Einkommensverteilung: Bundesregierung schönt Armutsbericht
Zu sozial, zu arbeitnehmerfreundlich? Die Regierung streicht Aussagen zu ungleich verteiltem Privatvermögen und zunehmender Einkommensspreizung aus ihrem Armutsbericht.
Die Bundesregierung hat nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung kritische Passagen zum Auseinanderdriften der Einkommen aus dem Entwurf ihres Armutsberichts gestrichen. Während in einer ersten Fassung des Arbeitsministeriums noch die Formulierung "die Privatvermögen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt" aufzufinden war, fehlt die Passage in dem überarbeiteten Entwurf vom 21. November.
Auch Aussagen zur Lohnentwicklung wurden offenbar gestrichen. Getilgt wurde etwa diese Passage: "Während die Lohnentwicklung im oberen Bereich positiv steigend war, sind die unteren Löhne in den vergangenen zehn Jahren preisbereinigt gesunken. Die Einkommensspreizung hat zugenommen." Diese verletze "das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung" und könne "den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden". Stattdessen heißt es nun lediglich, es sei "kritisch zu sehen", dass für manche Alleinstehende ein Vollzeitjob nicht für die Sicherung ihres Lebensunterhalts reicht. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass im unteren Lohnbereich viele Vollzeitjobs entstanden seien.
Auch die Information, dass im Jahr 2010 in Deutschland knapp mehr als vier Millionen Menschen für weniger als sieben Euro brutto die Stunde arbeiteten, wurde aus dem Bericht gestrichen.
"Ein ganz normaler Vorgang"
Die erste Fassung war im Arbeitsministerium von Ursula von der Leyen (CDU) geschrieben und dann im September den anderen Ressorts vorgelegt worden. Bereits zu dem Zeitpunkt hatte es wegen des Textes in der Koalition Streit gegeben, weil ein Satz als Plädoyer für eine Vermögenssteuer verstanden worden war.
Die Süddeutsche Zeitung zitiert den FDP-Vorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der Bericht habe nicht "der Meinung der Bundesregierung" entsprochen. Ein Ministeriumssprecher sagte, es habe bei der Ressortabstimmung Veränderungswünsche gegeben. Dies sei "ein ganz normaler Vorgang".





Die Lohneinkommen der Deutschen sind wieder gleicher verteilt als noch vor wenigen Jahren. Zuvor hatte sich die „Lohnschere“ viele Jahre geöffnet. Das geht aus einer Studie hervor, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)veröffentlicht hat.
Den „Höhepunkt“ erreichte die politisch oft kritisierte Ungleichverteilung der Löhne demnach 2005. Seitdem kehre sich der Trend langsam wieder um, geht aus der Studie hervor. Während die realen Haushaltseinkommen von 2005 bis 2010 deutlich stiegen, habe auch „die Ungleichheit in der Verteilung der Einkommen sowohl in Westdeutschland als auch in Ostdeutschland abgenommen“, heißt es in der Studie. Nun hat sie, gemessen mit dem statistischen Maß des „Gini-Koeffizienten“, wieder den Stand des Jahres 2000 erreicht.
Wie es scheint, ist die offensive Nutzung gewünschter Statistiken Teil des politischen Tagesgeschäfts - allseits. Die Forderung nach Ethik gilt eben immer nur für den Anderen. Und wie stellte schon Winston Chruchil fest. "Ich glaube nur die Statistik, die ich selbst gefälscht habe." Real life: Wir definieren mit unserer bürokratisch-politischen Macht, was Realität zu sein habe. "Wenn die Fakten nicht zur Theorie passen, dann ändere die Fakten." Albert Einstein. Streichen ist auch eine Änderung von Fakten, sie werden als nicht existent definiert. Das alles dann auch noch unter dem Deckmantel von "Wissenschaft" - schein-objektiv. Bürokratie und Politik kauft sich im "liberalen" Sinn ihre Wissenschaft, also die gewünschten Ergebnisse. Der Markt wird es schon richten. Ja, insbesondere die Menschheit.
Es ist wirklich traurig, dass die Süddeutsche für diesen Bericht erst nach einer Steilvorlage der Bundesregierung durch verschieden formulierte Veröffentlichungen den Mut findet, die Wahrheit auszusprechen.
Vielleicht hilft Ihnen der aktuelle GINI-Vermögenskoeffizent hierbei auf die Sprünge. Bitte nicht mit GINI-Einkommenskoeffizenten verwechseln. Ist sehr verbreitet bei wirtschaftlich Studierten. Da führt wieder zu falschen Schlussfolgerungen bzw. zum Mindfucking mit handfesten Zahlen.
Das Problem der Mathematik ist: Sie überprüft immer nur den Rechenweg und das Resultat, nie die verwendeten Komponenten und deren Ableitung.
würde mich wohl auch etwas treffen.
Nachvollziehen kann ich jedoch überhaupt nicht, dass man nicht gedenkt die Politik anhand der Fakten der realen Situation entsprechend auszurichten.
Derartige Manipulationen widersprechen dem Auftrag von Volksvertretern. Sie sollen gefälligst das Volk vertreten und nicht Teilmengen des Volkes. Das Ganze ist einfach unanständig.
Arm ist, wer sich arm fühlt.
In Deutschland wird niemand durch materiellen Mangel daran gehindert, ein glückliches Leben zu führen.
Wenn ich aber unglücklich bin, weil die Tochter meines Nachbarn das neuere Handy hat, ist das Armut im Kopf.
Wer nicht in der Lage ist, eine gesunde Mahlzeit auf den Tisch zu stellen, kann nicht kochen.
Nicht Mangel, sondern Ausgrenzung und Geringschätzung erzeugen das Gefühl der Armut.
Und wie soll man sich nicht als minderwertig vorkommen, wenn die eigene Leistung miserabel bezahlt wird.
Hier setzt auch das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommen an.
Das revolutionäre dabei ist, dass hier Leistung und Geld nicht mehr gleichgesetzt werden.
Solange wir aber auf dieser Gleichung beharren, müssen wir für gerechte Bezahlung sorgen.
Denn in dieser Welt ist Geld der Hauptmaßstab für das Selbstwertgefühl.
Und als etwas anderes, als einen Mangel an Selbstwertgefühl kann man Armut in Deutschland kaum bezeichnen.
Andere scheinen dagegen derart viel davon zu besitzen, das sie ihre unverschämt hohen Einkommen tatsächlich für gerechtfertigt halten.
Der folgende Satz ist einfach nur köstlich:
"Die Süddeutsche Zeitung zitiert den FDP-Vorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der Bericht habe nicht "der Meinung der Bundesregierung" entsprochen."
Seit wann ist die faktische Verteilung von Armut und Reichtum eine Frage der politischen Meinung!? Die Politik ist immer öfters absolut nicht mehr ernst zu nehmen. Der Bericht "Lebenslagen in Deutschland - Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung" wird vom vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorbereitet. Darüber hinaus basiert so ein Bericht welcher ca. 500 Seiten stark ist, größtenteils auf soziologischen Fachgutachten und Herr Rösler passt dieses nicht in seine Meinung!?
Liste von Fachgutachten: http://www.sozialpolitik-...
Entwurf des aktuellen Berichts: http://www.sozialpolitik-...
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