Die Bundesregierung hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr wegen der Euro-Krise einem Medienbericht zufolge reduziert. Die Regierung gehe für 2013 nur noch von einem Wachstumsplus von einem Prozent statt der bisher erwarteten 1,6 Prozent aus, hieß es aus Kreisen der Regierung.

In diesem Jahr erwartet die Regierung jedoch noch einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes von 0,8 statt bisher von 0,7 Prozent. Diesen Optimismus teilen Wirtschaftsexperten: Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der Konjunktur in den kommenden sechs Monaten kletterte den zweiten Monat in Folge – und zwar auf minus 11,5 Zähler von minus 18,2 Punkten. "Das sommerliche Stimmungstief scheint damit überwunden", sagte Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. Offenbar zeigt sich, dass die Unsicherheit an den Finanzmärkten schwindet. Grund dafür könnte das Handeln der Europäischen Zentralbank sein. Sie hatte im September angekündigt, mit dem Aufkauf von Staatsanleihen der südeuropäischen Länder deren Finanzierung zu stützen.

Über die weitere Entwicklung sind sich die Fachleute nicht einig. "Die konjunkturellen Risiken für Deutschland haben sich aus Sicht der Finanzmarktexperten etwas reduziert", hieß es vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Für die Volkswirte der NordLB reichen die leichten Verbesserungen bei den Konjunkturerwartungen jedoch nicht aus, um eine Trendwende auszurufen: "Allerdings kommt hierin schon zum Ausdruck, dass sich die Risiken aus der Schuldenkrise mit den Beschlüssen der EZB und der Arbeitsaufnahme des Europäischen Rettungsschirms ESM deutlich verringert haben."

Anstieg der Arbeitslosigkeit

Aus Sicht des gewerkschaftsnahen IMK aus Düsseldorf ist die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in nächster Zeit in eine Rezession gerät, "im vergangenen Monat rasant angestiegen", warnt IMK-Experte Peter Hohlfeld. Die Unternehmen stellten Investitionen zurück, weil ihnen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu schwach erscheine. Die Arbeitslosigkeit werde zunehmen. Ein scharfer Anstieg bleibe zwar vorerst aus. Gleichwohl rät das Institut der Bundesregierung, frühzeitig gegenzusteuern: Sie solle die Regelungen zur Kurzarbeit rasch wieder so großzügig fassen wie während der akuten Wirtschaftskrise 2009/2010.

Die Bundesregierung orientiert sich an den Zahlen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute . Sie hatten in der vergangenen Woche ihre Prognosen für dieses und nächstes Jahr gesenkt. Im kommenden Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach ihren Erwartungen um 1,0 Prozent zulegen, im laufenden Jahr um 0,8 Prozent. In ihrem Frühjahrsgutachten waren sie noch von höheren Werten ausgegangen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler will die Prognose der Regierung am Mittwoch offiziell veröffentlichen. Die Zahlen sind die Grundlage aller Berechnungen der öffentlichen Haushalte.