Im aktuellen Report "Unser Land, unsere Leben" fordert die Hilfsorganisation Oxfam von der Weltbank, ihre Agrarland-Projekte auszusetzen. Die Organisation mit Sitz in Washington solle sich sechs Monate Zeit nehmen, um die Leitlinien ihrer Agrarpolitik zu überprüfen. 

Wie kaum eine andere staatliche Entwicklungsorganisation prägt die Weltbank das internationale Geschäft mit Agrarland. Das Institut und seine Tochtergesellschaften investieren in großem Maßstab in Landprojekte. Damit nehmen sie Einfluss auf die Agrarpolitik von armen Ländern. Wer sich den Regeln der Weltbank nicht unterwirft, erhält keine Kredite.

Auch für viele private Investoren seien Weltbank-Standards maßgeblich, so Oxfam. Doch diese seien viel zu lasch – zum Schaden der lokalen Bevölkerung. "Der weltweite Ausverkauf von Land führt zu Hunger, Gewalt und zu einem Leben in Armut", sagt die Agrarexpertin der Hilfsorganisation, Marita Wiggerthale.

Eigentlich wollen die Weltbank und andere Geberinstitutionen – unter anderem auch die Vereinten Nationen – Gutes tun, indem sie die Investitionen in Land ankurbeln. Jahrzehntelang hat die gängige Entwicklungspolitik die Landwirtschaft vernachlässigt. Es fehlte an Forschung, Ausbildung und Investitionen in Maschinen, Saatgut oder Infrastruktur.

Die Folge: Gerade in den armen Ländern des Südens erwirtschaften die Bauern oft nur geringe Erträge. Höhere Investitionen, so die Theorie, könnten dazu beitragen, die Lage der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern.

Mit Millionenbeträgen unterstützt daher die Weltbank Investitionen in Agrarprojekte. Und inzwischen boomt das globale Geschäft mit dem Ackerland . In den vergangenen zehn Jahren ist Oxfam zufolge weltweit Land mit der sechsfachen Fläche Deutschlands verpachtet oder verkauft worden, überwiegend an internationale Investoren. Mit Treibstoffpflanzen wie Zuckerrohr und Mais lässt sich viel Geld verdienen; Soja ist als Futtermittel heiß begehrt; Nahrung wird knapper und damit teurer . Der Handel mit Agrarprodukten verspricht gute Renditen.

Entsprechend lukrativ sind Investitionen in fruchtbares Land. Das gilt ganz besonders für die von der Agrarwirtschaft noch unerschlossenen Landstriche in den Tropen. Dort sind Landrechte häufig ungeklärt, der Boden scheint niemandem zu gehören – selbst wenn er von der ansässigen Bevölkerung genutzt wird. Diese werde häufig gewaltsam und ohne Entschädigung vertrieben, kritisiert Wiggerthale. Dass auch Projekte der Weltbank die Landrechte der lokalen Bevölkerung verletzt hätten, sei vielfach dokumentiert.