Aluminiumhütten, Zementfabriken oder Kühlhäuser sollen zukünftig eine Vergütung erhalten, wenn sie zu Spitzenzeiten ihre Stromnachfrage drosseln oder gar komplett vom Netz gehen. Eine entsprechende Verordnung hat das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedet . Am Donnerstag soll der Bundestag darüber abstimmen.

Eine flexiblere Stromnachfrage wird zunehmend wichtig, weil das Netz immer größere Mengen Ökostrom aufnehmen muss. Wird etwa besonders viel oder wenig Wind- oder Solarstrom ins Netz eingespeist, kann es zu Stromausfällen kommen. Damit das nicht passiert, ist es sinnvoll, die Nachfrage entsprechend des Angebots zu steuern. Schon jetzt nehmen Stromnetzbetreiber zu bestimmten Zeiten konventionelle Kraftwerke vom Netz, um Schwankungen auszugleichen. Bisher konnten sie das nur im Notfall auch mit Unternehmen machen.

Für Großverbraucher ist die neue Flexibilität ein gutes Geschäft. Nimmt ein Unternehmen das Angebot wahr und verspricht den Netzbetreibern, auf Anfrage seine Produktion spontan zu drosseln, erhält es für jedes Megawatt, auf das es theoretisch verzichten kann, rund 20.000 Euro im Jahr. Bittet der Netzbetreiber dann tatsächlich darum, bekommt das Unternehmen je Megawattstunde bis zu 500 Euro zusätzlich.

Die Regelung ist vor allem für Firmen interessant, die viel Strom verbrauchen und flexibel produzieren. Typische Kandidaten sind etwa Kühlhäuser oder Aluminiumhütten wie Trimet aus Gelsenkirchen. Im Sommer hatte das Unternehmen auf eine Abschaltverordnung gedrängt

Der neue Bonus könnte zugleich dazu führen, dass ein neuer Markt für Energiedienstleistungen entsteht. Schon jetzt entdecken erste Firmen eine Geschäftsidee und beraten Unternehmen dabei, wie sie besonders gut von Stromlücken profitieren. Entelios aus München etwa hilft der Paulaner Brauerei darin, ihre Stromnachfrage zu flexibilisieren .

Der Strompreis steigt

Zwei Jahre hat die Bundesregierung über die Verordnung gestritten. Der ursprüngliche Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums sah noch viel höhere Vergütungssätze für die Megawattstunde vor, bis zu 60.000 Euro waren im Gespräch. Diese Zahl wurde jetzt gesenkt, auch auf Druck des Umweltministeriums.

Der Abschaltbonus wird sich am Ende als Kostenfaktor auf der Strompreisrechnung der Privathaushalte wiederfinden. Laut Kabinettsvorlage, die ZEIT ONLINE vorliegt, wird ein Durchschnittshaushalt deshalb jährlich ein bis zwei Euro mehr zahlen müssen. Maximal rechnet die Regierung mit vier Euro. "Dem steht ein Stabilitätsgewinn für die Netze gegenüber", argumentiert das Wirtschaftsministerium .

In den kommenden Wochen werden allerdings noch weitere Umlagen die Strompreise erhöhen. Neben dem Abschaltbonus will die Bundesregierung eine Umlage für Offshore-Windparks einführen, die Haushalte bis zu neun Euro im Jahr kosten könnte. Die Ökostromumlage wird im kommenden Jahr die Stromrechnung um geschätzte 60 Euro erhöhen. Auch die zunehmenden Ausnahmen für energieintensive Unternehmen bei den Netzentgelten werden de facto von den Privatkunden bezahlt - die Höhe ist allerdings schwer zu beziffern.