SolarenergieErste Staaten forcieren Wüstenstromprojekt Desertec

Deutschland und vier weitere Staaten verhandeln über die Sahara-Solarparks, schon 2013 könnte ein Vertrag stehen. Das erste Kraftwerk ist für Marokko geplant. von afp

Solarstromanlage eSolar Sierra SunTower in Lancaster, Kalifornien

Solarstromanlage eSolar Sierra SunTower in Lancaster, Kalifornien  |  © Robyn Beck/AFP/GettyImages

In das Wüstenstromprojekt Desertec kommt neue Bewegung. Deutschland, Frankreich , Spanien , Italien und Marokko haben laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung Gespräche über ein gemeinsames Abkommen begonnen. Es solle den Bau eines 600 Millionen Euro teuren Solarkraftwerks ermöglichen sowie den Import von Strom aus Sonnenenergie nach Europa regeln.

Schon im November solle eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet werden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise in Deutschland und Marokko. In der ersten Jahreshälfte 2013 solle dann ein Regierungsabkommen dieser fünf Länder folgen, dem sich noch andere anschließen könnten. "Es gibt Gespräche mit mehreren Staaten und verschiedenen Ministerien", sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums . Desertec-Chef Paul van Son sagte, das erste Referenzprojekt mit Wind- und Solarenergie werde zwischen 2014 und 2016 entstehen.

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Die in Deutschland gegründete Planungsgesellschaft Dii, ein Zusammenschluss von mehr als 50 Unternehmen und Organisationen, plant dem Bericht zufolge in Marokko ein erstes Kraftwerk mit einer Kapazität von 150 Megawatt. Finanziert werden solle das Projekt gemeinsam von der Industrie, nationalen Regierungen und internationalen Organisationen.

Wüstenprojekt wiederentdeckt

Das Projekt galt 2009 bei seiner Vorstellung als zukunftsweisend für die gesamte Branche: Unter Führung der Münchener Rück wollten zwölf Konzerne – darunter RWE , E.on und Siemens – den Solarstrom aus der Sahara marktfähig machen und nach Deutschland bringen.

Vor einem halben Jahr jedoch war das Projekt vor allem wegen der hohen Kosten in die Kritik geraten. Erst kürzlich hatte zudem Siemens seinen Ausstieg aus dem Solargeschäft und folglich auch aus dem Dii-Konsortium angekündigt. Das galt als schlechtes Vorzeichen für die Zukunft der Wüstenstromvision. Andere Stromkonzerne hingegen entdecken das Solargeschäft gerade neu: Der neue RWE-Chef Peter Terium sagte kürzlich , anders als sein Vorgänger setze er künftig auch auf Solarenergie.

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Leserkommentare
    • F.L.O_o
    • 31. Oktober 2012 12:10 Uhr
    5 Leserempfehlungen
  1. mit "forcieren des Projektes" gleichsetzen, das ist schon etwas heftig.
    Man darf gespannt sein, was wir zahlen dürfen für dieses tolle Projekt, das mir insbesondere wegen politischer Risiken doch zu unbeherrschbar erscheint, um öffentliches Geld zu setzen und Versorgungssicherheit darauf abzustellen.

    8 Leserempfehlungen
    • F.L.O_o
    • 31. Oktober 2012 12:23 Uhr

    Es gibt innerhalb von Europa keinen einheitlichen Energieregelung, geschweige innerhalb von Deutschland (Föderalismus sei dank). Dazu kommt dass innerhalb von Europa gerade recht viele Staaten mit Ihren Finanzen beschäftigt sind bzw. Finanzreformen.
    Wie Gedenken die Regierungen dieses MegaProjekt umzusetzen, dies wäre meiner Meinung nach ein interessanter Artikel.

    Wenn politisch nicht bald die Beine auf den Boden der Realität gebracht werden sehe ich ziemlich Schwarz für das politische Verständnis der Bevölkerung.

    Ich habe auch die Absicht noch eine Tasse Kaffee zu machen, dass ist aber genauso belanglos wie die Absichtserklärung über das Wüstenstromprojekt.

