Führungskräfte"Auch Schweine müssen effektiv führen"

Der Business-Coach Malcolm Schauf hilft Managern bei der Persönlichkeitsanalyse. Im Interview verrät er, welcher Führungsstil für welche Persönlichkeit typisch ist. von Kristin Schmidt

Frage: Herr Schauf, heutzutage soll ein Manager im Team arbeiten können, ein Organisationstalent sein und am besten noch vor Kreativität sprühen. Zeichnet das Ihrer Meinung nach einen guten Manager aus?

Malcolm Schauf: Nein, auch wenn es gewünscht ist – so eine eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht bei Führungspersönlichkeiten. Ich kann aus einem Kreativen keinen Top-Projektmanager machen. Manager sollten ihre Stärken ausbauen und nicht zu viel Zeit darauf verwenden, ihre Schwächen auszugleichen. Das wird in Unternehmen häufig falsch gemacht.

Frage: Sie arbeiten mit einem Verfahren, das Abhilfe schaffen soll. Wie funktioniert das?

Schauf: Es basiert vor allem auf einem Modell, das der amerikanische Psychologe David Keirsey entwickelt hat. Er unterscheidet grundsätzlich vier Managertypen : den Beschützer, den Künstler, den Rationalisten und den Idealisten. Jeder weiß nach dem Test, welchem Typ er am ehesten entspricht, welche Aufgaben ihm liegen und welche eher nicht.

Frage: Zum Beispiel?

Schauf: Prozessplanung etwa ist eher was für Rationalisten, Künstlern liegt das weniger. Die wollen sich nicht hinsetzen und eine Woche lang ein Projekt planen.

Frage: Ach …

Schauf: Klingt vielleicht banal. Aber ich höre einfach sehr oft: Oh ja, das hasse ich auch. Aber ich muss es immer machen.

Malcom Schauf

Malcom Schauf ist Management-Trainer und Unternehmensberater.

Frage: Welchen Ausweg empfehlen Sie?

Schauf: Auch wenn es im Unternehmen erwünscht ist super zu planen, gibt es trotzdem Leute, denen das nicht liegt. Wenn jemand größtenteils Dinge erledigen muss, die ihm nicht liegen oder keinen Spaß machen, ist es der falsche Job. Eigentlich muss jeder erst gucken, welcher Typ er ist und dann, welcher Job zu ihm passt. Ein Künstler ist einfach nicht der Typ, der im Außendienst die Akquise macht. Er sollte mit seinem kreativen Potential lieber Projektideen entwickeln.

Frage: Dass jeder den ganzen Tag nur das macht, wozu er hundertprozentig Lust hat, ist doch illusorisch.

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Schauf: Richtig, irgendwann kommt in jedem Job der Punkt, wo man sich über sein Naturell hinwegsetzen muss. Ich hatte mal jemandem im Coaching, der hat gesagt: Ich hasse Menschen. Ich habe ihm geraten nicht authentisch zu sein und bei den Menschen den Anschein zu erwecken, dass er sich für sie interessiert – sonst hätte er kaum eine Chance auf eine Führungsposition gehabt. Auch wenn du ein Schwein bist, musst du effektiv führen können.

Management ist wie eine Ehe

Frage: Sich selbst finden oder sich verstellen – was denn nun?

Schauf: Es geht zum einen darum zu erkennen, wer man ist und zum anderen, zu wissen, was andere von einem erwarten. Das ist im Arbeitsalltag wie in einer Ehe : Viele Frauen sagen, sie hätten ihren Ehemann erzogen und oft stimmt das auch. Aber nach zwanzig Jahren Ehe merkt der Partner, dass er zu jemandem geworden ist, der er nie sein wollte und trennt sich von seiner Frau. Auf der anderen Seite sagt der Mann vielleicht nicht gerne "Ich liebe dich", aber er weiß, seine Frau hört es gerne. Dann wird er lernen, diese drei ominösen Worte über seine Lippen zu bringen. Das bedeutet nicht, dass er es auch sagen will. Aber er muss sich dafür nicht grundlegend verändern.

