VerkehrsbrancheAmerikas Fluglinien sanieren sich auf Kosten der Kunden

Die amerikanischen Fluglinien American, Delta und United erzielen noch immer Gewinne. Ein Grund dafür sind ausgeklügelte Zusatzgebühren. von Nils Rüdel

American Airlines

American Airlines fliegt weiter rote Zahlen ein.  |  © Getty Images

Wer in Amerika in ein Flugzeug steigen will, sollte neben seinem Ausweis unbedingt eine Kreditkarte dabei haben. Denn dann kann es für den Passagier, sollte er kein Vielflieger sein, nochmal richtig teuer werden: 25 Dollar kostet der erste aufgegebene Koffer, manche Airlines verlangen noch 50 Dollar fürs Handgepäck. 120 Dollar fallen schon mal für einen Sitz am Notausgang an. Filme, Snacks, Alkohol, Kopfhörer oder sogar das Kopfkissen halten die Stewardessen gerne bereit – für einen kleinen Aufpreis.

Das ist die neue Realität am Himmel der USA . Doch was Passagiere nervt, freut die Fluglinien: Unter anderem wegen der immer ausgeklügelteren Zusatzgebühren haben sie es geschafft, trotz zweier Rezessionen innerhalb eines Jahrzehnts noch immer Gewinne zu erfliegen.

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In diesen Tagen legen die großen US-Airlines die Zahlen aus dem dritten Quartal vor – und die größten unter ihnen können nach Erwartungen von Analysten zufrieden darauf zurückblicken. Die Nachfrage in den traditionell starken Sommermonaten war konstant, außerdem gaben die Kerosinpreise wieder etwas nach.

Am heutigen Donnerstag legt der Billigflieger Southwest seine Zahlen vor, demnächst folgen die anderen Branchengrößen United Airlines und Delta Air Lines. Den Anfang hatte am Mittwoch bereits American Airlines gemacht. Die Fluglinie, seit Ende 2011 im geregelten Insolvenzverfahren, musste zwar Verluste melden: Das Minus verschlimmerte sich sogar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von unterm Strich 162 Millionen auf 238 Millionen Dollar. Doch Schuld daran sind nach Firmenangaben die hohen Kosten der Umstrukturierung in der Insolvenz. Ohne diese Belastungen wäre ein Gewinn von 110 Millionen Dollar herausgekommen.

Die gute Nachricht: Trotz zuletzt negativer Schlagzeilen über Verspätungen und umgekippte Sitzreihen hielten die Passagiere der Fluglinie die Treue. Im dritten Quartal waren die Flugzeuge so voll wie niemals zuvor. Folglich legte der in der Branche wichtige Umsatz pro Passagier und geflogener Meile um 4,3 Prozent zu – stärker als bei der Konkurrenz. Die Gesamterlöse stiegen leicht um ein Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar.

"Wir machen weiterhin Fortschritte bei unserer Restrukturierung", sagte American-Airlines-Chef Tom Horton. Mit scharfen Einschnitten will das Unternehmen den Neustart schaffen und trägt deshalb derzeit harte Konflikte mit der Pilotengewerkschaft Allied Pilots Association aus. Zudem sollen Tausende Stellen wegfallen und weitere Strecken gestrichen werden. Verhandelt wird parallel über eine Fusion mit US Airways . In den vergangenen Jahren waren bereits andere Fluglinien wie Delta, United und US Airways erfolgreich durch eine Insolvenz gegangen.

Leserkommentare
  1. schön, wenn es weniger Verbindungen gibt, aber die Tickets dafür teurer werden - das erinnert mich so an die Deutsche Bahn. Scheinbar ist der Markt jetzt auch in Amerika angekommen.

    Ich frage mich ja nur: hieß es ursprünglich nicht mal, daß der Markt das alles von selber regelt??? Hier scheint mir aber eine Konzentration hin zu einem Monopol vorzuliegen.

    "Die schlechte Nachricht ist, dass Airlines, wenn es weniger von ihnen gibt, leichter die Interessen der Kunden missachten können". Über diese Erkenntnis bin ich ja nun wirklich baff erstaunt - vielleicht sollten sich unsere deutschen Energieunternehmen mal der Sache annehmen und den Airlines zeigen, wie mans macht.

    3 Leserempfehlungen
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    Ja, ein gesunder Markt führt zu Wettbewerb und damit in der Regal zu sinkenden Preisen bei steigendem Angebot.

    Aber wie kommen Sie nun auf die Idee für die Staatsbahn-Misere den Markt verantworlich zu machen?