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    600 Millionen € sind zwar für den Normalbürger eine Menge Geld, aber 150 Megawatt = 150000 kw entsprechend etwa 300000 Durchschnittshaushalten ist das doch wohl eher eine Art Pilotprojekt.
    Allerdings sind das 5 c pro kwh bei 10 jähriger Abschreibung der Investition. Dies ist nicht gerade berauschend, da ja noch Betriebskosten und Vertriebskosten dazukommen.

    • Dogz
    • 31. Oktober 2012 12:38 Uhr

    Wie kommt der Strom zu uns? Wir schaffen es ja nicht mal den Strom von den Offshoreanlagen der Nordsee effizient in den Süden zu bringen...

    7 Leserempfehlungen
    • iotop
    • 31. Oktober 2012 12:47 Uhr

    Wer verlagert schon eine wichtige Quelle der Energieversorgung in eine Region, die weder politisch noch militärisch zu beeinflussen wäre? In die Länder mit wankenden und unstabilen politischen Strukturen, immer dem Islamismus nah..

    Wollen denn die Großkonzerne, die erstmal Staatsgelder in Milliardenhöhe verbraten werden, für die Sicherheit und Kontinuität der Stromversorgung garantieren?

    2 Leserempfehlungen
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    Auch der Zugang zu Uran und Öl kann durch Kriege bzw. diplomatische Krisen eingeschränkt werden. Das kann man also kaum als Gegenargument heranziehen.

    • rossa01
    • 31. Oktober 2012 14:04 Uhr

    ....kommem meist aus Staaten mit Strukturen, die für uns, als demokratisch sozialisierte Westeurpäer - sagen wir mal "gewöhnungbedürtig" sind. Und ich meine hier NICHT ausschliesslich islamisch geprägte Länder. Von daher würde Solar/Windenergie aus der Wüste keine grösseren Abhängigkeiten schaffen. NUR die dezentrale Erzeugung vor der Haustüre ist da sicherer.
    Ich persönlich finde das Konzept Desertec SEHR vielversprechende (politische weil wirtschaftliche Stabilisierung der Länder des arabischen Frühlings UND ökologisch sinnvoll).

  2. Auch der Zugang zu Uran und Öl kann durch Kriege bzw. diplomatische Krisen eingeschränkt werden. Das kann man also kaum als Gegenargument heranziehen.

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    Antwort auf "Unverantwortlich."
  3. aber nicht die Leitung nach Deutschland. Marokko kann den Strom selbst brauchen, und wenn auch nur um so stromintensive Produktionen wie Aluminiumherstellung zu betreiben. Die Frage ist halt, ob der Strom aus Ölkraftwerken wirklich teurer ist.
    Eine Dauersubvention ausländischer Kraftwerke wäre ja nun wirklich absurd.

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  4. ist eine Gesellschaft zu bauen, die Energie erzeugt und verbrauchen kann ohne fossile Energietraeger wie Kohle, Oel oder Gas zu verbrennen. In Zukunft werden Autos mit Strom fahren, ohne das Abgase und Feinstaub die Luft verpesten und Menschen krank machen.
    In den vergangenen 150 Jahren Industriezeitalter haben wir genug CO2 in die Atmosphaere geblasen, Folge ist die Veraenderung des Klimas (Hurrikane, Abschmelzen der Polkappen). Das Ozonloch ist da noch gar nicht eingeschlossen. Auch die unseligen Atomkraftwerke sind in Zukunft überflüssig, das heisst keine gefaehrliche Strahlung mehr, kein Uranabbau, keine Gefahr durch Unfaelle, Katastrophen oder Angriffe auf dieselben.

    Das alles ist ein Teil einer Vision - die zum Greifen nahe liegt. Die Technik dazu ist entwickelt - seit Jahrzehnten.

    Desertec ist fuer mich ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Eine Gesellschaft sagt sich los vom Oel und Uran. Ja, PV und Wind ist auch sinnvoll, je mehr Energie lokal erzeugt werden kann, desto besser. Aber Atom-, Oel-, Gas- und Kohlekraftwerke flaechendeckend zu ersetzen - das kann nur mithilfe eines Konzepts wie Desertec geschehen, denke ich.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, sk
  • Schlagworte Siemens AG | RWE | E.on | Wirtschaftsministerium | Desertec | Gespräch
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