SturmschädenSandy zeigt, wie marode Amerikas Infrastruktur ist

Kaputte Stromleitungen und einsturzgefährdete Dämme – Sturm Sandy zeigt: Die Infrastruktur in den USA ist komplett veraltet. Das wird nun zum Problem. von 

Überflutetes Stadtviertel von New York

Überflutetes Stadtviertel von New York  |  © Andrew Burton/Getty Images

Erst vor wenigen Wochen legte das World Economic Forum den Finger in die Wunde. In einem Report, der die Wettbewerbsfähigkeit von weltweit 144 Staaten untersuchte , landeten die USA nur auf Rang sieben. Hinter der Schweiz , den Niederlanden und Deutschland.

Ein Grund hierfür war die marode Infrastruktur. Seit Jahrzehnten investiert Amerika zu wenig in moderne Strom- und Telekommunikationsnetze. Betrachtet man nur die Qualität der Energieversorgung, schaffen es die USA sogar nur auf Rang 32 der Welt. Immer wieder bricht das Stromnetz zusammen, kommt es zum Blackout. Das alles geschieht nicht in einem Entwicklungsland, sondern in einer weltweit führenden Industrienation. Sogar Staaten wie Slowenien und Portugal haben ein besseres Stromnetz als die USA.

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Das Weiße Haus gab zuletzt selbst in einem offiziellen Dokument zu, dass sich seit Ende des 19. Jahrhunderts, als der Erfinder Thomas Edison die Elektrifizierung voranbrachte, wenig im Land geändert habe. "Die USA waren einmal die Vorreiter der Moderne", sagt Eberhard Sandschneider von der Gesellschaft für Auswärtige Politik, "heute sind sie bei der Infrastruktur die Nachzügler." Das wird nun zum Problem, da der Sturm Sandy die USA heimsucht .

Stromkabel auf Holzmasten

Noch immer gibt es Stromunternehmen, die ohne Informationen in Echtzeit arbeiten. Im Falle eines Stromausfalls können sie noch nicht einmal sagen, welche Haushalte nicht mehr am Netz sind. Ein Großteil der Leitungen verläuft noch oberirdisch auf Holzmasten. Das alles macht die Energieversorgung besonders anfällig für Wirbelstürme wie Sandy. Stürzt ein Baum auf ein Kabel, gehen schnell in einem ganzen Viertel die Lichter aus. Auch deshalb sind derzeit mehr als sieben Millionen Menschen ohne Strom.

Das alles ist die Folge eines seit Jahren andauernden Trends: Der Neubau von Stromleitungen und Umspannwerken verläuft viel zu langsam. Während die Stromnachfrage im Land seit 1990 um 25 Prozent gestiegen ist, ging der Bau von Übertragungskapazitäten im gleichen Zeitraum um 30 Prozent zurück, teilte unlängst die Ingenieursvereinigung ASCE mit. Die fehlende Modernisierung rächt sich jetzt. 

Das Stromnetz ist nur eine Baustelle. Die Straße sind voller Schlaglöcher, die Häfen sind kaputt, die Kanalisationen marode, Der Investitionsbedarf für die gesamte Infrastruktur ist riesig. Die Flughäfen sind zu klein, immer wieder kommt es zu Verspätungen. Das kostet Zeit und Geld. Die Häfen platzen aus allen Nähten und können teilweise die nächstgrößere Generation von Containerschiffen nicht mehr abfertigen.

Jede vierte Brücke instabil

Kaum besser steht es um die Brücken. Nach ASCE-Angaben ist  jede vierte der 600.000 Brücke instabil oder funktionsunfähig . Als "alarmierend" bezeichnen die Ingenieure auch den Zustand der Staudämme. Rund 15.000 der insgesamt 85.000 Dämme bescheinigt ASCE ein hohes Gefährdungspotenzial.

Um die Infrastruktur zu modernisieren, wären gigantische Summen nötig. ASCE schätzt allein den Finanzierungsbedarf für das Stromnetz bis zum Jahr 2020 auf 107 Milliarden Dollar. "An Geld scheitert es allerdings nicht immer", schreiben die Fachleute. "Zu strenge Genehmigungsauflagen, Gerichtsverfahren und unklare Regulierungsvorgaben verhindern den Netzausbau." Über alle Bereiche hinweg – Wasserwege, Stromnetz, Flughäfen, Straßen, Versorgung – geht ASCE für die kommenden fünf Jahre von einem Investitionsvolumen von 2,2 Billionen US-Dollar aus.

