Institut für WirtschaftsforschungSteuereinnahmen erreichen neue Rekordmarke

Trotz schwacher Konjunktur verbessern die Steuerschätzer ihre Prognose: 2012 wird der Staat erstmals mehr als 600 Milliarden Euro kassieren – die Tendenz ist steigend. von afp und reuters

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert, dass die Steuerschätzung für dieses Jahr deutlich besser ausfallen wird als zuvor. Bund, Länder und Gemeinden werden demnach zum ersten Mal mehr als 600 Milliarden Euro einnehmen. "Mit 601,5 Milliarden Euro dürften die Steuereinnahmen fünf Milliarden Euro höher ausfallen, als bei der letzten Schätzung im Mai vorhergesagt", sagte DIW-Expertin Kristina van Deuverden vom Arbeitskreis Steuerschätzungen dem Handelsblatt .

Selbst die schwächere Konjunktur im kommenden Jahr voraussichtlich nichts am Rekordwert der Einnahmen ändern. Für 2013 erwartet das Institut dann 620 Milliarden Euro. Das wären zwei Milliarden Euro mehr als ursprünglich vorhergesagt, obwohl das DIW in den Berechnungen  das umstrittene Gesetz zum Abbau der kalten Progression berücksichtigt hat.

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Mit dem Gesetz will Schwarz-Gelb die Bürger 2013 um zwei Milliarden Euro entlasten, die SPD lehnt das im Bundesrat aber ab . Sollte das DIW richtig liegen, würde der Arbeitskreis Steuerschätzungen Ende des Monats zum fünften Mal in Folge seine Vorhersage nach oben korrigieren.

Deutsche Konjunktur bekommt nur kleine Delle

Die Euro-Schuldenkrise und die schwächere Weltwirtschaft werden die deutsche Konjunktur laut Prognose des DIW nur kurzzeitig belasten. Nach einer Schwächephase im zweiten Halbjahr 2012 wird das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr wieder stärker zulegen. Die DIW-Volkswirte rechnen in ihren am Dienstag veröffentlichten Herbstgrundlinien 2012 mit einem Wachstum von 1,6 Prozent 2013. Für dieses Jahr sagen sie ein Plus von lediglich 0,9 Prozent voraus.

Dämpfend auf das Wirtschaftswachstum wirke vor allem die weiter sinkende Nachfrage nach deutschen Produkten aus den Krisenländern des Euro-Raums. Aber auch im Rest der Welt werde sich die Nachfrage zunächst deutlich schwächer entwickeln.

Stellenabbau nur gering

"Vor allem in den Schwellenländern und den USA lässt die Konjunktur merklich nach", sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Besonders in China und Brasilien reagierten die Regierungen aber mit expansiver Geldpolitik und Konjunkturpaketen. "Wir gehen deshalb davon aus, dass die Konjunktur dort ab der Jahreswende wieder etwas anzieht. Das dürfte sich positiv auf die deutsche Exportwirtschaft auswirken."

Der deutsche Arbeitsmarkt werde sich vergleichsweise stabil entwickeln, sagte er. Zwar setze sich auch hier die schwächere wirtschaftliche Dynamik durch. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte leicht von durchschnittlich 2,9 Millionen im Jahr 2012 auf gut drei Millionen im kommenden Jahr steigen, prognostiziert das DIW. Der Stellenabbau sei aber begrenzt, weil die Firmen sich wegen der knappen Arbeitskräfte bemühten, ihre Belegschaft zu halten und auf Überstundenabbau oder Kurzarbeit setzten.

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Leserkommentare
  1. Die Situation ist schwierig.

    Einerseits könnte man wenn man sich ein wenig anstrengt jetzt bald den ausgeglichenen Haushalt schaffen und dann, ohne je Geld zurück zahlen zu müssen, mit ansehen, wie Wirtschaftswachstum und Inflation den Schuldenberg abschmelzen (nicht absolut, aber in % des BIP.

