Die US-Arbeitslosenquote ist zum ersten Mal seit Beginn der Amtszeit von Präsident Barack Obama unter die Marke von acht Prozent gesunken. Der Rückgang im September von 8,1 auf 7,8 Prozent übertraf alle Erwartungen und dürfte Obama damit im Wahlkampf etwas Rückenwind verschaffen.

Der Präsident reagierte umgehend auf die für ihn erfreuliche Nachricht. "Seit heute Morgen wissen wir, dass die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand seit meiner Amtsübernahme gefallen ist", sagte Obama. Die aktuellen Nachrichten belegten, dass das Land auf dem richtigen Kurs sei. "Wir machen zu viele Fortschritte, um zu dem Wirtschaftskurs zurückzukehren, der uns in diese Lage gebracht hat", sagte Obama.

In einem Monat wählen die US-Bürger einen neuen Präsidenten , die schleppende wirtschaftliche Entwicklung ist das wichtigste Thema im Wahlkampf. Deshalb löste die Nachricht Jubel im Lager der Demokraten aus, vor allem nach dem schwachen Auftritt Obamas in der TV-Debatte gegen seinen Herausforderer Mitt Romney .

Romney sieht keine Trendwende

Der Republikaner spielte die guten Nachrichten entsprechend herunter. "So sieht keine Erholung aus", sagte er. "Wir haben im September weniger Jobs geschaffen als im August und im August weniger als im Juli", ließ Romney mitteilen. Nach wie vor suchten 23 Millionen US-Bürger Arbeit und annähernd jeder Sechste leide unter Armut.

US-Ökonomen hatten mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote auf 8,2 Prozent gerechnet. Deshalb reagierten auch die Finanzmärkte positiv: Die US-Börsen starteten im Plus. Auch der Kurs des Euro stieg deutlich auf 1,3072 US-Dollar.

Statistische Bereinigung

Allerdings geht der Rückgang der Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte vor allem auf eine Bereinigung der Arbeitslosenzahlen von Juli und August zurück: In beiden Monaten waren mehr Jobs entstanden als bisher in den Statistiken des Arbeitsministeriums angegeben. Vor allem im öffentlichen Sektor wurden im Sommer mehr Stellen aufgebaut als zuvor bekannt.

Die Unternehmen hätten außerhalb der Landwirtschaft 114.000 neue Jobs geschaffen, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Im Vormonat waren es 96.000. Auch die durchschnittlichen Stundenlöhne legten stärker als erwartet zu. Im Monatsvergleich kletterten sie um 0,3 Prozent, im Vormonat waren sie noch unverändert geblieben. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit stieg von 34,4 auf 34,5 Stunden.

Um mit dem Bevölkerungswachstum mitzuhalten, braucht der Arbeitsmarkt der größten Volkswirtschaft der Welt nach Berechnungen von Ökonomen allerdings einen monatlichen Zuwachs von 150.000 Jobs. In den USA sind bislang wenige Präsidenten bei einer Arbeitslosenquote von über sieben Prozent wiedergewählt worden. Einzige Ausnahme seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Republikaner Ronald Reagan . Bei seiner Wahl 1984 lag die Arbeitslosigkeit bei 7,2 Prozent.