Im Wahlkampf haben solche Summen bislang keine Rolle gespielt. "Mit Themen wie Infrastruktur können Kandidaten keinen Blumentopf gewinnen", sagt Sandschneider. Allerdings glaubt er auch, dass Sandy dafür sorgen könnte, dass das Thema im Wahlkampf größere Beachtung findet. "Wenn sich Obama als guter Krisenmanager beweist, kann das zu einem Wahlsieg beitragen."

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Leserkommentare
  1. Sturm hätte wir in Europa, egal wo, auch nicht besser ausgesehen.

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    wer sich mal das stromnetz live in den us angesehen hat, ist froh über den zustand hier in europa. nicht dass man beim netzausbau (speziell hochspannungsleitungen) hier nicht nachhinken würde, aber was in den usa teilweise herumsteht, ist schon erschreckend.

    Doch, wir sind besser gewappnet als die USA. Stromausfälle sind dort, auch und gerade in NYC an der Tagesordnung.

    Sie haben keinen Dunst ...
    Nach 10 Jahren in den USA unter anderem in Staedten wie LA und Chicago kann ich de, Autor nur beipflichten. Allerdings uebersteigt die Summe die hier noetig ist um Amerika ins 21 Jahrhundert zu befoerden die hier genannte um ein Vielfaches. Davon bin ich ueberzeugt. Denn abgesehen von den genannten Baustellen, ist der Bedarf an Modernisierung im Verkehrsnetz, Gebaeudesanierungen, Kanal u. Wasserversorgung, und und und ... auf Jahrzehnte eine gigantische Aufgabe. Man kann ohne weiteres behaupten, dass die USA in dieser Hinsicht schon lange den Anschluss verpasst hat und auch in absehbarer Zeit nicht wesentlich aufholen wird. Dazu ist das Land naemlich viel zu hoch, geradezu gigantisch verschuldet ...

    • xpeten
    • 30. Oktober 2012 17:07 Uhr

    allein schon die Verbabelung der Stromnetze sowie eine effizientere Kanalisation,

    von Papphäusern und Motorhome-Siedlungen, die beim ersten Windstoß wegfliegen wollen wir lieber gar nicht reden. Da ist es schon ein Vorteil, wenn eine vermeintliche Freiheit nicht zu völligem Wildwuchs und katastrophaler Qualität bei Neubauten führen kann.

    wie wir ausgesehen hätten bei diesem Sturm ist spekulativ. Ich hoffe jedoch, etwas besser.

    Länder müssen ihre Infrastruktur jedoch den lokalen Bedingungen anpassen. Und da Stürme in den USA ein häufiges Ereignis sind, ist eine Anpassung der Infrastruktur daran notwendiger, als ev. in Deutschland. Insofern macht es wenig Sinn Stromnetze in USA und Deutschland zu vergleichen.

    Was zählt sind die Ausfallzeiten für Strom und anderes. Wenn die in den USA höher sein sollten als z.B. in Deutschland, sollte man in den USA etwas dafür tun, sie zu senken, auch wenn das teurer sein sollte als in einem Land. sonst hat man schnell einen Standortnachteil für beispielsweise Unternehmen.

    #1.: "na mit dem gleichen Sturm hätte wir in Europa, egal wo, auch nicht besser ausgesehen."

    Kyrill 2007 hatte annähernd die gleichen Windgeschwindigkeiten (120 km/h über Deutschland) wie Sandy (130 km/h bei Landgang). Sandy war ja ein Kategorie 1-Hurrikan, was einem schweren Orkan europäischer Prägung entspricht. Auch Kyrill hat 47 Menschen in Europa das Leben gekostet, der "Flurschaden" war aber bei weitem nicht so groß (Schadenssumme der Versicherungen 6 Mrd. Euro gegenüber geschätzten 20 Mrd. US$ für Sandy). Woran der Unterschied nun im Detail gelegen hat, wäre zu diskutieren.

  2. wer sich mal das stromnetz live in den us angesehen hat, ist froh über den zustand hier in europa. nicht dass man beim netzausbau (speziell hochspannungsleitungen) hier nicht nachhinken würde, aber was in den usa teilweise herumsteht, ist schon erschreckend.

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    Antwort auf "na mit dem gleichen"
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    ich erinnere mich an andere Vorkommnisse die zu langen Stromausfällen auch über Tage in SH zB führten.

