SiemensSolarthermie ist kein Hoffnungsträger mehr

Die Pläne waren ambitioniert: Siemens wollte Weltmarktführer in der Solarthermie werden. Nun steigt der Konzern aus – und will sich auf Windkraft konzentrieren. von Carla Neuhaus

Es galt als das Geschäft der Zukunft. Noch vor drei Jahren hoffte Siemens, mit der Solarenergie große Gewinne zu machen. Am Montag ist aus der Hoffnung der Zukunft Vergangenheit geworden: Der Konzern zieht sich vollständig aus dem Solargeschäft zurück. Nach hohen Verlusten will Siemens die Sparte so schnell wie möglich verkaufen. Die Erwartungen im Bereich der Solarenergie hätten sich nicht erfüllt, begründete das Unternehmen den Schritt und teilte mit: "Bei den erneuerbaren Energien will sich Siemens künftig auf die Wind- und Wasserkraft konzentrieren."

Zu der Sparte, die der Konzern jetzt auflöst, gehören das Geschäft mit schlüsselfertigen Fotovoltaik-Anlagen und die Solarthermie. Erst 2009 hatte Siemens für 284 Millionen Euro das israelische Solarthermie-Unternehmen Solel übernommen. Seitdem machte die Firma allerdings nur Verluste, erst vor knapp einem Jahr musste Siemens 231 Millionen Euro auf den Unternehmenswert von Solel abschreiben. Jetzt sucht der Konzern einen Käufer für die Firma. Es würden dazu bereits Gespräche mit Interessenten geführt, teilte Siemens mit.

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Einer dieser Interessenten könnte Avi Brenmiller sein, der vor der Übernahme Vorstandschef bei Solel war und jetzt den Rückkauf des Unternehmens erwägt. Die Rahmenbedingungen hätten sich stark verändert, begründet Siemens die Entscheidung, sich von Solel zu trennen. "Der globale Markt für Solarthermie ist von vier auf zuletzt etwas über ein Gigawatt zurückgegangen", sagte Vorstand Michael Süß, der für den Energiesektor zuständig ist.

Bei der Solarthermie werden die Sonnenstrahlen über Spiegel eingefangen, ihre Wärme treibt dann eine Dampfturbine an, die wiederum Strom erzeugt. "In den letzten Jahren ist es aber vor allem in Spanien, dem Hauptmarkt für solarthermische Kraftwerke, immer schwieriger geworden, Finanzierer zu finden", sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel.

Billigkonkurrenz aus China

Neben der Euro-Krise bereitete auch der starke Preisverfall bei der Fotovoltaik Solel Probleme. Denn die Fotovoltaik, bei der Sonnenlicht direkt in Strom umgewandelt wird, gilt als Konkurrenzverfahren zur Solarthermie: Weil die Fotovoltaik aufgrund der starken Wettbewerber aus China immer billiger geworden ist, hat die Solarthermie zuletzt stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Nach Ansicht von Leonard Herbig, Analyst beim Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin, ist Siemens viel zu spät ins Solargeschäft eingestiegen und habe dieses "von Anfang an nur halbherzig betrieben". Er kritisierte, unter Löscher ähnelte "der Kurs bei erneuerbaren Energien einem Suchprozess". Außerdem habe sich Siemens mit dem Engagement in der Solarthermie "außerhalb seines Kerngeschäfts“ bewegt. "Die großen Solarunternehmen sind jedoch alle Spezialisten."

Von den Verkaufsplänen, die Siemens hat, sind weltweit gut 680 Mitarbeiter betroffen – am Berliner Standort wird sich hierdurch nichts ändern. Künftig will Siemens einen stärkeren Schwerpunkt auf das Windkraftgeschäft legen. Mit gut 9.000 Mitarbeitern und einem Auftragsbestand von mehr als zehn Milliarden Euro arbeitet es derzeit profitabel.

Bei den Offshore-Windparks auf See ist Siemens nach eigenen Angaben sogar Marktführer. Der Konzern rechnet damit, dass die erneuerbaren Energien bis 2030 gut 28 Prozent des weltweiten Strommix ausmachen werden.

Wasserkraft und Windenergie werden nach Einschätzung des Konzerns dabei "weltweit den größtem Beitrag" leisten. Der Verkauf des verlustträchtigen Solargeschäfts kommt wenig überraschend. Siemens-Chef Peter Löscher hatte bereits im Sommer ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt und das Ziel ausgegeben, in den nächsten zwei Jahren wettbewerbsfähiger, schneller und unbürokratischer werden zu wollen.

Auf mittlere Sicht will er einen Umsatz von 100 Milliarden Euro erreichen. Seine Jahresbilanz und weitere Details zum Sparprogramm will der Konzern am 8. November in Berlin vorlegen. Börsianer reagierten am Montag unentschlossen auf die Nachricht vom Verkauf der Solarsparte. Die Siemens-Aktie notierte zwischenzeitlich im Plus, ging dann aber 0,3 Prozent schwächer aus dem Handel.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • Xdenker
    • 23. Oktober 2012 12:11 Uhr
  1. ... IST der Ausstieg falsch.

  2. Wenn es um das heilige Praeputium ginge, wären schon 600!

  3. Da Solarthermie Wasser (blöd in der Wüste...) und komplexe Anlagentechnik benötigt, ist diese der Fotovoltaik inzwischen sowohl in der Anschaffung, als auch bei den Betriebskosten deutlich unterlegen.

    Der einzige Vorteil, den die Technologie hat ist eine begrenzte Speicherfähigkeit über Nacht, falls das Kraftwerk dafür entsprechend ausgerüstet wird.

    An Energiespeichern aber forscht inzwischen die ganze Welt und so kann es durchaus passieren, dass die Technologie wieder verschwindet.
    Beispielsweise sobald die Kombination Solarzelle+Hochtemperaturbatterie günstiger als ST wird , was gar nicht so unwahrscheinlich ist

    • meander
    • 01. November 2012 7:54 Uhr

    Konzerne und der Finanzsektor denken zentralistisch und handeln mehr und mehr ineffizient. Daher sind Ausstiege aus einer Technologie oder aus bestimmten Geschäftsfeldern kein Grund, dass eine Geschäftsidee unrentabel ist oder nicht nutzbar.

    Mehr Sachlichlichkeit und weniger Ideologie bitte.

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  • Schlagworte Siemens AG | Energie | Euro | Euro-Krise | Kraftwerk | Solarenergie
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