert, die Kurse an den Aktienmärkten sind gestiegen und die Risikoaufschläge bei Anleihe-Emissionen von Krisenländern in vielen Fällen gesunken .

Wohlrabe ergänzte, die wirtschaftlichen Perspektiven seien dennoch nicht schlecht. " Eine Rezession ist in Deutschland erst einmal nicht in Sicht , wenn sich die Schuldenkrise nicht wieder verschärft." Die Münchner Wirtschaftsforscher rechnen auch im vierten Quartal 2012 nicht mit einer schrumpfenden, sondern einer stagnierenden Wirtschaftsleistung. " Der Konsum zeigt sich robust . Die Bürger haben weiterhin nicht das Gefühl, dass die Krise bei Ihnen ankommt." Zudem gebe es einige positive Signale wie etwa die geplante Senkung der Rentenbeiträge .