DesertecDer Wüstenstrom bekommt neue Freunde

Die Euphorie um das Wüstenstromprojekt Desertec ist in Deutschland verflogen. Nun wollen Amerikaner und Chinesen mitmischen – und stoßen auf Misstrauen. von 

Inspektion eines Solarkraftwerks in Marokko (Archiv)

Inspektion eines Solarkraftwerks in Marokko (Archiv)  |  ©Abdelhak Senna/AFP/Getty Images

Wenn die Desertec-Stiftung am morgigen Mittwoch zur großen Jahreskonferenz lädt, wird es auf den Fluren vor allem ein Thema geben: Siemens . Der Technologiekonzern, einst wichtiger Investor und Mitgründer, hatte in der vergangenen Woche überraschend seinen Ausstieg aus der Unternehmensinitiative verkündet. Für das Wüstenstromprojekt war das eine Zäsur. 

Groß waren vor drei Jahren die Hoffnungen, als Desertec an den Start ging. Alle Beteiligten sollten gewinnen. Bis 2050, so der Plan, soll in Nordafrika und im Nahen Osten ein Netzwerk von Solar- und Windparks entstehen. Der Wüstenstrom könnte den Energiehunger der Region auf klimafreundliche Weise stillen und zugleich 20 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Das Projekt könnte zudem den Reformprozess im Nahen Osten fördern und die Handelsbeziehungen zu Europa vertiefen. Rund 400 Milliarden Euro soll Desertec kosten.

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Rund 20 Unternehmen haben sich inzwischen der Unternehmensinitiative Desertec Industrial Initiative (DII) als Gesellschafter angeschlossen. Ein Who is Who der europäischen Unternehmerszene, unter der Führung der Deutschen. Die Stromkonzerne RWE , E.On gehören dazu, der Versicherungsriese Münchner Rück, aber auch der spanische Energiekonzern Abenga oder Unicredit . 35 weitere Firmen unterstützen das Projekt als sogenannte assoziierte Mitglieder. Auch wenn die DII offiziell nur den Weg für das Großprojekt bereiten will – die Firmen werden natürlich Gesellschafter, weil sie hoffen, am Ende finanziell zu profitieren.

Auch andere Firmen denken über den Ausstieg nach

Mittlerweile aber ist die erste Euphorie der Beteiligten verflogen. Die Stimmung auf den Gesellschafterversammlungen ist oft durchwachsen. Desertec, das sei das Bohren dicker Bretter, sagt der Manager eines teilnehmenden Unternehmens. Man müsse um jeden froh sein, der sich engagieren wolle, heißt es bei einer anderen Firma.

Nicht nur Siemens erwägt inzwischen einen Ausstieg. Auch der Antriebsspezialist Bosch Rexroth hat angekündigt, bis zum Ende des Jahres über den Verbleib im Konsortium zu entscheiden. Mitgliedschaften wie bei Desertec werde man auch unter wirtschaftlichen Aspekten prüfen, teilt eine Sprecherin mit. Ein flammendes Bekenntnis für Desertec klingt anders.

Für viele Firmen stellt sich nach drei Jahren die Frage: Lohnt sich das zeitliche und finanzielle Engagement? Gerade bei den Stromriesen, die inzwischen auf Atommilliarden verzichten müssen, ist die Lust an finanziellen Abenteuern gering. Da hilft es auch nicht, wenn Desertec-Chef Paul von Son betont, die nachlassende Euphorie über das Projekt sei "normal".

Die Desertec-Manager hoffen nun auf das Ausland. Am Wochenanfang wurde bekannt, dass der amerikanische Hersteller von Dünnschichtmodulen, First Solar, einen Einstieg erwägt. Auch der weltweit größte Stromnetzbetreiber State Grid Corporation of China will sich das Geschäft in Afrika nicht entgehen lassen und Mitglied werden. In den kommenden Wochen werden die Gesellschafter über die Erweiterung ihres Kreises entscheiden.

Leserkommentare
  1. Ich denke zu einem nicht unerheblichen Teil liegt das Austeigen mancher Beteiligten an der destabilen politischen Lage der Region und dem entwicklungsplotischen Grundsatz des Projekts. Multinationale Konzerne haben wohl wenig Interesse daran, mit Desertec einen Teil ihrer Gewinne in die Entwicklung afrikanischer Länder zu stecken.

    Ich für meinen Teil halte nichts von Desertec, weil meiner Meinung nach die Energieversorgung der Zukunft dezentral sein muss. Die Gefahr der Monoplisierung ist bei diesem immensen Investitionsbedarf einfach zu hoch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    um genau zu sein.

    • ludna
    • 06. November 2012 16:36 Uhr

    Eine Firma verweist auf EU-Recht: "Alle Aufträge müssen nach europäischem Vergaberecht international ausgeschrieben werden."

    Da werden die Chinesen aber schlottern vor Sorge.

  2. um genau zu sein.

