In das Wüstenstromprojekt Desertec kommt neue Bewegung. Deutschland, Frankreich , Spanien , Italien und Marokko haben laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung Gespräche über ein gemeinsames Abkommen begonnen. Es solle den Bau eines 600 Millionen Euro teuren Solarkraftwerks ermöglichen sowie den Import von Strom aus Sonnenenergie nach Europa regeln.

Schon im November solle eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet werden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise in Deutschland und Marokko. In der ersten Jahreshälfte 2013 solle dann ein Regierungsabkommen dieser fünf Länder folgen, dem sich noch andere anschließen könnten. "Es gibt Gespräche mit mehreren Staaten und verschiedenen Ministerien", sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums . Desertec-Chef Paul van Son sagte, das erste Referenzprojekt mit Wind- und Solarenergie werde zwischen 2014 und 2016 entstehen.

Die in Deutschland gegründete Planungsgesellschaft Dii, ein Zusammenschluss von mehr als 50 Unternehmen und Organisationen, plant dem Bericht zufolge in Marokko ein erstes Kraftwerk mit einer Kapazität von 150 Megawatt. Finanziert werden solle das Projekt gemeinsam von der Industrie, nationalen Regierungen und internationalen Organisationen.

Wüstenprojekt wiederentdeckt

Das Projekt galt 2009 bei seiner Vorstellung als zukunftsweisend für die gesamte Branche: Unter Führung der Münchener Rück wollten zwölf Konzerne – darunter RWE , E.on und Siemens – den Solarstrom aus der Sahara marktfähig machen und nach Deutschland bringen.

Vor einem halben Jahr jedoch war das Projekt vor allem wegen der hohen Kosten in die Kritik geraten. Erst kürzlich hatte zudem Siemens seinen Ausstieg aus dem Solargeschäft und folglich auch aus dem Dii-Konsortium angekündigt. Das galt als schlechtes Vorzeichen für die Zukunft der Wüstenstromvision. Andere Stromkonzerne hingegen entdecken das Solargeschäft gerade neu: Der neue RWE-Chef Peter Terium sagte kürzlich , anders als sein Vorgänger setze er künftig auch auf Solarenergie.