    Andererseits ist da das Problem mit der Schuldenkrise im Rest von Europa und die Gefahr mit in den Abgrund gerissen zu werden.

    Man könnte fast meinen es wäre sinnvoll jetzt noch mal richtig gut auf Pump zu leben und ordentlich zu investieren - dies setzt aber voraus das der Absturz auch wirklich kommt, woran ich aber zweifle, denn seit rund 4 Jahren muss ich in den kommentaren hier immerzu lesen, dass "Der Crash noch maximal 2 Monate auf sich warten lässt" .

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    Einerseits könnte man wenn man sich ein wenig anstrengt jetzt bald den ausgeglichenen Haushalt schaffen und dann, ohne je Geld zurück zahlen zu müssen, mit ansehen, wie Wirtschaftswachstum und Inflation den Schuldenberg abschmelzen (nicht absolut, aber in % des BIP.)

    Das funktioniert, wie Sie selbst schon geschrieben haben, Wirtschaftswachstum und Inflation. Ausweitung der Geldmenge ohne entsprechendes Wachstum der Güter+Dienstleistungen bedeutet Kaufkraftverlust - je ärmer, desto stärker ist man davon betroffen.

    Immerwährendes Wirtschaftswachstum ist aber unmöglich.

    Andererseits ist da das Problem mit der Schuldenkrise im Rest von Europa und die Gefahr mit in den Abgrund gerissen zu werden.

    Solange das nicht in den Köpfen eines jeden Bürgers ankommt, daß man die eigenen Guthaben auf dem Konto nicht steigern kann, ohne daß jemand anders, also die Mitbürger oder die Bürger anderer Länder dementsprechend Schulden aufnehmen, so lange wird sich das Problem "Schuldenkrise" niemals lösen lassen.

    Schuldenkrise = Guthabenkrise.

    Keiner will Schulden, alle wollen Schulden abbauen.

    In gleichem Maße die demgegenüberstehenden Guthaben abzubauen, davon redet merkwürdigerweise niemand ...

    Insofern ist es politisch doch weder gewünscht noch durchsetzbar, die Neuverschuldung oder gar den Schuldenstand abzubauen. Welcher Politiker will den Reichen+Mächtigen der Gesellschaft denn wirklich an ihre Guthaben ran?

    Absurdes Theater ......

    Zitat: "denn seit rund 4 Jahren muss ich in den kommentaren hier immerzu lesen, dass "Der Crash noch maximal 2 Monate auf sich warten lässt"

    Ist ja auch keine Kunst... Die Regierungen pumpen seitdem auch Milliarden in dieses Faß ohne Boden. (Und der Schuldenberg steigt logischerweise noch höher...) Wenn man aufhören würde, dieses System mit finanziellen Blutkonserven vollzupumpen und die künstliche Beatmung abschalten würde, wäre der Zusammenbruch schneller da als die nächste Schlagzeile online gestellt.

    • Chali
    • 02. Oktober 2012 10:46 Uhr

    von wem "der Staat" erstmals mehr als 600 Milliarden Euro abkassieren will.

    Bei der herrschenden merkwürdigen "Staatsdefinition" sind ja Sozialabgaben auch "Staats-Einnahmen". Also solche, die jeder rechtlich denkende Mensch dem Finanzminister zur frien Verfügung geben möchte. Dass das Geld nicht missbraucht wird!

  2. wir haben unsere Situation im Griff. Solche Meldungen werden die Begehrlichkeiten der Euro-Südländer sicher sofort wieder wecken. Aber die können wir dann sicher auch noch bedienen, indem wir dann Reichensteuern und weitere Nettigkeiten für Besserverdienende einführen. Es wird keiner geschont, auch die, die heute noch meinen, sie seien nicht reich.