Frage: Die Konsequenz?

Schauf: Wer merkt, dass die Erwartungen der anderen Seite absolut nicht zu einem selbst passen, sollte sich eine andere Frau suchen. Oder, wenn es um die Arbeit geht, eben einen anderen Job.

Leserkommentare
    • amandaR
    • 09. November 2012 10:26 Uhr

    ..."Ich hatte mal jemandem im Coaching, der hat gesagt: Ich hasse Menschen. Ich habe ihm geraten nicht authentisch zu sein und bei den Menschen den Anschein zu erwecken, dass er sich für sie interessiert – sonst hätte er kaum eine Chance auf eine Führungsposition gehabt. Auch wenn du ein Schwein bist, musst du effektiv führen können..."

    Dieser sog. Coach hat seinen Beruf verfehlt und offenbart eine Haltung, die einfach nur abstoßend ist. Sollte er seinem Klienten nicht eher dazu verhelfen, so kongruent zu werden, dass er einen Job findet, der zu ihm paßt, anstatt sich zu verstellen?

    Davon abgesehen- wo liegt der Sinn darin, einem "Schwein" zu helfen, eine Führungsposition zu erlangen? Schweine gibt es zuhauf unter den Führungskräften und sie richten täglich einen hohen wirtschaftlichen Schaden an!

    7 Leserempfehlungen
    • cafbad
    • 09. November 2012 10:33 Uhr

    Der Gedanke, dass die Welt doch irgendwie einfach zu kriegen ist, indem man menschliche Vielfalt auf wenige Persönlichkeitstypen reduziert, scheint einfach nicht totzukriegen zu sein. Gerade im Bereich Leadership / Management. Alle paar Jahre kommt wieder jemand daher und erklärt mit stolzgeschwellter Brust, nun aber wirklich den entscheidenden Persönlichkeitstest entwickelt zu haben.

    Dabei ist es wirklich einfach, den Wert solcher Tests einzuschätzen. Man überprüft die üblichen Testgütekriterien: Reliabilität (bleiben Testergebnisse derselben Person stabil oder kommt jedesmal etwas anderes heraus?), Objektivität (kommt dasselbe heraus, wenn ein anderer auswertet?) und - vor allem - Validität (misst der Test, was er zu messen vorgibt?).

    Solange bei einem beliebigen Verfahren die Ausprägungen dieser Kriterien nicht mitgeteilt werden (dafür gibt es entsprechende Studien; Reliabilität und Validität werden üblicherweise in Form eines Koeffizienten zwischen 0 und 1 mitgeteilt), kann man sie getrost ignorieren.

    Beispielhaft für ein in der psychologischen Wissenschaft breit anerkanntes Persönlichkeitsinventar, das die sogenannten "Big Five" misst, findet sich so etwas hier: http://www.testzentrale.d...

    Die Crux ist, dass selbst ein in der Wissenschaft anerkanntes Inventar kaum Verhaltensvorhersagen zulässt. Soll heißen: Persönlichkeit spielt für das Verhalten eine Rolle, aber andere Faktoren (insbesondere situative) eben auch.

    3 Leserempfehlungen
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    • cafbad
    • 09. November 2012 10:50 Uhr

    Bei dem hier angesprochenen Verfahren handelt es sich - warum wird das eigentlich nicht erwähnt? - ganz offensichtlich um den Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI), einen wahrhaftig alten Hut, der auf vier Persönlichkeitstypen nach C.G. Jung basiert und diese weiter ausdifferenziert. Das Verfahren wird in der Wissenschaft, nicht nur wegen der Basierung auf einem veralteten Persönlichkeitskonzept (Jung und im letzten Wiesengrunde die klassische Vier-Elemente-Lehre) kritisch gesehen (siehe auch den entsprechenden Wikipedia-Eintrag)und findet in der wissenschaftlichen Forschung meines Wissens keine Verwendung.