    (Spekulationen wie: Die Bahn entwickelt sich so, weil sie eine Privatisierung anstrebt lasse ich nicht gelten. Denn Fakt ist: In Deutschland erfüllt das Bahnsystem vollumfänglich sozialistische Kriterien: Hochsubventioniert, in Staatsbesitz und kein nennenswerter Wettbewerb, also das Gegentein von Marktwirtschaft.)

    Es gibt in Deutschland mehr als 700 Energieversorger. Wer hindert Sie an einem Wechsel zu beispielsweise den örtlichen Stadtwerken?

    Zum Thema: Die Airlines bieten den Transport von Personen zu bestimmten Preisen an. Wer Extras wünscht muss diese bezahlen. Darüber ob Handgepäck nun ein Extra ist kann man sicherlich streiten. Aber ich z.B. würde gerne weniger bezahlen und dafür auf Filme und Speisen verzichten. Wer in der Bahn etwas essen möchte muss auch extra bezahlen.
    Wo ist also das Problem? Niemand kann erwarten, dass die Preise für Flugreisen von 3000DM auf 20 Euro fallen, aber der Service bleibt wie 1960.

    Sie schreiben sie hätten gedacht der Markt reglt alles.

    Das stimmt auch.
    Alle Wirtschaftsteilnehmer streben danach, KOnkurrenz auszuschalten und den Markt zu beherrschen. Das Ergebnis einer freien, unregulieten Marktwirtschafst sind Monopole.

    Nicht der Markt ist in Amreika angekommen - nur die Ergenisse von vielen Jahren Verdrängung, Zusammenschluß, Insolvenzen und Fusionen.

    Seit die neoliberalen Theorien von den Politikern dazu führten, sogar staatliche Monopole zu zerschlagen, haben wir noch mehr private Monopole oder Oligopole (siehe Detusche Bahn)

    Wenn Sie 25 Prozent der BASF Aktien hätten und 25 Prozent der Beiersdorf-Aktien was würden Sie tun?
    Ich würde (Wäre mein Lebenssinn mein Kapital zu mehren) darauf hin wirken, daß sich die beiden auf bestimmten Märkten keine Konkurrenz mehr machen. Das kann man heute sehr gut, da das Kartellrecht seine Funktion verloren hat und der Verkauf von Unternehmensteilen von der Steuer befreit wurde. BASF verkauft diese Sparte an Beiersdorf Beiersdorf verkauft jene Sparte an die BASF - und schon kann man den Preis erhöhen, weil man dem Markt seinen Stempel aufdrücken kann. Das sind die Gesetze des Marktes.

    Diesem Treiben schauen alle Regierungen zu. Ihnen wurde von Lobbyisten eingeredet, daß im Zuge der Globalisierung dies notwendig wäre "um den Standort Deutschland zu schützen".

  2. Die American Airlines ist für mich die schlechteste Fluglinie der Welt und ich kann nur bestätigen, was in diesem Bericht geschrieben worden ist. Ich habe zum Beispiel genau das vorgeschriebene Gewicht eingehalten, nur um dann von einer freundlich lächelnden Dame zu erfahren, das ich das Gewicht auf 2 Koffer aufteilen hätte müssen. Also Zusatzkosten. Der Flug hat auf einer Strecke von 2 Stunden 3 Stunden Verspätung gehabt. Keine Entschuldigung, keine Aufmerksamkeiten wie gratis Getränke. Wenn es möglich ist, werde ich diese Fluglinien in Zukunft meiden.

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    • Fachnir
    • 18. Oktober 2012 20:55 Uhr

    "Amerikas Fluglinien sanieren sich auf Kosten der Kunden" - wie denn sonst ?

    Mitarbeiter raussetzen, Sprit sparen, technische Überprüfungen aussetzen ... ?

    Total normal, oder?

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    Offensichtlich hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass immer der Steuerzahler sanieren muss!

  3. 4. Markt?

    Ja, ein gesunder Markt führt zu Wettbewerb und damit in der Regal zu sinkenden Preisen bei steigendem Angebot.

    Aber wie kommen Sie nun auf die Idee für die Staatsbahn-Misere den Markt verantworlich zu machen?

    (Spekulationen wie: Die Bahn entwickelt sich so, weil sie eine Privatisierung anstrebt lasse ich nicht gelten. Denn Fakt ist: In Deutschland erfüllt das Bahnsystem vollumfänglich sozialistische Kriterien: Hochsubventioniert, in Staatsbesitz und kein nennenswerter Wettbewerb, also das Gegentein von Marktwirtschaft.)

    Antwort auf "Das ist doch"
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    "Ja, ein gesunder Markt führt zu Wettbewerb und damit in der Regal zu sinkenden Preisen bei steigendem Angebot."

