Der Preis für Luftverschmutzung soll beim Emissionshandel in die Höhe getrieben werden, um mehr Anreize für das Energiesparen und ökologische Innovationen zu schaffen. Die EU-Kommission hat zu diesem Zweck vorgeschlagen, 900 Millionen CO2-Zertifikate mehrere Jahre später als bislang geplant zu versteigern. "Wir dürfen einen Markt, in dem bereits ein Überangebot besteht, nicht mit zusätzlichen Zertifikaten überschwemmen", sagte Klimakommissarin Connie Hedegaard .

Der Emissionshandel ist das Hauptinstrument des Klimaschutzes der EU . Industrie und – mit Einschränkungen – seit diesem Jahr auch die Luftfahrtbranche müssen für jede in die Luft geblasene Tonne des klimaschädlichen Gases CO2-Zertifikate vorweisen. Diese bekamen sie in der Vergangenheit größtenteils umsonst zugeteilt. Die Zertifikate werden dann gehandelt, sodass beispielsweise ein Kohlekraftwerk Zertifikate kaufen muss, wenn es ausgebaut wird, oder verkaufen kann, wenn es umweltfreundliche Technik einbaut und damit weniger CO2 ausstößt.

2013 soll die dritte Phase beginnen, in der immer mehr Zertifikate versteigert statt kostenlos zugeteilt werden. In dieser bis 2020 dauernden Phase will die Kommission nun einen Teil der Scheine erst am Schluss statt zu Beginn versteigern, denn durch die Wirtschaftskrise gibt es aus ihrer Sicht bereits jetzt zu viele Scheine auf dem Markt.

Die EU-Mitgliedstaaten wollen am 13. Dezember über den Kommissionsvorschlag beraten. Noch ist offen, ob Deutschland der künstlichen Verknappung zustimmt. Widerstand dürfte zudem aus Polen kommen, das viele Kohlekraftwerke betreibt.

Handel gehen Reformen nicht weit genug

Branchenverbände haben Pläne zur Verknappung der CO2-Zertifikate wiederholt kritisiert, weil es erstens der Idee des Emissionshandels widerspreche, der auf den Marktmechanismus ausgerichtet sei. Zweitens kritisieren die Unternehmen die aus ihrer Sicht bereits zu hohe Belastung der Industrie.

Die Wirtschaft vermisst vor allem konkrete Vorschläge für eine langfristige Reform des Marktes: Der Preis für die bereits ausgegebenen CO2-Zertifikate brach um bis zu 7,3 Prozent auf 7,80 Euro je Tonne ausgestoßenes CO2 ein. "Die Verkaufswelle ist eine Reaktion auf fehlende Vorschläge für eine tiefgreifende Strukturreform", sagte ein Investor.

Auch der Vorschlag der Kommission geht vielen Unternehmen nicht weit genug: Einige hätten gehofft, dass die EU dem Markt Emissionsrechte komplett entziehe, hieß es. Noch am Montag war der Preis um neun Prozent in die Höhe geschossen, als Hedegaard ihren Vorschlag veröffentlichte. Seither haben sie aber mehr als 13 Prozent verloren.