    • em-y
    • 31. Oktober 2012 9:03 Uhr

    kann ich nur bestätigen. Lebe selbst seit über 10 Jahren in Australien und was ich hier in diesen Jahren an Stromausfällen erlebt habe... In meinem gesamten Leben vor der Ankunft hier (inkl. eine Kindheit in Polen) habe ich so viele Stromausfälle nicht erlebt. Alle paar Monate gibt es einen. Mal ist es ein Gewitter, umgefallene Bäume, ein Raser, der in den Strommast reinfuhr (weil alles überirdische Stromleitungen), mal ist es ein für die Kapazitäten der stromwerke zu hoher Stromverbrauch - die Australier sind sehr verschwenderisch in diesem Punkt und an heißen Tagen wird der Verbrauch noch höher als normal, da bricht das Netz zusammen oder die Stromwerke schalten den Strom ab in ausgewählten Stadtteilen (natürlich nie in den 'reichen' Vierteln, das kann man den dort wohnenden nicht antun). Ich erinnere mich an einen Weihnachtstag vor ein paar Jahren, wo es bei fast 40 grad stundenlang keinen Strom gab. Was da in den prall gefüllten Kühlschränken alles kaputt ging. Lebensmittelgeschäfte erleiden jedesmal verluste in Millionenhöhe.

    Von Schlaglöchern, fehlenden öffentlichen Transportmitteln, dem Zustand des Gesundheitswesens und so mancher Bauwerke will ich gar nicht erst reden.

    Man muss einfach mal raus aus Europa, um zu erkennen, wie hoch die Lebensqualität ist. Trotz aller Fehler und Unzulänglichkeiten.

  3. ich erinnere mich an andere Vorkommnisse die zu langen Stromausfällen auch über Tage in SH zB führten.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "unsinn..."
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    Stromausfall weil dickes Eis auf den Masten liegt ist eine Sache.
    Das kann bei extremen Wintereinbrüchen wie 1978 mal vorkommen, ghenauso wie dass man noch uralte Strommsten irgendwo hat. (ThomasStahl)

    Der Unterschied zwischen Deutschland und den USA ist, dass man eine Reparatur so vollzieht, dass man einen besseren Mast hinstellt und da wenn nötigh auch eine Heizungh dran schraubt, damit sich eben kein dickes Eis am Draht oder Mast mehr bildet.

    In den USA wiurd einfach ein neuer Holzmast hingestellt und gut.

    Bei den riesigen Überlandleitunghen nicht, aber bei den Nahversorgungsleitungen.

    zwischen 2005 und 2011 mehrfach-auch ich durfte sieben Jahre in NY leben und arbeiten und mit sind da keine maroden Dinge begegnet, hier ständig.

  4. Ist Deutschland nicht gerade dabei, die für den Süden des Landes wichtigen Stromkabel oberirdisch zu verlegen, weil es kostengünstiger ist?

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    und oberirdisch auf Holzmasten, aus denen man in Deutschland vielleicht eher einen Zaun gebaut hätte sind zwei paar Schuhe ...

    Sie sind nicht nur beim Bau teurer, sie haben im Vergleich zu Leitungen "durch die Luft" erheblich höhere el. Kapazitäten und damit Leitungsverluste.
    Es gibt also gute Gründe, Erdkabel nicht zu nutzen.

    • xpeten
    • 30. Oktober 2012 17:19 Uhr

    sondern die deutschen Strommonopolisten sind dabei, aus Kostengründen oberirdische Kabel zu ziehen - obwohl der Bürger in den letzten Jahrzehnten mit seiner Stromrechnung Milliardensummen für Netz und Infrastruktur überwiesen hat.

    • Rend
    • 30. Oktober 2012 15:13 Uhr

    Und wegen genau der Behauptung, dass die New Yorker Infrastruktur total überaltet ist, wurde gestern der Kommentator "Malliki" in einem anderen Artikel gleich im Rudel "gebasht". Da wird einem bei manchen Mitforisten doch übel...

    5 Leserempfehlungen
  5. .
    "... Mit Themen wie Infrastruktur können Kandidaten keinen Blumentopf gewinnen ..."

    Eine Nation notorischer Staatsverächter müsste ja dann, Thematisierung vorausgesetzt, in irgend einer Form über die direkten Folgen der Staatsverächterei nachdenken.

    Ungeil, also lässt man's lieber.

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  6. Die Umweltbedingungen der USA sind mit jenen in weiten Teilen Europas natürlich nicht vergleichbar. Aber die USA sind gespalten. Das sind jene die alles haben, auch eine irgendwie funktionierende Infrastruktur. Und da sind jede, die leben wie in den üblen Zeiten Rumäniens oder Albaniens (was Unwetter dort jedes Jahr anstellen verdrängen wir ja auch gern). Auch die Infrastruktur ist trashig angelegt, wie so vieles nicht nur in den USA. Schnell kaputt, aber schnell wieder aufgebaut. Aber Millionen Menschen leben dort, wie die meisten mitteleuropäischen Campingtouristen nicht mal in den Ferien leben wollen. Jene meinte Mitt Romney. Paradoxerweise werden viele ihn wählen. Strange.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte USA | Brücke | Energieversorgung | Flughafen | Gerichtsverfahren | Hafen
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