Um 3:11 Uhr kommt sie endlich, die lang ersehnte SMS: Die Kanzlerin lädt zur Pressekonferenz. Ein wenig müde sieht sie aus. Aber nach wenigen Augenblicken ist klar: Merkel ist gut gelaunt – sofern man das zu so später Stunde überhaupt noch sein kann.

Die Bankenaufsicht kommt, aber gründlich und ausführlich vorbereitet – so, wie es die Bundesregierung immer gefordert hatte. Das kostet Zeit, und genau das erhofft sich Berlin . Schließlich ist die Begeisterung der Kanzlerin relativ gering, ausländischen Banken über den Euro-Rettungsfonds ESM direkt Geldspritzen zu gewähren. Das aber soll laut Gipfelbeschluss vom Juni möglich sein, wenn es eine funktionierende Aufsichtsbehörde gibt. Vor allem Spanien und Irland hoffen auf ESM-Gelder für ihre Banken.

Kurz vor Beginn des Gipfels hatten sich Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande noch einen harten Schlagabtausch geliefert . Den Franzosen, aber auch der EU-Kommission , konnte es nicht schnell genug gehen: Sie wollten, dass die Bankenaufsicht schon zum Jahreswechsel funktionsfähig ist und dann erste Institute rekapitalisieren kann. Die Deutschen hingegen drängten auf Sorgfalt – vulgo mehr Zeit .

Nun wird also gründlich vorbereitet. Bis Ende des Jahres sollen die Finanzminister erst einmal einen Rechtsrahmen erarbeiten, der regeln soll, wie eine Aufsichtsbehörde für alle 6.000 europäischen Bankinstitute aussehen könnte. Bis diese dann ihre Arbeit tatsächlich aufnehmen kann, werden noch Monate vergehen.

Kein konkretes Datum

"Im Laufe des Jahres 2013" soll die Aufsicht an den Start gehen – auf ein konkretes Datum haben sich die Staats-und Regierungschefs nicht festlegen wollen. "Es wird eine Bankenaufsicht geben und sie soll den Namen verdienen und funktionsfähig sein", sagt Merkel. Es sei schon ambitioniert, bis Ende des Jahres einen Rechtsrahmen dafür zu entwickeln, habe Mario Draghi , der Chef der Europäischen Zentralbank , den 27 Staatschefs am Abend erklärt.

Doch auch wenn es nun einen Kompromiss gibt: Die europaweite Bankenaufsicht ist nur ein Schritt auf dem Weg zur Bankenunion . Und die wiederum ist auch nur ein Schritt zur Lösung der Krise in Europa . Ein Trippelschritt.

Schon dieser erste kleine Schritt wirft allerdings zahlreiche weitere Fragen auf. Wie etwa lassen sich geldpolitische Entscheidungen und Aufsicht voneinander trennen, wenn beide Aufgaben unter dem Dach der EZB angesiedelt sein sollen? Und was ist mit Staaten, die vielleicht eines Tages dem Euro beitreten wollen – eine Frage, die vor allem Schweden umtreibt.

Wenig Neues zu Griechenland

Auch zu Griechenland äußern sich die Euro-Zonen-Staaten nach dem ersten Gipfeltag äußerst vage – es reicht nur zu einem 14-Zeiler. Man begrüße die Fortschritte des Landes , schreiben die Staatschefs in der Abschlusserklärung, lobe die "Entschlossenheit" der Regierung und würdige "die außerordentlichen Anstrengungen des griechischen Volkes." Ansonsten wenig Neues: Man warte den Troika-Bericht ab.

Einen Seitenhieb kann sich Merkel allerdings auch spätnachts in der Pressekonferenz nicht verkneifen. "Wir erwarten, dass Griechenland seine Verpflichtungen erfüllt, dann kann es auch in der Eurozone verbleiben", gibt sie den Griechen mit.

Um 3:19 Uhr hat auch die Kanzlerin genug. Die Pressekonferenz ist vorbei. In nur sechs Stunden, am Freitag morgen um 9.15, soll es weitergehen. "Bis heute irgendwann wieder", ruft sie den Journalisten zu. Es klingt wirklich gut gelaunt.