Folgen der Euro-Krise: Proteste in Madrid gegen die Spaßmaßnahmen der spanischen Regierung © Denis Doyle/GettyImages

Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone könnte nach Einschätzung von Experten die Weltwirtschaft erschüttern . In einer Studie der Bertelsmann Stiftung kommen die Autoren zwar zu dem Schluss, dass ein Staatsbankrott des Mittelmeerlandes und sein Euro-Austritt isoliert betrachtet "für die Weltwirtschaft ökonomisch verkraftbar" sei. Allerdings sei "nicht auszuschließen, dass die Kapitalmärkte dann auch Portugal , Spanien und Italien das Vertrauen entziehen und es dort ebenfalls zu Staatsbankrotten kommt. Die Weltwirtschaft würde dadurch in eine tiefe Rezession fallen."

Nach Berechnungen der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung würden die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt in diesem schlimmsten Fall bis zum Jahr 2020 Wachstumseinbußen in Höhe von insgesamt 17,2 Billionen Euro erleiden. Zu den Betroffenen würden nicht nur die Südeuropäer oder die Mitglieder der EU , sondern auch die USA , China und andere Schwellenländer gehören.

"Die internationale Staatengemeinschaft sollte daher einen Staatsbankrott und Euroaustritt Griechenlands verhindern, um die damit verbundenen möglichen Dominoeffekte zu vermeiden", schreiben die Autoren. "Eine weitere Erosion der Euro-Zone wäre unvermeidlich. "Auch die Belastungen des Austrittes für die Länder selbst sind für die europäische Solidargemeinschaft kaum verkraftbar", sagte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Milliardenkosten auch für Deutschland

Den Berechnungen zufolge müsste sich etwa Griechenland bei einer Rückkehr zur Drachme auf 164 Milliarden Euro Wachstumsverluste bis 2020 einstellen. Damit einher gingen der Staatsbankrott, eine massive Abwertung der neuen griechischen Währung, Arbeitslosigkeit sowie Nachfrageverluste, was sich bereits schnell auf seine direkten Handelspartner auswirken würde. Die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt müssten zu dem Zeitpunkt aber bereits einen Verlust von insgesamt 674 Milliarden Euro verkraften.

Deutschland müsste demnach allein bei einem Austritt Griechenlands aus dem Währungsraum bis 2020 mit 73 Milliarden Euro Einbußen bei der Wirtschaftsleistung rechnen. Dazu kämen 64 Milliarden Euro Einmalkosten durch Abschreibungen auf Forderungen privater und öffentlicher Gläubiger.

Bei allen Berechnungen der Studie wurde unterstellt, dass private wie öffentliche Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten müssten. Zudem wurde angenommen, dass eine neue griechische Währung um 50 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet würde.

Momentan aber stehen diese Szenarien noch nicht auf der Tagesordnung, da Griechenland auf die nächste Milliardenhilfe der internationalen Partner hoffen darf. So warb die Bundesregierung kurz vor dem EU-Gipfel entschieden um Vertrauen für das Land. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) schloss einen Staatsbankrott Griechenlands aus .