Die europäischen Großbanken sind nach Einschätzung der EU-Bankenaufsicht EBA belastbarer geworden. Den endgültigen Ergebnissen des Stresstests der EBA zufolge haben die Banken ihren Risikopuffer aufgestockt und konnten so ihre Bilanzen deutlich steigern: Bis Juni sammelten die geprüften 71 Geldhäuser 205 Milliarden Euro neues Kapital ein.

In dieser Summe enthalten sind jedoch Hilfen für spanische und griechische Banken. EBA-Chef Andrea Enria sagte, die Stärkung der Kapitalrücklagen sei "ein wichtiger Schritt nach vorn, aber es ist noch einiges zu tun". Im Dezember 2011 hatte die EBA bei den Banken fehlende Kapitalrücklagen in Höhe von 114,7 Milliarden Euro festgestellt.

Die 27 Banken, die der EBA Pläne zum Erreichen der geforderten Kapitalquote von neun Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme vorlegen mussten, sammelten 116 Milliarden Euro ein. Diesen Banken hatte die EBA zuvor noch eine Lücke in den Kapitalrücklagen in Höhe von 76 Milliarden Euro bescheinigt.

Vier Banken haben der EBA zufolge die geforderte Grenze von neun Prozent nicht erreicht: Monte dei Paschi aus Italien, NKBM aus Slowenien sowie aus Zypern die Bank of Cyprus und die Marfin Popular Bank. Ihnen fehlen zusammen etwa 3,7 Milliarden Euro. Hier liefen jedoch die Verhandlungen auch mit den jeweiligen Regierungen. Lösungen sollen bis zum Jahresende gefunden sein.

Deutsche Banken bestehen den Test

Die Aufsicht kündigte an, sie wolle bei ihrer Forderung bleiben. Es müsse verhindert werden, dass das angesammelte Kapital nun wieder abfließe. "Die Banken sind nun in besserer Verfassung, um Geld in die Realwirtschaft zu pumpen", sagte Enria. "Aber sie müssen den Weg weitergehen, den die neue Regulierungslandschaft vorgibt." Einige Banken hatten eine niedrigere Quote gefordert und argumentiert, die Vorgaben erschwerten die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Haushalte.

Die zwölf teilnehmenden Banken aus Deutschland hätten allesamt die geforderte Kapitalgrenze erfüllt, teilten die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit: "Die Quote beträgt im Durchschnitt 10,7 Prozent, wodurch alle Institute zusammen die Mindestkapitalanforderungen der EBA um 15,5 Milliarden Euro übertreffen." Die fünf Geldhäuser, die im vergangenen Jahr noch einen Kapitalbedarf von fast 13 Milliarden Euro aufwiesen, hätten diesen gedeckt. Sie hätten die Lücke nicht nur geschlossen, sondern wiesen nun sogar ein Plus von insgesamt 9,6 Milliarden Euro auf.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier lobte die Disziplin der Banken. "Diese finanzielle Konsolidierung stärkt die Fähigkeit der Banken, die Realwirtschaft dauerhaft zu finanzieren", sagte er. "Das ist ein echter Fortschritt, über den ich mich freue." Das bedeute jedoch nicht, dass die Finanzkrise nun vorbei sei, warnte er.