Obama weiß, dass er damit einen großen Teil der Amerikaner hinter sich hat. In Umfragen erklärten sieben von zehn Wähler, man solle die Reichen mehr zur Kasse bitten, um die Haushaltslöcher zu stopfen. Die Stimmung im Land war ein Grund, warum der Präsident das Thema erfolgreich zur zentralen Botschaft seines Wahlkampfes machen konnte.

Dabei zahlte das oberste eine Prozent der Verdiener bereits im Jahr 2009 rund 39 Prozent des Aufkommens aus der Bundeseinkommenssteuer. Das sind zumindest die neuesten Zahlen, die das Congressional Budget Office, Amerikas Rechnungshof, zur Verfügung hat. Der Anteil lag damit doppelt so hoch wie noch im Jahr 1981, zu Beginn von Ronald Reagans Präsidentschaft. Da waren es noch 17,6 Prozent. Obamas Unterstützer werden allerdings nicht müde, die Gründe für den Anstieg zu nennen. Die Einkommen der Spitzenverdiener seien in dieser Zeit eben auch deutlich gestiegen.

Das eigentliche Problem verschweigt das Obama-Lager jedoch. Denn selbst wenn Obama mit seinen Plänen durchkommt: Das Steueraufkommen, das die Reichensteuern in die Kassen bringen werden, dürfte nicht annähernd reichen, um die Haushaltslücke zu schließen. David Brown, Gabe Horwitz und David Kendall, ein Expertentrio des unabhängigen Thinktanks Third Way, haben durchgerechnet, wie die Haushaltslage der USA aussehen würde, wenn Obama alle seine Steuerpläne umsetzen könnte – ohne Rücksicht auf die Republikaner. Ihr Ergebnis: Zunächst würde das Defizit tatsächlich von heute rund sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf fast drei Prozent zurückgehen.

Die Mittelschicht wird zahlen müssen

Die wichtigsten Treiber des Haushaltsdefizits, die staatliche Rentenversicherung Social Security und vor allem Medicare, die Gesundheitsversorgung für Rentner, würden jedoch schnell die frischen Einnahmen auffressen. Bis 2040 spätestens würde Washingtons Haushalt eine Rekordlücke von 4,2 Billionen Dollar ausweisen – dreimal so hoch wie derzeit. Die Investoren würden in diesem Fall auf höhere Zinsen für US-Staatsanleihen bestehen. Die Schuldenlast würde weiter steigen, die Haushaltslage sich verschlechtern.

Dann könnten die USA eine Krise ähnlich wie heute die Euro-Länder erleben, prognostizieren die Third-Way-Experten. Ihr Fazit: Allein mit Steuererhöhungen für Wohlhabende lässt sich der Haushalt der USA nicht sanieren. Das geht nur, wenn auch Einschnitte in die Sozialleistungen vorgenommen werden. Ob über weniger Leistungen oder höhere Abgaben: Die Mittelschicht muss sich darauf einstellen, ebenfalls stärker zur Kasse gebeten zu werden. Darüber aber will in Washington niemand reden. In diesem Punkt immerhin herrscht Einigkeit zwischen Obama und den Republikanern.