Rein rechtlich könnte der Staatsbankrott allein dadurch eintreten, dass die argentinische Regierung sich weigert, dem Urteil Folge zu leisten – was wegen der bekannt tiefen Abneigung von Cristina Fernández de Kirchner gegen die "Geierfonds" gar nicht so unwahrscheinlich ist. Die Zahlungen an jene Gläubiger, die der Umschuldung vor Jahren zugestimmt haben, werden über die Bank of New York abgewickelt. Die aber untersteht der New Yorker Gerichtsbarkeit. Selbst wenn Fernández de Kirchners Regierung die Bank anweist, auch künftig nur die umgeschuldeten Anleihen zu bedienen: Möglicherweise kann das Geldhaus dem gar nicht Folge leisten und sieht sich stattdessen gezwungen, einen Teil des Geldes den Holdouts zu geben.

Manche spekulieren jetzt darüber, ob Argentinien die Richter austricksen könne. Zum Beispiel könnte es die Gläubiger, die den Schuldenschnitt akzeptierten, künftig über einen Offshore-Treuhänder bedienen und nicht mehr über die Bank of New York. Doch die Holdouts könnten folgen und anderswo klagen – es wäre "eine Reise um die Welt in argentinischen Anleiherückzahlungen“, bloggt Joseph Cotterill in FT Alphaville , dem Finanzblog der Financial Times .

Das Urteil ist aber nicht nur für Argentinien relevant. Wenn ein Land Zins- und Tilgungszahlungen leisten muss an Gläubiger, die einem Umschuldungsangebot nicht zustimmten – und zwar in voller Höhe des Anleihenennwerts –, welcher Investor wird dann künftig noch bereit sein, die mit einem Schuldenschnitt verbundenen Verluste zu akzeptieren? Der Richterspruch mache die "künftige Umstrukturierung von Staatsschulden sehr viel schwieriger", schreibt Reuters-Finanzblogger Felix Salmon . Das Ergebnis sei ein "signifikanter Anstieg der Unsicherheit, in einer Anlageklasse, die das gerade wirklich nicht gebrauchen kann."

Urteil könnte auch für andere Anleihen gelten

Allerdings streiten die Anleiherecht-Experten noch darüber, inwieweit andere Länder tatsächlich von dem New Yorker Urteil betroffen sein könnten. Die juristischen Grundlagen sind kompliziert: Die Richter stützten ihr Urteil vor allem auf die sogenannte pari-passu-Klausel in den argentinischen Anleiheprospekten. Die Klausel legt fest, dass Argentinien alle Gläubiger gleich behandeln muss. Also müsse das Land auch an alle zahlen, befand das Gericht.

Neuere Anleiheprospekte hingegen enthalten häufig sogenannte Collective-Action-Klauseln (CAC). Auch griechische Anleihen sind mit solchen Klauseln versehen. CACs legen in der Regel fest, dass Entscheidungen einer Gläubiger-Mehrheit für alle bindend sind – unter einer umfassenden CAC müssten sich die Holdouts einer Umschuldung fügen, sobald eine Mehrheit der Kreditgeber dem Schuldenschnitt zugestimmt hat. Dennoch sei es für gewiefte Holdouts nicht schwer, CACs zu umgehen, schreibt die Rechtsprofessorin Anna Gelpern im Kreditblog Creditslips .

Argentinien aber wird im Dezember die nächste Rate seiner Schulden bezahlen müssen. Dann wird das New Yorker Urteil wohl noch keine konkreten Folgen für das Land haben. Die Richter verwiesen den Fall zurück an eine untere Instanz, die nun festlegen soll, wie der künftige Zahlungsmechanismus konkret aussehen soll. Trotzdem wird der Spielraum für Cristina Fernández' Regierung geringer. Im März 2013, schätzen Analysten, könnte die Gefahr eines erneuten Staatsbankrotts für Argentinien wieder konkret werden.