FrauenpolitikEU-Abgeordnete blockieren männlichen EZB-Kandidaten

Der EU-Parlamentsausschuss hat Yves Mersch als sechsten Mann im EZB-Direktorium abgelehnt. Der Grund: Der EZB-Posten soll an eine Frau gehen.

Der Präsident der luxemburgischen Nationalbank, Yves Mersch

Der Präsident der luxemburgischen Nationalbank, Yves Mersch

Ein Ausschuss des Europäischen Parlaments hat gegen die Nominierung des Präsidenten der luxemburgischen Nationalbank, Yves Mersch, für einen Sitz im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) gestimmt. Es war das erste Mal, dass sich die Abgeordneten gegen einen Personalvorschlag gestellt hatten.

Die Abgeordneten sprachen ihm zwar nicht die Qualifikation für das Amt ab. Sie kritisierten aber, dass nach seinem Einzug voraussichtlich bis 2018 keine Frau im EZB-Direktorium sitzen werde. "Wir sind dagegen, dass die mächtigste Institution der EU für die nächsten sechs Jahre ausschließlich von Männern geleitet wird", sagte die liberale britische Ausschussvorsitzende Sharon Bowles.

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Das letzte Wort hat nun das Plenum des EU-Parlaments, das am kommenden Donnerstag über Mersch abstimmt. Bis dahin scheint auch noch ein Kompromiss möglich.

Besondere Bedeutung bekam dabei der Auftritt des EU-Ratspräsidenten im EU-Parlament. Hermann van Rompuy versuchte, die Sorgen der Abgeordneten zu beschwichtigen, und kündigte an, künftig mehr Frauen in wichtige Führungspositionen zu hieven. Er habe bereits einen flammenden Appell an die Staats- und Regierungschefs gerichtet, "weibliche Kandidatinnen für freie Stellen auf europäischer Ebene auszusuchen und vorzuschlagen", sagte der Belgier. Dies sei besonders nötig im Wirtschafts- und Finanzsektor, "wo Frauen eklatant unterrepräsentiert sind".

Mangelnde Berücksichtigung von Frauen

Das EU-Parlament hat bei der Benennung der EZB-Direktoriumsmitglieder zwar nur ein Anhörungsrecht. Offen ist aber, ob sich die Mitgliedsstaaten über ein endgültig negatives Votum des Parlaments hinwegsetzen würden. Ohne Zustimmung der Volksvertretung wäre die Legitimation des EZB-Kandidaten von Anfang an geschwächt.

Um die Benennung Merschs gibt es seit Monaten Streit zwischen den Mitgliedsstaaten und dem Parlament. Das hat den seit Langem geplanten Einzug Merschs ins Direktorium bislang verhindert. Seit Juni sitzen im Direktorium nur fünf statt sechs Notenbanker. Die Abgeordneten hatten nie Merschs Eignung in Zweifel gezogen. Viele kritisierten aber die mangelnde Berücksichtigung von Frauen.

Seit 1999 war mit der Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell lediglich eine Frau Mitglied des EZB-Direktoriums. Auch unter den Chefs der 17 nationalen Notenbanken befinden sich derzeit keine Frauen.

 
Leserkommentare
  1. ...wegen sexueller Diskriminierung.
    Wenn selbst die Abgeordneten ihm die Qualifizierung nicht absprechen, ihn aber den Job verweigern weil er ein Mann ist, stehen die Chancen nicht schlecht.

    Im englischen gibts den schönen Spruch:
    "Two wrongs do not make a right."

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    ... will gesetzlich vorschreiben lassen, dass 40% der Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt werden. Sie könnte gleich mal bei der EU Institutionen anfangen, s. oben, oder bei den Finanzministern. Von 17 EURO-Finanzministern ist nur einer eine Frau, allerdings die einzig wirklich fähige österreichische Politikerin.

