Lange Zeit tauchte Peter Altmaier vor allem auf den Boulevardseiten dieser Republik auf. Vieles war dort schon Thema – sein Gewicht, sein Single-Leben, seine Leidenschaft für gutes Essen, selbst die Gaumenspalte. Die Energiewende, von der sein politisches Schicksal nun abhängt, rückte in den Hintergrund.

Altmaier wollte sich erst einmal informieren. Nach seinem Amtsantritt im Mai reiste er im Sommer durch Deutschland, traf sich mit Dutzenden Menschen, um über die Energiewende zu sprechen. Mit hochgekrempelter Hose stampfte er durchs Wattenmeer, im weißen Overall fuhr er ins Atommülllager Asse ein, stiefelte durchs Solarvalley. Immer waren Fotografen dabei, und es gab kaum ein Motiv, das sich Altmaier entgehen ließ.

Es war die Schonzeit, die jeder Minister bekommt, wenn er sich ein neues Thema einarbeiten muss – noch dazu in so ein komplexes wie die Energiewende. Diese Zeit ist nun vorbei.

"Ein Moment, vor dem ich Respekt habe"

Donnerstagmorgen, elf Uhr, Altmaier stürmt in den hellen, überdachten Innenhof des Bundesumweltministeriums. Er stellt sich vor eine blaue Wand mit dem Logo des Ministeriums, einen Mikrofon-Blumenstrauß vor der Nase. Ungewöhnlich steif und gerade steht er da, nur ein paar Zettel in der Hand. Altmaier ist angespannt, das gibt er unumwunden zu: " Ich muss Ihnen zugestehen, das ist heute einer der Momente, vor denen ich selber auch ein bisschen Respekt habe, obwohl ich im Allgemeinen sehr geländegängig bin" , sagt er.

Auf vier beidseitig bedruckten Seiten präsentiert Altmaier seine Ideen zu der Frage, was aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werden soll . Es ist ein ehrgeiziges Papier. Altmaier will nicht über einzelne Centbeträge und Vergütungssätze für Kilowattstunden reden. Der 54-Jährige will eine Komplettreform, den großen Aufschlag. Er will die Förderung von Wind- und Biomassestrom deckeln, ähnlich wie bei Solarstrom. Den Wildwuchs zwischen den Bundesländern bei ihren Ausbauplänen will er verhindern. Und er erwägt sogar, das Fördermodell komplett zu ändern und statt fester Einspeisetarife ein Ausschreibungsmodell oder gar ein Quotenmodell einzuführen. 

Altmaier steht unter besonderem politischen Druck. Seit Wochen beschert das EEG Deutschland eine Debatte über Strompreise und die Kosten der Energiewende. Seit Tagen ist klar, dass die Ökostromumlage wahrscheinlich bei 5,3 Cent je Kilowattstunde liegen wird – eine Steigerung von mehr als 50 Prozent. Sein Ressortkollege Philipp Rösler scheucht ihn vor sich her und klagt öffentlich über die steigenden Kosten. Verbraucherschützer fordern eine Strompreis-Bremse. Und die Grünen werfen ihm die zahlreichen Ausnahmen für Unternehmen bei der EEG-Umlage vor.