    • zacc
    • 02. Oktober 2012 10:52 Uhr
    4. Timing

    Wie praktisch dass so eine Meldung gerade herauskommt, kurz nachdem einige Leute öffentlich höhere Steuern für Reiche gefordert haben ;)

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    Wie wäre es mit dieser Meldung:

    "Die Steuereinnahmen sinken, da die Besserverdiener keine Steuern bezahlen"

    Stimmt wohl nicht, aber ist immerhin politisch korrekt und das ist doch auch wichtig oder?

    • Bommel
    • 02. Oktober 2012 10:54 Uhr

    .. könnten an dieser Stelle einfach mal Fragen: Warum nicht mit unerwarteten und unverplanten Einnahmen den Schuldenberg abbauen?

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    • Gerry10
    • 02. Oktober 2012 11:06 Uhr

    ...so funktioniert die Wirtschaft nicht.
    Googeln Sie mal "Schuldgeld" oder auch "Fiat Geld".

  3. Einerseits könnte man wenn man sich ein wenig anstrengt jetzt bald den ausgeglichenen Haushalt schaffen und dann, ohne je Geld zurück zahlen zu müssen, mit ansehen, wie Wirtschaftswachstum und Inflation den Schuldenberg abschmelzen (nicht absolut, aber in % des BIP.)

    Das funktioniert, wie Sie selbst schon geschrieben haben, Wirtschaftswachstum und Inflation. Ausweitung der Geldmenge ohne entsprechendes Wachstum der Güter+Dienstleistungen bedeutet Kaufkraftverlust - je ärmer, desto stärker ist man davon betroffen.

    Immerwährendes Wirtschaftswachstum ist aber unmöglich.

    Andererseits ist da das Problem mit der Schuldenkrise im Rest von Europa und die Gefahr mit in den Abgrund gerissen zu werden.

    Solange das nicht in den Köpfen eines jeden Bürgers ankommt, daß man die eigenen Guthaben auf dem Konto nicht steigern kann, ohne daß jemand anders, also die Mitbürger oder die Bürger anderer Länder dementsprechend Schulden aufnehmen, so lange wird sich das Problem "Schuldenkrise" niemals lösen lassen.

    Schuldenkrise = Guthabenkrise.

    Keiner will Schulden, alle wollen Schulden abbauen.

    In gleichem Maße die demgegenüberstehenden Guthaben abzubauen, davon redet merkwürdigerweise niemand ...

    Insofern ist es politisch doch weder gewünscht noch durchsetzbar, die Neuverschuldung oder gar den Schuldenstand abzubauen. Welcher Politiker will den Reichen+Mächtigen der Gesellschaft denn wirklich an ihre Guthaben ran?

    Absurdes Theater ......

    Antwort auf "Schwiergie Situation"
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    Schauen Sie sich den Lebensstandard von 1912 an und den von heute.
    Probleme gibt es durch wertverzehrendes Wachstum.
    Wertverzehrend sind Banken, Versicherungen, ARD/ZDF, Staatsapparat.
    Wertschaffend sind Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen oder auch "Die ZEIT".

    Das Bruttosozialprodukt als Wachstumsmaßstab ist unsinnig.
    Wenn ein Staat neue Schulden macht und 20 000 Gleichstellungsbeauftragte oder Fahrradreferenten oder Krätenwanderungsbevollmächtigte einstellt - dann steigt das Inlandsprodukt. Irgendwann kommt dann der Katzenjammer wie heute in den CLubMed-Ländern.

  4. Wie wäre es mit dieser Meldung:

    "Die Steuereinnahmen sinken, da die Besserverdiener keine Steuern bezahlen"

    Stimmt wohl nicht, aber ist immerhin politisch korrekt und das ist doch auch wichtig oder?

    Antwort auf "Timing"
    • genius1
    • 02. Oktober 2012 11:03 Uhr

    Wohl auch für den Schuldenstand!

    Aber wir Wissen ja, wo es nicht Ankommt! Wir müssen noch weiter Sparen.

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    http://www.handlungsfaehi...

    Des einen Schulden sind des anderen Gewinne!

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