Frage: Leichter gesagt als getan …

Schauf: Seine persönlichen Eigenschaften zu kennen, ist auf Dauer unerlässlich, um langfristig erfolgreich zu sein. Ich kann nicht Top-Manager werden, wenn ich mich selbst noch nicht erkannt habe. Wer sich selbst völlig überschätzt, wird scheitern. Vielleicht kann er sich zu Beginn noch gut verkaufen, aber früher oder später wird er von anderen das Feedback bekommen: Pass auf, wir haben dich durchschaut. Du glaubst zwar, du bist hier der Anführer, aber diese Fähigkeiten hast du nicht.

Frage: Können Führungskräfte diese Fähigkeiten dann auch nicht mehr erwerben?

Schauf: Das funktioniert meist nicht mehr – das sind in der Regel gefestigte Persönlichkeiten. Aus denen mache ich nicht mehr einen komplett anderen Managertyp. Der Führungsstil muss zu dem jeweiligen Manager passen. Es bringt nichts, jeder Managementmode hinterherzurennen.

Frage: Wenn mein Management-Typ gerade nicht in den Zeitgeist passt, habe ich also Pech gehabt?

Schauf: Nein. Welche Eigenschaften gefragt sind, variiert von Branche zu Branche . Nehmen wir mal einen Idealisten mit der Ausprägung Lehrer. Diese Typen sind an Hochschulen als Führungskräfte sehr erfolgreich. Der Aufseher hingegen ist in sehr konservativen, hierarchischen Unternehmen gut aufgehoben, weil er selbst gerne das Zepter in der Hand hat und klare Anweisungen gibt, was mir persönlich zum Beispiel auch mehr liegt.

Gruppenleiter statt Aufseher

Frage: Sie unterrichten unter anderem an einer Hochschule. Wie passt das denn mit einer Aufseher-Attitüde zusammen?

Schauf: Ich würde mich nicht als Aufseher, sondern eher als Gruppenleiter bezeichnen. Ich habe früh erkannt, dass es für mich nichts ist, als Angestellter oder Befehlsempfänger zu arbeiten. Es gefällt mir nicht, wenn andere mir sagen, was ich tun oder lassen soll. Natürlich muss ich mich ab und zu ein bisschen zurücknehmen, denn ich würde am liebsten jedem in der Gruppe sagen, was er zu tun hat. Aber ich weiß natürlich, dass das für den Gruppenerfolg nicht vorteilhaft ist. Diese Erkenntnis über mich selbst hat mir gezeigt, dass ich nicht in einer starken Hierarchie angestellt arbeiten sollte.

Frage: Sie sind doch an der Hochschule angestellt …

Schauf: Klar. Aber Professoren haben eine gewisse Freiheit der Lehre und so lässt sich das gut vereinbaren.

Erschienen in der WirtschaftsWoche