Spitzentreffen bei Merkel : Die Energiewende im Schnelldurchlauf

150 Minuten Energiepolitik: Die Kanzlerin lädt die Länderchefs ins Kanzleramt, um über die Energiewende zu beraten. Was ist von dem Treffen zu erwarten?
Windrad mit Blümchen © Janek Skarzynski/AFP/Getty Images

Der Zeitplan ist einigermaßen ambitioniert: Zweieinhalb Stunden Zeit nimmt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) an diesem Freitag, um mit den Ministerpräsidenten Fortschritte der Energiewende zu diskutieren. 150 Minuten soll das Treffen dauern. Sicherlich zu wenig Zeit, um alle strittigen Fragen zu klären.

Ganz oben auf der Tagesordnung steht die Frage, wie stark jedes Bundesland den Umbau des Energiesystems vorantreiben soll. Bislang plant jedes Land die Energiewende im Alleingang, ohne Rücksicht auf die anderen . Schleswig-Holstein will zum Beispiel schon bald fast neunmal so viel Windstrom zu erzeugen, als die Bürger dort selbst verbrauchen können.

Dr. Max: Windstrom soll Blackouts im Winter verhindern Zwischen Schwerin und Hamburg ziehen Freileitungsmonteure in Extraschichten eine neue Windstrom-Leitung. Wird die Verbindung nicht rechtzeitig fertig, drohen bei einem kalten Winter "Blackouts". Ein Besuch auf der Baustelle.

Der Ökostrom muss also abtransportiert werden. Aber wohin – und was kostet der Netzausbau, um das zu ermöglichen? Im Süden ist die Begeisterung darüber, bald norddeutschen Ökostrom abnehmen zu müssen, ziemlich gering.

Der Bund will die Förderung deckeln – die Länder sind dagegen

Dort, im Süden des Landes, gibt es auch Widerstand gegen den Plan von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), die Ausbauziele nach Regionen zu deckeln. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg etwa weigert sich, den Ausbau der eigenen Windkraft zu drosseln. Sein Diktum: "Wir wollen auf zehn Prozent kommen bis zum Jahr 2020. Davon werde ich mich nicht abbringen lassen."

Das sieht David McAllister (CDU) ähnlich. Der Ministerpräsident aus Niedersachsen wünscht sich "ein klares Bekenntnis auch der Bundesregierung und der 16 Ministerpräsidenten" zum weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie. Das sei "für uns im Norden ganz besonders wichtig". Das Problem ist nun, dass beide Wünsche – jener von Kretschmann und McAllister – kollidieren und bislang nicht abgestimmt wurden.

Dabei hatten die Bundesländer noch vergangene Woche auf Schloss Ettersberg versprochen, ihre Ausbauziele besser zu koordinieren. Auf der Ministerpräsidentenkonferenz hatten sie zugesagt, ihre Planungen im Ernstfall "zu modifizieren". Wie viel diese Zusage wert ist, wenn die Länder nun gemeinsam mit dem Bund tagen, wird sich am Freitagnachmittag ebenfalls zeigen.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Warum der Strom so teuer wurde!

Die Ehre des ersten Kommentares will ich nutzen und auch für die Verstaatlichung des Übertragungsnetzes plädieren. Das Höchstspannungsnetz ist, wie alles anderen Spannungsebenen auch, ein natürliches Monopol und völlig ungeeignet, um mit privatwirtschaftlichen Ambitionen, wie z.B. Share-Holder-Value, betrieben zu werden.

Das Stromnetz gehört in die Hände des Staates - Höchspannungsebene dem Bund und alles darunter den regionalen Stadtwerken.

Auch wenn nicht alles rosig war vor der Privatisierung des Strommarktes in 1998 - aber es waren zwei Dinge besser:

1. Die Versorgungssicherheit, weil das Netz besser gepflegt wurde
2. der Preis war günstiger, weil die Stromkonzerne nicht so teure Bosse hatten....

Wer mehr Hintegründe dazu möchte, der lese das kostenfrei im WWW vorhandene Buch von Udo Leuschner: Kurzschluss

@1 WARUM !!! der Strom so teuer wurde

warum wohl - alles wieder ganz wunderbar von unserem Vernebelungskasperletheater - alias Bundestag - eingefädelt.

Der Verbraucher wird dabei für dumm verkauft und diejenigen Anbieter, die sich für erneuerbare Energien einsetzen, indem sie sie anbieten, mit dazu. Das Sagen haben dabei wie immer die im Elfenbeintum.

Offensichtlich alles eine MACHTFRAGE:

http://www.youtube.com/wa...

Es reicht einfach !

Nach Jahren dsr Ärgernis über immer neue unverschämte Preiserhöhungen, haben wir letzte Woche die Konsequenzen gezogen und den Anbieter gewechselt. Jährliche Ersparnis im Vergleich zur kommunalen Besatzungsmacht ca. 200 € bei ca. 2400kw/h p.a.)
Wir hattens einfach satt Spekulationsgewinne zu finanzieren und für Strom zu bezahlen, der entweder noch nicht hergestellt oder nicht transportiert werden kann; nutzlos im Energienirwana verpufft.

Das Speicherproblem muss gelöst werden: Windgas muss her

Sonnen- und Windenergie werden solange unter Druck stehen, wie das Speicherproblem nicht gelöst ist.
Das beste würde sein, Elektrizität in Chemische Energie zu verwandeln, also den Ökostrom, der nicht sofort gebraucht wird, in Kraftstoff zu binden.
Deshalb sollte verstärkt auf die Serienreife von H2 Produktion mit anschliessender Methan- oder Methanolproduktion gesetzt werden: Das von Audi betriebene Windgas Projekt sollte daher auch von anderen Firmen vorangetrieben werden.
Auch Pumpspeicherwerke könnte man ins Auge fassen wie zB Ringwallspeicher, die man zB im Braunkohlenrevier aufbauen könnte nach Auskohlung oder anstatt Auskohlung. Das Baggerwissen und der Maschinenpark von Rheinbraun sind da von grosser Bedeutung.
Die Bundesregierug setzt viel zu sehr auf Netzausbau der Stromnetze, statt das bestehende Gasnetz über Gaserzeugung aus Ökostrom mit einzubeziehen. Das heisst, die Bundesregierung will die Oligopolstellung der konventionellen Energieerzeuger erhalten. Das Gasnetz ist nämlich so gross, dass es locker das erzeugte Methan aufnehmen kann. Nur die Erzeugung von Strom aus Gas würde im wesentlichen dezentral erfolgen. Keine grossen Pötte mehr.
Es sind daher die Gaserzeuger(Elektrolyseure und Methanerzeuger) endlich zur Serienreife zu bringen. Diese passen in der Anschlussleistung neben jedes Windkraftwerk.
Also Windgas muss her.