Eurofound-Studie : Arbeitslose Jugendliche kosten Europa 153 Milliarden im Jahr

Die Euro-Krise ist auch eine Krise der Jugend: 7,5 Millionen der zwischen 15- und 24-Jährigen waren 2011 arbeitslos. Das belastet nicht nur die europäische Wirtschaft.
Ein junger Mann betritt das Arbeitsamt in Madrid. © Beatriz Velardiez

Im Jahr 2011 hat die europäische Wirtschaft durch die Nichtbeteiligung junger Menschen am Arbeitsmarkt 153 Milliarden Euro eingebüßt. Das entspricht 1,2 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl setzt sich aus den staatlichen Leistungen für die Arbeitslosen und der fehlenden Produktionskraft in der Wirtschaft zusammen. Das geht aus einer Studie der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) hervor.

Demnach waren 2011 in Europa 7,5 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sowie weitere 6,5 Millionen junge Menschen zwischen 25 und 29 Jahren weder erwerbstätig noch absolvierten sie eine schulische oder berufliche Ausbildung. Das ist ein deutlicher Anstieg. Im Jahr 2008 lag die Rate unter den 15- bis 24-Jährigen noch bei 11 Prozent und unter den 15- 29-Jährigen bei 17 Prozent. Mit Beginn der Rezession stieg der Wert bis 2011 auf 13 Prozent beziehungsweise 20 Prozent an.

Zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten gibt es große Unterschiede: In den Niederlanden sind 7 Prozent der Jugendlichen ohne Job und Ausbildung, in Italien sind es mehr als 17 Prozent. Daher gibt es auch große Abweichungen beim Bruttoinlandsprodukt. Einige Länder zahlen dabei einen besonders hohen Preis: In Griechenland, Italien, Bulgarien und Irland sind es bis zu zwei Prozent der Wirtschaftsleistung.

Gefahr von politischen Unruhen

Paul Gregg, Ökonom an der Universität von Bath, schätzt die langfristigen finanziellen Auswirkungen der hohen Jugendarbeitslosigkeit als gravierend ein. Junge Menschen sammelten im Lebensabschnitt zwischen 19 und 30 Jahren beim Berufseinstieg die wichtigsten Erfahrungen, sagte Gregg dem Guardian. "Ist man während dieser Phase ein Jahr oder mehr ohne Arbeit, entgeht einem eine wichtige Lernphase." Es entstünden Defizite, die auch später nur sehr schwer wieder aufgeholt werden könnten. Diese wiederum fielen der Wirtschaft dann als reduzierte Produktivität zur Last.

Die Eurofound-Studie warnt auch vor den gesellschaftlichen Auswirkungen der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Eine Erkenntnis der Studie ist, dass sich junge Arbeitslose weniger politisch engagieren und schlussendlich auch weniger Vertrauen in die Politik hätten als Jugendliche mit einer Beschäftigung. Stefano Scarpetta, Leiter der Abteilung Beschäftigungspolitik bei der OECD, sagte dem Guardian, die Ernüchterung bei Europas junger Generation habe ein gefährliches Level erreicht. "Wir kommen unserer gesellschaftlichen Verantwortung nicht mehr nach." Werde nichts gegen die Situation unternommen, steige die Gefahr von sozialen und politischen Unruhen massiv an.

EU mit besonderer Verantwortung

Scarpetta zieht gar den Vergleich zum Arabischen Frühling. In den arabischen Ländern seien unter anderem auch jene jungen Leute auf die Straßen gegangen, die trotz guter Ausbildung im Arbeitsmarkt keine Chancen hatten.

Peter Matjasic, Präsident der NGO-Dachorganisation Youth Forum, appelliert an die Verantwortung der Politik und insbesondere an die der Europäischen Union. Im Gespräch mit dem Guardian rief er den kürzlich an die EU verliehenen Friedensnobelpreis zurück ins Gedächtnis: "Das Nobelpreis-Komitee hat über den Erfolg des europäischen Traums gesprochen, die Spitzenpolitiker Europas haben versprochen, diesen festigen zu wollen." Nun könnten sie zeigen, wie viel ihnen wirklich an diesem Traum liege, sagte Matjasic. "Wenn wir jetzt nicht in die Jugend investieren, dann könnte aus dem europäischen Traum bald ein verlorener Traum werden."

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Dann sollten sich die Krisenländer ansehen

wie es in den europäischen Ländern gemacht wird, in denen die Situation besser ist und es auch so machen. Wenn das wegen der Sturheit der Gewerkschaften dort nicht zu machen ist die strukturellen Probleme zu läsen, dann ist sind das nationale Probleme der jeweiligen Länder. Kein europäisches Problem. Noch gibt es keinen europäischen Superstaaat, also ist jedes Land für die eigenen Politik und deren Folgen verantwortlich und daher muss jedes Land die eigenen Probleme selber lösen. Und da es ein strukturelles Problem ist, würden Eurobonds et al nur den Effekt haben, dass etwas Zeit gewonnen wird und dann die Staaten die die Lösung ihrer Probleme angegangen sind mit runtergezogen werden.

Der Euro ist nicht der Kern des Problems, aber er macht es natürlich viel schwieriger, weil man die Währung der Krisenländer nicht abwerten kann. Dieses Problem wurde vorhergesagt, aber die Europa-Visionären haben warnende Stimmen mit lautem europäischem Pathos übertönt. Nun wird es halt viel schwieriger, hoffen wir mal sehr nicht unmöglich.

Solange Politiker in der EU sitzen ...

und nur auf ihre Vergünstigungen schielne, gluabt doch kein mensch, dass sich was ändert. Jetzt sollen diejenigen, die für das ganze Durcheinander zuständig sind, etwas dagegen tun?

Es kann nur ein Europa durch den Bürger geben, alles andere wäre verlogen und falsch. Aber das kann noch dauern, bis erkannt wird, dass wenn jeder ein Stück am Strick zieht, sich sogar eine Welt aus den Angeln heben lässt!

Gemeinsames Europa ja wann nur.

Das dauert noch 300 bis 400 Jahre bis sich da alle einmal einig sind. Und das wird es wohl nicht so schnell geben, denn der eine hat einen dickeren Strick der nicht so schne ll reißen kann und der andere hat einen dünneres Seil das schon 3 mal gerißen und wieder geflickt ist. Aber das ist politisch soooo gewollt und funktioniert doch ganz gut, denn in 10 Jahren gibts dann wieder genug Doofis die JEDE Arbeit annehmen für wenig Geld, was den Plan von Frau v.d.Leyen natürlich supertoll entgegenkommt ( mit Ihrer MiniRente 890,- Euro für ALLE ). Für diesen kommenden Knick, also Billigarbeitskräfte = keine Zahlungen in die Rentenkasse = Sozialfälle, sollten die Politiker entsprechend zur Kasse gebeten werden mit ihren doppel- und mehr -Einnahmen sie sie bis heute fast alle steuerlich verschleiern, an den zu hohen Diäten abgezogen werden. --Geliches Recht für alle-- (also auch bei den Kosten )