    Informationen zum MBTI von unabhängiger und fachkundiger Seite (und ausgesprochen zurückhaltender Kritik) finden sich u.a. hier: http://diagnostik.sdbb.ch...

    Fazit: Der MBTI ist veraltet, entspricht nicht den üblichen wissenschaftlichen Standards für Persönlichkeitstests und es ist mir wahrhaftig schleierhaft, warum er hier - unter verschämter Nicht-Nennung seines Namens - als etwas Neues und Großartiges präsentiert wird. Ein Coach, der seinen Ansatz auf solch ein Verfahren stützt (ich weiß, das tun viele, das macht es nicht besser), wäre mir zutiefst suspekt. Persönlichkeit ist wahrhaftig ein außerordentlich komplexes und widersprüchliches Konstrukt, dem man mit ein paar wenigen "Typen" nun wirklich nicht gerecht wird.

    • cafbad
    • 09. November 2012 10:50 Uhr

    Bei dem hier angesprochenen Verfahren handelt es sich - warum wird das eigentlich nicht erwähnt? - ganz offensichtlich um den Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI), einen wahrhaftig alten Hut, der auf vier Persönlichkeitstypen nach C.G. Jung basiert und diese weiter ausdifferenziert. Das Verfahren wird in der Wissenschaft, nicht nur wegen der Basierung auf einem veralteten Persönlichkeitskonzept (Jung und im letzten Wiesengrunde die klassische Vier-Elemente-Lehre) kritisch gesehen (siehe auch den entsprechenden Wikipedia-Eintrag)und findet in der wissenschaftlichen Forschung meines Wissens keine Verwendung.

    Informationen zum MBTI von unabhängiger und fachkundiger Seite (und ausgesprochen zurückhaltender Kritik) finden sich u.a. hier: http://diagnostik.sdbb.ch...

    Fazit: Der MBTI ist veraltet, entspricht nicht den üblichen wissenschaftlichen Standards für Persönlichkeitstests und es ist mir wahrhaftig schleierhaft, warum er hier - unter verschämter Nicht-Nennung seines Namens - als etwas Neues und Großartiges präsentiert wird. Ein Coach, der seinen Ansatz auf solch ein Verfahren stützt (ich weiß, das tun viele, das macht es nicht besser), wäre mir zutiefst suspekt. Persönlichkeit ist wahrhaftig ein außerordentlich komplexes und widersprüchliches Konstrukt, dem man mit ein paar wenigen "Typen" nun wirklich nicht gerecht wird.

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    • DI77
    • 09. November 2012 19:33 Uhr

    Der Herr Schauf kann sich wohl freuen, dass er einen Kundenstamm, incl. einer Hochschule betreuen und informieren darf.
    Das freut mich für ihn! Coaches entwickeln über die Jahre und ihrer Erfahrung die Eigenschaft mit der Rede vertraut zu sein. Sicheres Auftreten, überzeugende Argumente, MBTI(veraltete Teste), wie man aus den Kommentaren entnehmen kann, stärken das Selbst-bewusstsein einen Trainers.
    Stimmt der äußere Eindruck? Besitzt er die Eigenschaft non-verbal seine persönliche Einstellung zu überspielen, kann er sich gut verkaufen? - man glaubt ihm!
    Das das, was er erzählt richtig ist, ist die andere Frage.
    Ich stimme dem 1. Kommentar zu 100 % zu und kann nur hoffen, dass er aus diesen Kommentaren und Kritiken etwas für sich mit nimmt. Für mich stellt sich die Frage: "Möchte er nur Geld verdienen oder möchte er die Menschen positiv beeinflussen?"
    Ein ganz wichtiger Faktor heutzutage in der Menschenführung "Vertrauen und Ehrlichkeit"!
    Damit muss ein Coach überzeugen - Reden schwingen bringt nix!

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