Neue Regierung: Holland empört sich über Milliarden-Sparpaket
Die Niederländer sollen europafreundlicher werden. Sie haben andere Sorgen: Ihre Regierung will das Sozialsystem umbauen und so 16 Milliarden Euro sparen.
Seit gestern sind in den Niederlanden wieder Europafreunde an der Macht – zumindest besagt das der Koalitionsvertrag der neuen Regierung unter Ministerpräsident Mark Rutte. Schon der Ausgang der niederländischen Parlamentswahlen im September sorgte in Brüssel für große Erleichterung. Ruttes rechtsliberale Partei VVD und die sozialdemokratische PvdA gewannen klar. Europakritische Parteien wie die des Rechtspopulisten Geert Wilders hingegen scheiterten. In Brüssel wurde das als klares Bekenntnis der Niederländer zu Europa gewertet.
Die Niederländer selbst jedoch sind wenig begeistert von ihrer neuen Regierung, vor allem seit sie den Koalitionsvertrag kennen, den Rutte und der Chef der Sozialdemokraten Diederik Samsom vor wenigen Tagen der Öffentlichkeit vorstellten. In dem Abkommen geht es vor allem um eines: ums Sparen.
Schon Mark Ruttes vorheriges Kabinett, mit dem er von 2010 bis zu den Neuwahlen regierte, verfolgte einen strikten Sparkurs. Die neue Regierung setzt ihn nun fort. Bis 2017 will sie den Haushalt um 16 Milliarden Euro entlasten. Mit einem Haushaltsdefizit von 4,2 Prozent (Juni 2012) und einer Gesamtverschuldung von 65,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes bewegen sich die Niederlande zwar im europäischen Mittelfeld, aber dennoch verstößt das Land gegen die im Maastricht-Vertrag festgelegte Dreiprozentklausel und die Schuldenhöchstgrenze von sechzig Prozent. Das will Rutte ändern, wie übrigens auch schon die Regierung vor ihm. Bis 2013 soll das Haushaltsdefizit wieder auf unter drei Prozent sinken.
"Das beste aus zwei Welten"
Das staatliche Sozialsystem wird am härtesten durch die Sparmaßnahmen getroffen. Die Sozialdemokraten stimmten den Kürzungen zu – im Gegenzug mussten die Liberalen akzeptieren, dass Gutverdiener den größten Teil der Lasten tragen. Dieses Austauschprinzip ist der rote Faden, der sich durch den Koalitionsvertrag zieht. In ihm hätten sie "das beste aus zwei Welten" vereint, damit das Land "stärker aus der Krise kommen" könne, schreiben sie. Doch ganz so leicht, wie die Regierung glauben machen möchte, lässt sich ihr Sparkurs wohl nicht durchsetzen. Denn im Bestreben, den Staatshaushalt zu sanieren, schrecken die Koalitionspartner auch vor Tabuthemen nicht zurück.
Am meisten Aufsehen erregt die geplante Reform der Krankenversicherung. Sie soll sich in Zukunft nicht mehr durch Pauschalen, sondern durch einkommensabhängige Beiträge finanzieren. Medienberichten zufolge könne dadurch und durch weitere Einschnitte die Kaufkraft mancher Schichten um bis zu dreißig Prozent sinken. Die Regierung sagt, dass das nicht stimme. Ihr zufolge sind Geringverdiener nach den Reformen unterm Strich sogar besser dran, während Leute mit höheren Gehältern mit einem Verlust von lediglich vier Prozent rechnen müssen.




Naja, Lottoscheine zähle ich nicht unbedingt zu meinem täglichen Bedarf ;)
Auf einige Dinge hat genius1 ja schon geschrieben.
Etwa, daß diese Währungen in der Regel 'umlaufgesichert' sind. Sparen lohnt sich nicht, ebenso wenig bunkern auf einer Bank im Ausland, da kein Zins, höchstens gar ein Negativzins. Solche Währungen sollen zirkulieren und die lokale Wirtschaft im Krisenfall absichern.
Was, wenn Sie an Arbeitskraft, Zeit, Resssourcen in einer Region haben, was Sie brauchen, aber die Euros werden knapp. Alles ist da, nur keiner kann zahlen, oder bezahlt werden. Sie können dann dem Brot zukucken, wie es vergammelt, oder Sie einigen sich lokal auf ein alternatives Zahlungsmittel, das Ihnen neben dem Euro als zweites Standbein dient. Knickt das Eurobein ein, haben sie noch ein zweites und knallen nicht gleich vornüber.
Jede Währung basiert auf Vertrauen. Euro ist für Sie 'richtiges Geld' - warum? Weil Sie gewisse Garantien haben, daß dies ein akzeptiertes Zahlungsmittel ist. Es ist definiert, und auf diese Definition einigen sich alle, implizit jedenfalls, die damit bezahlen. Das gleiche macht man bei Regionalwährungen und ähnlichem (man kann zBsp auch eine Währung nur für einen bestimmten Markt konzipieren - wichtig ist immer nur, daß die Teilnehmer sie anerkennen).
Das gleiche gilt für den Disney-Dollar im Disneyland. Ausserhalb des Disneyland können Sie damit nichts kaufen, aber im Disneyland selbst stellen Sie die Währung nicht infrage, da Sie dort funktioniert.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren