Energiewende : Verbraucher müssen für Kosten fehlender Stromleitungen zahlen

Netzbetreiber können künftig einen Großteil der Entschädigungskosten für verspätete Netzanbindung auf Verbraucher abwälzen. Das beschloss die Koalition im Bundestag.
Arbeiter an einer Stromleitung des Hochspannungsnetzes © Oliver Berg/dpa

Union und FDP haben eine zusätzliche Abwälzung von Energiewendekosten auf die Stromverbraucher beschlossen. Gegen die Stimmen von SPD , Grünen und Linken setzte die Koalition im Bundestag mehrere Neuerungen beim Energiewirtschaftsgesetz durch. Demnach soll unter anderem von 2013 an ein großer Teil der Entschädigungen für Anschlussprobleme bei Meer-Windparks auf die Strompreise umgelegt werden. Die Koalition will so die finanziellen Risiken für die Netzbetreiber senken und Investoren anlocken. Sie sollen fehlendes Kapital für den Anschluss der Windparks beisteuern.

Zudem beschloss der Bundestag eine Winterreserve bei Kraftwerken. Um Blackouts zu verhindern, sollen Gas- oder Kohlekraftwerke notfalls zum Weiterbetrieb gezwungen werden, auch wenn sie unrentabel sind. Ferner erhalten energieintensive Unternehmen Geld, wenn sie bei Engpässen auf eine bestimmte Menge Strom verzichten. Pro Megawatt dieser sogenannten Abschaltleistung sollen sie 20.000 Euro im Jahr bekommen. Auch diese Kosten werden auf die Strompreise umgelegt.

Die Beschlüsse stießen auf heftige Kritik bei der Opposition. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil warf Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor, die Strompreise anzuheizen. "Sie sollten keine Krokodilstränen über höhere Strompreise vergießen", sagte Heil. Indem Zusatzkosten beim Bau der Meer-Windparks abgewälzt würden, treibe Rösler selbst die Energiekosten der Bürger in die Höhe. Heil nannte den Ausbau der See-Windenergie aber generell sinnvoll.

Dr. Max: Windstrom soll Blackouts im Winter verhindern Zwischen Schwerin und Hamburg ziehen Freileitungsmonteure in Extraschichten eine neue Windstrom-Leitung. Wird die Verbindung nicht rechtzeitig fertig, drohen bei einem kalten Winter "Blackouts". Ein Besuch auf der Baustelle.

Der Grünen-Energiepolitiker Oliver Krischer bezeichnete die Offshore-Haftungsregelung als eine Bankrotterklärung. "Das ist Schilda live. Da werden Windparks gebaut, ohne dass Netze da sind." Die Linke-Politikerin Barbara Höll warf der Regierung mit Blick auf die Zusatzprämie für unrentabel gewordene Kraftwerke vor, auf eine Drohkulisse der Energiekonzerne hereingefallen zu sein.

Rösler wirbt um Verständnis

Der Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet, Lex Hartmann, begrüßte den Beschluss: Das Gesetz bringe mehr Rechtssicherheit für Windenergie auf See. Schon jetzt ist mit Entschädigungen von rund einer Milliarde Euro zu rechnen. Tennet ist nach eigenen Angaben für den Anschluss von zehn Offshore-Projekten mit einer Kapazität von 5.500 Megawatt und Kosten von rund sechs Milliarden Euro zuständig. Rösler warb um Verständnis für die Zusatzbelastungen.

Werden Offshore-Anlagen verspätet angeschlossen oder kommt es zu Störungen, sollen Netzbetreiber künftig pro Jahr maximal 110 Millionen Euro selbst zahlen, sofern kein Vorsatz nachzuweisen ist. Der Rest der Kosten soll über die Netzentgelte auf die Bürger abgewälzt werden. Pro Haushalt könnten durch die Übernahme von Entschädigungskosten knapp zehn Euro mehr über den Strompreis zu zahlen sein. Schon ohne diese neue Umlage steigen die Strompreise Anfang 2013 mit im Schnitt zwölf Prozent so stark wie nie zuvor. Gründe sind höhere Ausgaben für die Förderung erneuerbarer Energien, Rabatte für die Industrie und die Kosten des Netzausbaus in Deutschland.

Stimmt der Bundesrat in seiner Sitzung am 14. Dezember zu, können die Regelungen von Januar an in Kraft treten.

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Kommentare

57 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

@fillmore

Versuchen Sie doch nicht die volle Verantwortung auf "Linke" und "Grüne" abzuwälzen mit dem Fukushima-Vorwand. Im Text steht klar und deutlich, dass sich die Regierungsparteien über die Opposition hinweg setzte!

> Union und FDP haben eine zusätzliche Abwälzung von
> Energiewendekosten auf die Stromverbraucher beschlossen.
> Gegen die Stimmen von SPD, Grünen und Linken setzte die
> Koalition im Bundestag mehrere Neuerungen beim
> Energiewirtschaftsgesetz durch.

Projiziere von mich auf andere; das ist gegenwärtig das Credo der Union und FDP, sowie deren Anhängerschaft.

Ausbau der Netze

Die Energiewende gab es ja schonmals. Eigentlich hätten die Energieunternehmen ja nur wenige Monate (zwischen dem Ausstieg vom Ausstieg und dem Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg) untätig sein dürfen, davor und danach hätten Sie Netze bauen müssen.

Wenn sich herausstellt, dass hier der Markt nicht funktionierte ist die o.g. Lösung als planwirtschaftlicher Steuerungsversuch sicherlich nicht zielführend.
Warum dann beim Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg AKWs im Norden weiterliefen und im Süden abgeschalten wurden ist mir auch schleierhaft. Man hätte ja sonst die nördlichen AKWs als Einspeiseknoten für offshore-Windparks verwenden können.

PV und Windkraft an Land müssen die Anschlußkosten

auch weiterhin selbst zahlen!
Dennoch sind diese mit knapp 12 Ct bzw 5-8 Ct/kwh deutlich günstiger als der schwarzgelbe Windstrom aus dem Meer mit 19 Ct/kwh.
Und die dafür nötigen neuen Stromleitungen kommen noch hinzu.

Windkraft an Land u. PV sind dagegen dezentral u. brauchen kaum neue Leitungen.

[...]

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au.

a1215251

"Linke und Grüne" habe ich eigentlich gar nicht erwähnt, wenn Sie sich auf den Schlips getreten fühlen, - war keine Absicht.
Fukushima war allerdings der richtige Vorwand für viele "Umweltbewegte", den Atomausstieg für jetzt und sofort zu fordern. Frau Merkel hat ja auch prompt geliefert, - Rechnung folgt.
Und schieben Sie mich doch bitte nicht in das Lager der Regierungskoalition, nur weil ich hier keine Meinung vertrete, die Ihrem Weltbild entspricht.

Wer soll es denn sonst zahlen?

"Wen verwundert diese Meldung? Mich nicht"
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Kann ja auch nicht. Wer soll es denn sonst zahlen? Der Staat? Das sind auch die Bürger. Oder die Unternehmen? Die schlagen das Geld auf den Strompreis. Es bleibt so oder so beim Verbraucher. Er zahlt die Zeche für übereilte Energiewende im Fukushima-Wahn und für die grüne Blockade in den Regionen, wo sich überall gegen Leitungstrassen gewehrt wird.