    Entfernt. Kein Bezug zum Artikelthema. Danke, die Redaktion/ds

    Wenn an so wichtigen Schaltstellen das Geschlecht mehr zählt als die Qualifikation, dann muss man sich um die EU wirklich Sorgen machen.

    Vielleicht kann man ja die mit ihrem Job offensichtlich überforderte und dennoch beratungsresistente Frau Reding, bisher Justizkommissarin, ohne selbst Juristin zu sein, dorthin abschieben.

    ... will gesetzlich vorschreiben lassen, dass 40% der Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt werden. Sie könnte gleich mal bei der EU Institutionen anfangen, s. oben, oder bei den Finanzministern. Von 17 EURO-Finanzministern ist nur einer eine Frau, allerdings die einzig wirklich fähige österreichische Politikerin.

    Entfernt. Kein Bezug zum Artikelthema. Danke, die Redaktion/ds

    Wenn an so wichtigen Schaltstellen das Geschlecht mehr zählt als die Qualifikation, dann muss man sich um die EU wirklich Sorgen machen.

    Vielleicht kann man ja die mit ihrem Job offensichtlich überforderte und dennoch beratungsresistente Frau Reding, bisher Justizkommissarin, ohne selbst Juristin zu sein, dorthin abschieben.

  2. 2. Toll!

    Selbst in so wichtigen Positionen geht es also nicht mehr um Fähigkeiten sondern um das Geschlecht. Super, in unserer heutigen Position brauchen wir auch keine Führungskräfte die uns aus der Patsche helfen können. Viel wichtiger ist es, das uns eine Frau führt.

    32 Leserempfehlungen
    • ludna
    • 23.10.2012 um 7:51 Uhr

    das ist ganz klar Diskriminierung. Oder gilt das nur in eine Richtung ?

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    • tinnef
    • 23.10.2012 um 8:41 Uhr

    schauen sie sich doch nur den ÖD in ihrem eigenen Land an. Frauenquote teilweise schon bei 100%.

    Man kann den Behörden auf diesem Weg nur alles erdenklich Gute wünschen.

    • tinnef
    • 23.10.2012 um 8:41 Uhr

    schauen sie sich doch nur den ÖD in ihrem eigenen Land an. Frauenquote teilweise schon bei 100%.

    Man kann den Behörden auf diesem Weg nur alles erdenklich Gute wünschen.

  3. Masterabschluss/Diplom: +25%
    Doktorgrad: +50%
    MBA: +40%
    Geschlechtsumwandlung: unbezahlbar!

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  4. ... will gesetzlich vorschreiben lassen, dass 40% der Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt werden. Sie könnte gleich mal bei der EU Institutionen anfangen, s. oben, oder bei den Finanzministern. Von 17 EURO-Finanzministern ist nur einer eine Frau, allerdings die einzig wirklich fähige österreichische Politikerin.

    2 Leserempfehlungen
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    Entfernt, da polemisch. Danke, die Redaktion/ds

    Entfernt, da polemisch. Danke, die Redaktion/ds

    • Repec
    • 23.10.2012 um 8:17 Uhr

    Inwiefern ist die Geschlechtergleichstellung wichtiger als Besetzung nach Bevölkerungszahl oder finanzieller Beteiligung?

    6 Leserempfehlungen
  5. Ganz richtig, Kommentator 1:
    Two wrongs don't make a right!
    Das ist klar diskriminierend und wenn der Mann Mumm hätte, würde er klagen. Wäre mal lustig, was des EU-Laberparlament dann aufführen würde.

    12 Leserempfehlungen
    • Thetis
    • 23.10.2012 um 8:25 Uhr

    ist in der EU maßlos überrepräsentiert.
    Deutschland hat 160 mal soviele Einwohner.
    Das ist die große Schande dabei.

    Und ja. Man fragt sich allerdings, ob es so wenige qualifizierte Frauen gibt. Oder ob die einfach nur nicht berücksichtigt werden. Immerhin sind ca. 50 Prozent aller Europäer weiblich.

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