Fischfang"Die bisherige Fischereipolitik ist vollkommen verfehlt"
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"Geld gibt es nur, wenn es auch Zeitpläne gibt"

ZEIT ONLINE: Aber?

Damanaki: Ich will die Reform der Fischereipolitik auf keinen Fall gefährden, daher darf der geplante Fonds insgesamt nicht gekürzt werden. Außerdem bestehe ich auf die Förderung der kleinteiligen Küstenfischerei, auf Kriterien für nachhaltige Fangquoten und darauf, den Rückwurf von unerwünschtem Beifang künftig zu verbieten. Deshalb muss es Geld für Kontrollen und wissenschaftliche Beratung geben. Ich will einfache, klare Bedingungen. Das heißt: Geld gibt es jetzt nur noch, wenn es klare Zeitpläne gibt.

ZEIT ONLINE: Was stört Sie genau an der bisherigen Praxis?

Damanaki: Es kann doch nicht sein, dass ein Land Abwrackprämien für Schiffe bekommt – ein klares Zeichen für Überkapazitäten – und in der gleichen Zeit auch Subventionen erhält, um die Flotte zu modernisieren. Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Ich kann business-as-usual nicht mehr akzeptieren. Und für die Sitzung des Ministerrats gilt: Wir dürfen die Reform im ganzen doch nicht gefährden, nur weil wir nett zu jedem sein wollen.

ZEIT ONLINE: Das klingt ehrgeizig.

Damanaki: Ja, das ist mir ein wirkliches Anliegen. Natürlich wäre ich froh, wenn die Minister meinen Vorschlag unverändert annehmen. Aber das ist eben unrealistisch – die Mehrheit der Mitgliedsstaaten will Änderungen.

ZEIT ONLINE: Erstmals schreibt auch das Europaparlament am Gesetzentwurf mit. Haben Sie wenigstens die Abgeordneten auf Ihrer Seite?

Damanaki: Um ehrlich zu sein: Ich bin enttäuscht. Ich hätte mehr Unterstützung aus dem EU-Parlament erwartet. Im Juni gab es Parlamentarier, die sich eine noch ambitioniertere Reform wünschten und forderten, dass es schneller gehen müsse. Jetzt gibt es sehr viel Zurückhaltung und schon mehr als 5.000 Änderungswünsche am Gesetzesvorschlag. Sicher, viele denken an ihre eigenen, nationalen Fischereien. Aber jetzt muss man mutig sein und sich auf die wirklich wichtigen Fragen konzentrieren.

ZEIT ONLINE: Fühlen Sie sich wenigstens von der deutschen Bundesregierung unterstützt?

Damanaki: Ja, für die deutsche Rückendeckung bin ich dankbar. Gerade Deutschland engagiert sich sehr in internationalen Fragen, egal, ob es die Bekämpfung der illegalen Fischerei, die Fischereiabkommen mit anderen Staaten oder die Umsetzung von EU-Standards dort sind.

ZEIT ONLINE: Wie sehr drängt die Zeit?

Damaniki: Wirklich wichtig ist es, einen Kompromiss zur Finanzierung der Reform zu finden. Dafür brauchen wir eine gute Arbeitsatmosphäre, vor allem, wenn im nächsten Frühjahr EU-Parlament, Ministerrat und Kommission sich einigen müssen. Jede Regierung kann hier beitragen, indem sie die Verhandlungen zu diesem Zeitpunkt nicht blockiert. Die Zeit drängt: Am besten einigen wir uns noch vor 2014. Sonst stecken wir mitten im Wahlkampf zum Europaparlament. Und es gibt noch ein viel wichtigeres Argument: Wenn wir noch zwei, drei Jahre verstreichen lassen, wird es für einige Fischbestände zu spät sein.

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Leserkommentare
  1. wäre auch eine Lösung, aber dafür gibt es keine Subventionen.

