ZEIT ONLINE: Das sind Ihre Hoffnungen. Und wie realistisch ist das?

Birol: : Es gibt erste positive Signale, etwa bei der Energieeffizienz. Sicherlich ist es jedoch zu früh für ein Urteil.

ZEIT ONLINE: Der einstige Ölproduzent Nummer eins der Welt, Saudi-Arabien, fällt ihren Projektionen zufolge zurück. Was bedeutet das für das Regime in Riad

Birol: Saudi-Arabien wird nicht zwangsläufig ins Hintertreffen geraten. Die teure Fördermethode Fracking, die in den USA praktiziert wird, lohnt sich nur bei hohen Ölpreisen. Wenn der Ölpreis unter 75 bis 80 Dollar pro Barrel sinkt, hat Saudi-Arabien weiter einen Vorteil. Das Land kann einfach günstiger produzieren.

ZEIT ONLINE: Wohin wird Saudi-Arabien zukünftig exportieren?

Birol: Derzeit nimmt vor allem die Nachfrage aus dem Inland zu.

ZEIT ONLINE: Warum?

Birol: Wegen der hohen staatlichen Subventionen auf Öl. Es ist paradox: Während der Rest der Welt erste Fortschritte darin macht, Energie effizienter zu verbrauchen, wird derzeit im Nahen Osten Energie verschwendet, und zwar, weil sie so billig ist. Im vergangenen Jahr sind die weltweiten Energiesubventionen um 30 Prozent auf 523 Milliarden Dollar gewachsen. Das Wachstum kam vor allem aus dem Nahen Osten. Am Ende schadet das den Volkswirtschaften dort.

ZEIT ONLINE: Warum genau?

Birol: Ganz einfach: Es bleibt weniger Öl übrig, das Saudi-Arabien noch exportieren kann. Das bedeutet eben auch: sinkende Erlöse, mit denen das Land wiederum Energie subventioniert.

ZEIT ONLINE: Was müssen die Staaten dieser Region jetzt tun?

Birol: Sie müssen unbedingt diese Subventionen abbauen. Nur so lässt sich die Energieeffizienz erhöhen, nur so werden alternative Energien wie Solarstrom konkurrenzfähig.

ZEIT ONLINE: Die Subventionen zu streichen, könnte auch zu politischen und gesellschaftlichen Unruhen führen.

Birol: Da bin ich mir nicht sicher. Das Argument, dass diese Subventionen den Armen helfen, stimmt nicht. Unsere Zahlen zeigen: Nur acht Prozent der 523 Milliarden US-Dollar Subventionen weltweit gehen an die zwanzig Prozent Bevölkerung mit dem niedrigsten Einkommen. Der Rest geht an die Mittelklasse und die Gutverdiener – schließlich sind sie die großen Energieverbraucher.