    Erinnert mich an den Kommunismus: In der Theorie funktioniert der auch immer ganz toll!

  4. Das ist im Prinzip ein Eingeständnis der Airlines, dass Fliegen heutzutage zu günstig ist, als dass es so durchführbar ist. Aber da man im Wettkampf die Preise nicht erhöhen kann, muss man Sie halt auf diesem unsympathischen Wege ergaunern. Eine Umlage auf Leute die die Beförderrungsbedingungen nicht so genau lesen. Ähnlich wie hier in Europa bei Ryanair & Co. Das sollte uns zum Nachdenken über unser System und unsere Macht als Konsumenten bewegen. Aber wieso wird das Einschränken der Frequenzen so ausschliesslich negativ bewertet? Gerade in den USA, wo manche Strecken bedient werden wie bei uns Vorortsbuslinien halte ich es für positiv, wenn die Auslastung der Flugzeuge gesteigert wird, auch wenn beim Konsumenten etwas Bequemlichkeit eingebüßt wird.
    Schöne Grüße.

    Eine Leserempfehlung
  5. Es gibt in Deutschland mehr als 700 Energieversorger. Wer hindert Sie an einem Wechsel zu beispielsweise den örtlichen Stadtwerken?

    Zum Thema: Die Airlines bieten den Transport von Personen zu bestimmten Preisen an. Wer Extras wünscht muss diese bezahlen. Darüber ob Handgepäck nun ein Extra ist kann man sicherlich streiten. Aber ich z.B. würde gerne weniger bezahlen und dafür auf Filme und Speisen verzichten. Wer in der Bahn etwas essen möchte muss auch extra bezahlen.
    Wo ist also das Problem? Niemand kann erwarten, dass die Preise für Flugreisen von 3000DM auf 20 Euro fallen, aber der Service bleibt wie 1960.

    Antwort auf "Das ist doch"
  6. Ich bin einmal mit DELTA geflogen...nie wieder! Da ist Ryanair Luxus dagegen. Überseeflug. Als Mittagessen gab es en fettriefendes Stück Pizza (ca. 10cm x 4cm) in einer Pappschachtel. Sonst nichts!

    Mit Abstand die schlechteste Fluglinie mit der ich je geflogen bin.

    Ich hoffe solche Meinungen sind hier erlaubt. Es entspricht wirklich der Wahrheit.

    3 Leserempfehlungen
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    und kann das nicht bestätigen, was Sie da sagen. Wähle beim Essen immer die vegetarische Variante, war immer okay, stets mit knackig frischem Salat und genauso frischem Obstsalat neben Pasta oder Reis mit Gemüse. Für Economy class gibt es da nix zu meckern. Die Aufpreispolitk für bessere Sitzplätze geht voll in Ordnung. Warum soll man nicht für deutlich mehr Platz einen Zuschlag bezahlen?
    Ansonsen muss ich mal ein Lob aussprechen. Der Getränkesrvice bei Delta kommt zwischen DUS und ATL ca. 8 x mit frischem Wassr vorbei. Das ist ungewöhnlich gut.
    Und noch was, ich arbeite nicht für Delta. Ich war aber über 20 Jahre ATPL-Inhaber, traue mir also eine kompetente Meinung zu.
    Das die US-Fluggesellschaften Gewinne einfliegen ist gut. Das ibt Reserven für mehr Wartung und neue Maschinen. Die US-Flotten waren nämlich recht alt.

    • dachsus
    • 18. Oktober 2012 22:13 Uhr

    Eine Organisation, die zum Zwecke des Gelderwerbes gegründet wurde, bereichert sich an seinen Kunden? Das ist ja Skandalös !
    Humor Ende! Mal im Ernst:
    Das erleben wir doch in jeder Branche, das und irgendein Mindestpreis vorgelogen wird, der sich am Ende durch gebühren und sonstige Tricks vergrößert. Da aber Firmen nicht den Anspruch haben, gemeinnützig zu sein, ist das doch kein Wunder, sondern das Ergebnis des Wirtschaftssystems in dem wir leben.
    Ein wenig sind wir da auch als Kunden gefordert: siehe Kommentar 7.
    An einem bestimmten Punkt beginnt auch die Eigenverantwortung. Wir können keine Energiewende wollen, aber nichts dafür bezahlen wollen. Wir können nicht immer billigere Flugtickets kaufen, und erwarten, das die Gesellschaften darauf nicht reagieren. Die Unternehmen stehen alle unter Konkurrenzdruck, und die meisten Käufer entscheiden nach dem Preis, der vorne drauf steht. Was am Ende dabei wirklich raus kommt, das realisieren die wenigsten. Sollten sie aber… wie gesagt: Eigenverantwortung.

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