  2. Eine Editierfunktion wäre langsam mal angebracht!

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    • TDU
    • 22. Oktober 2012 15:25 Uhr

    Sag ich doch immer. Hätte man früher auf die Armuts -und Verzichtsappelle diverser Religion, und würde man heute auf die Verzichstappelle diverser Parteien und Organisationen hören, wäre die Welt sicher eine Bessere. Vor allem für die, die nicht verzichten. Ich esse selten Fisch.

    Immer noch zuviel? Wo wäre also die Grenze für den Einzelnen?

    Aber man nähme mal an, alle würden verzichten. Dann spielt Überfluss oder Mangel doch gar kein Rolle mehr. Dann geht es um Naturfragen. Narungsmittelmässig interessiert das so wenig wie die Anzahl der Waldameisen, die wir ja nicht essen.

    Also bleibt doch nur Interessenausgleich oder Zwangsrationierung.

  3. und erwartet dass der Fischfang zurück geht? Das ist ja absurd!
    Die einzige Sprache die die Wirtschaft versteht sind STEIGENDE Kosten.

    Diese werden dann zwar an den Kunden weitergegeben aber dann greift man halt seltener zum Fisch und DAS ist das einzige was Überfischung einschrenkt. Wenn weniger gekauft wird.

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    • TDU
    • 22. Oktober 2012 15:51 Uhr

    "Diese werden dann zwar an den Kunden weitergegeben aber dann greift man halt seltener zum Fisch und DAS ist das einzige was Überfischung einschrenkt. Wenn weniger gekauft wird."

    Dafür sorgte früher das Jagdrecht der Fürsten. Das Ganze hat nur einen Haken. Man kann das Prinzip auf alles anwenden, was es gibt. Auch Herstellungsverweigerung mangels Profit, um durch Verknappung udn admit höhere Preise, mehr Profit zu erzielen. Luxusgüterprinzip.

    Die EU sollte alle Subventionen streichen. Aber damit kommt sie aber nicht durch. Die Spanier, wo Fischfang zu den Hauptindustrien gehoert und fuer die das Problem Ueberfischung kein Thema ist ( der Thunfisch rote Flosse ist an der Kueste Galiziens fast ausgestorben ) werden die Plaene boykottieren. Solange mit Fischen Geld verdient werden kann, wird die Ueberfischung weiter gehen.

  4. Oder wir könnten keinen einzigen Cent ausgeben und die Bestände schützen, indem wir die Fangrechte verkaufen und es den Geschäftsleuten überlassen ihr Kapital (Fischbestände) zu schützen und konservieren.

    Aber da bin ich vielleicht zu einfach gestrickt um die Rafinesse des Plans unserer EU-Overlords zu erkennen: Man nimmt einen Haufen Geld und wirft es in Form von komplizierten Programmen auf den Fischereimarkt, in der Hoffnung, dass diesmal doch alles anders ist, als beim letzten gescheiterten Programm...

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    • Flari
    • 22. Oktober 2012 15:18 Uhr

    "...indem wir die Fangrechte verkaufen und es den Geschäftsleuten überlassen ihr Kapital (Fischbestände) zu schützen und konservieren."

    Und den KKW-Eignern verkaufen wir dann ein Stückchen Land, auf dem sie alleine die Atommüllentsorgung betreiben "müssen"..

    • Flari
    • 22. Oktober 2012 15:18 Uhr

    "...indem wir die Fangrechte verkaufen und es den Geschäftsleuten überlassen ihr Kapital (Fischbestände) zu schützen und konservieren."

    Und den KKW-Eignern verkaufen wir dann ein Stückchen Land, auf dem sie alleine die Atommüllentsorgung betreiben "müssen"..

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bürokratendrohnen"
    • TDU
    • 22. Oktober 2012 15:25 Uhr

    Sag ich doch immer. Hätte man früher auf die Armuts -und Verzichtsappelle diverser Religion, und würde man heute auf die Verzichstappelle diverser Parteien und Organisationen hören, wäre die Welt sicher eine Bessere. Vor allem für die, die nicht verzichten. Ich esse selten Fisch.