    Antwort auf "zu wenig Rendite"
  3. Die ganze Aktion war von Anfang an ein PR-Hype. Wo sollte das Geld kommen? und, viel wichtiger, was für ein Geschäftsmmodell stand dahinter?
    Jetzt, wo sogar die grüne Schafen, die ihren Leithammel gefolgt sind, und ihre Ersparnisse in Solarfirmen gesteckt haben, haben jetzt gemerkt, dass das Geld futsch ist und es waren nicht mal die miese Banker schuldig.
    Vernünftige Kaufmänner lassen die Finger von solchen Blasen.
    Sollen die Amerikaner zeigen, was sie können, als Übung haben Sie schon die Anbindung der Windparks in der Nordsee zu meistern.

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    Redaktion

    Hallo Müder Bürger
    danke für Ihre Kommentar. Aber ich denke: Desertec ist eben, wie die deutsche Energiewende, auf Jahrzehnte angelegt. Schon nach ein paar Monaten den Kopf in den Sand zu stecken, nur weil alles am Anfang nicht so geschmeidig läuft, wird der Idee nicht gerecht.
    Viele Grüße
    Marlies Uken

  4. Redaktion

    Hallo Müder Bürger
    danke für Ihre Kommentar. Aber ich denke: Desertec ist eben, wie die deutsche Energiewende, auf Jahrzehnte angelegt. Schon nach ein paar Monaten den Kopf in den Sand zu stecken, nur weil alles am Anfang nicht so geschmeidig läuft, wird der Idee nicht gerecht.
    Viele Grüße
    Marlies Uken

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    "Desertec-Projekt

    Weil die Photovoltaik deutlich billiger geworden ist, gerät das vielversprechende Desertec-Projekt in die Bredouille."

    Zitat: Zeit&Online vom 27.04.2012

    http://www.zeit.de/2012/18/GL-Desertec

    • SonDing
    • 06. November 2012 21:21 Uhr

    "Langfristprojekt".

    Wohl, die der endlosen und zentral gesteuerten Energieverbraucherabzockerei unter dem Deckmäntelchen des Umwelt- u.Klimaschutzes?

    Darauf, glaube ich, könne wir gerne alle verzichten!

    Wir haben genug Energie in Deutschland - und müssen Sie nur intelligent nutzen.

  5. ich kenne technischen Forschungsprojekte, die auf vielleicht 100 Jahren angelegt sind, die stehen aber auf soliden technischen, wissenschaftlichen Basis, sogar finanziell versucht man aus den Etats der Beteiligten Institutionen die Mittel zu garantieren.
    Dieselbe Probleme, die man in der Enegiewende nicht in Griff bekommt (deswegen die Besinnung auf die langfristigkeit des Projekts), treten, viel größer und viel dramatischer, bei desertec auf. Gibt es Anzeichen für erfolgversprechende Energiespeicher? Wie soll der Strom nach Europa transportiert werden?

    Antwort auf
    • ST_T
    • 06. November 2012 17:08 Uhr

    Wird sich wohl mehr als genug denken können um zu wissen, wohin die Klimawandel-Propaganda führen soll.
    Übrigens wäre es noch nett zu erwähnen, dass bestimmte Banken wie z.B. die Deutsche Bank auch an dem Projekt beteiligt sind.

    Wer sich weiter informieren möchte sollte mal nach dem "Sponsoring" gewisser Klimaforscher schauen...
    Da kommen nämlich einige böse Überraschungen.
    Und das sich nun die USA und China auch engagieren in dieser Idee ist sicherlich kein gutes Zeichen.

    Wie immer geht es bei einer guten und nützlichen Idee wohl eher um Macht!
    Und das kann mit einem Monopol auf Enerzieerzeugung für bis zu 25% des europ. Stromverbrauchs sicherlich erreicht werden!

    Also ich stehe diesem Konzept sehr skeptisch gegenüber...

    Eine Leserempfehlung
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    diese interessanten Ideen, der Internationalen Wissenschaftlerverschwörung gezahlt von der hinterlistigen EE Firmengemeinschaft...

    Wenn man auf der Ebene erst mal anfängt..

    aber gut ich fang den Ball mal auf...

    Stellen Sie sich einfach mal die Frage, in welchem finanziellen Verhältnis die Fossilen Energieunternehmen zur gesamtheit der Solar Wind und Wasserenergieunternehmen stehen..

    Eine Gigantische Wirtschaftsstruktur , gewachsen in 150 Jahren, die die Welt mit unvorstellbaren mengen fossiler Energie versorgt. ist um einen Faktor (nun allerdings geschätzt..) 50 schwerer als die gesamte EE Branche ?

    Wenn man meint, hier würde geschmiert... , dann weis ich von welcher Seite mit meher nachdruck und mehr effizienz..

  6. Ich stelle mir vor, dass uns außerirdische Intelligenzen beobachten. Sie stellen fest, dass wir das größte Energieangebot auf unserem Planeten nicht nutzen, stattdessen im Schatten(Deutschlands) Windräder und Solarpaneele aufstellen, und ansonsten wertvollste Ressourcen (Rohöl) verbrennen. Fazit der außerirdischen Intelligenzen: auf der Erde gibt es kein intelligentes Leben. ;-D

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  • Schlagworte RWE | Siemens AG | E.on | EU-Recht | Marokko | Nordafrika
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