    Immer noch zuviel? Wo wäre also die Grenze für den Einzelnen?

    Aber man nähme mal an, alle würden verzichten. Dann spielt Überfluss oder Mangel doch gar kein Rolle mehr. Dann geht es um Naturfragen. Narungsmittelmässig interessiert das so wenig wie die Anzahl der Waldameisen, die wir ja nicht essen.

    Also bleibt doch nur Interessenausgleich oder Zwangsrationierung.

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  5. Nun die Feststellung hätte ein Blinder mit einem Krückstock genau so präzise hin bekommen.

    Welche Schiffe hat man den Abgewrackt per Subvention?
    Meist sind es kleine Fischerboote deren Besitzer kaum wissen wie sie die nächste Diesel Füllung bezahlen sollen. Bietet man denen einen Strohhalm greifen Sie logischerweise danach. Auf die Menge die gefischt wird hat dies aber keine Wirkung.

    Die grossen Fischkutter welche bis nach Afrika auf Raubzug geschickt werden sind das Problem. Die Fischfabrik Schiffe, welche den Fisch noch an Bord verarbeiten können. Die hören auch nicht auf, weil man ihnen ein Paar Tausender bietet. Die bringen mehr nach Hause mit einer Fahrt als da geboten wurden für das Abwracken.

    Da müsste schon mit ganz anderen Mitteln vorgegangen werden.

    Maschen weite vergrössern.
    Netze verkürzen respektive verkleinern.
    Gesamt Menge die pro Fahrt zurück gebracht werden darf
    usw.

    Die Menge der Boote war früher nie ein Problem.

    Übrigens überall dort wo die sogenannten Piraten ihr Unwesen treiben und sich die Fischfabriken der EU nicht hin trauen, erholen sich die Fischbestände rapide.

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    • Coiote
    • 23. Oktober 2012 17:53 Uhr

    "Da müsste schon mit ganz anderen Mitteln vorgegangen werden.

    Maschen weite vergrössern.
    Netze verkürzen respektive verkleinern.
    Gesamt Menge die pro Fahrt zurück gebracht werden darf"
    Die Netze verkürzen, macht doch eigentlich wenig Sinn. Damit wird lediglich die Effektivität der Schiffe veringert. Dann werden die Fischer halt für die gleiche Menge Fisch länger rum fahren müssen, sprich länger arbeiten, und mehr Diesel verbrennen (CO2 Fußabdruck pro Fisch steigt damit).

    Die gesamte Menge, wird ja bereits begrenzt, sie muss nur noch weiter eingeschränkt werden. Gerade solche Regelungen sind aber auch gefährlich. Das führt dazu, dass wenig profitabler Beifang wieder in Meer gekippt wird (die Beifangfische sind dann in der Regel tot), damit man mehr Edelfische rausholen darf.

    Das einzige, das wirklich helfen würde, und gleichzeitig durch Regelung in der Praxis umsetzbar wäre, wären weitläufige Schutzzonen, in denen größere Trawler einfach nicht fischen dürfen. Mit einer Art verplombten GPS-Empfänger für die Ortsangabe und verplombten Einrichtung zur Aufzeichnug, wann die Netze draußen sind, wäre eine Kontrolle technisch gesehen recht einfach. Bei Verstoß gibts dann drakonische Strafen (Enteignung des Bootes, Entziehung des Kapitänspatents).

    • TDU
    • 22. Oktober 2012 15:51 Uhr

    "Diese werden dann zwar an den Kunden weitergegeben aber dann greift man halt seltener zum Fisch und DAS ist das einzige was Überfischung einschrenkt. Wenn weniger gekauft wird."

    Dafür sorgte früher das Jagdrecht der Fürsten. Das Ganze hat nur einen Haken. Man kann das Prinzip auf alles anwenden, was es gibt. Auch Herstellungsverweigerung mangels Profit, um durch Verknappung udn admit höhere Preise, mehr Profit zu erzielen. Luxusgüterprinzip.

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    Antwort auf "Man verschenkt Geld"

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