Euro-KriseGeldgeber einigen sich nicht auf Griechenlandhilfe

Die Regierung in Athen muss weiter auf die nächste Hilfstranche warten. Euro-Gruppe und IWF konnten sich erneut nicht einigen, am Montag soll neu verhandelt werden. von afp, dpa, reuters und dapd

Die Rettung Griechenlands vor der Staatspleite bleibt in der Schwebe: Auch bei ihrem zweiten Treffen innerhalb einer Woche konnten sich die internationalen Geldgeber des Landes nicht auf die genauen Modalitäten für ein nächstes Hilfspaket einigen. "Da die Fragen so kompliziert sind, haben wir keine abschließende Lösung gefunden", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am frühen Morgen. "Deswegen werden wir uns am Montag wieder treffen."

Uneinigkeit herrscht vor allem darüber , ob Athen bis 2020 seine Schulden wieder selbst tragen können muss – oder ob auch dafür ein Aufschub von zwei Jahren bis 2022 gegeben wird und dem Land dafür dann Extra-Hilfen in Höhe von 33 Milliarden Euro gewährt wird. Die Finanzminister der Euro-Zone befürworten dies, der Internationale Währungsfonds ( IWF ) wehrt sich dagegen und verlangt einen Schuldenerlass der Euro-Partner.

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"Wir haben jetzt eine Reihe von Optionen auf dem Tisch, wie wir die Finanzlücke schließen", sagte Schäuble. "Darüber haben wir intensiv diskutiert." Im Gespräch sind dem Vernehmen nach Zinsverbilligungen oder Laufzeitverlängerungen für Kredite an Athen. Es könnten auch Zinsgewinne aus Griechenlandkrediten weitergereicht werden. Auf die Frage, ob nationale Budgets vor dem Paket betroffen seien werden, sagte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker: "Das ist je nach Option unterschiedlich zu beantworten. Das müssen wir genauestens überprüfen."

Trotz der Meinungsverschiedenheit gab sich Juncker optimistisch. "Wir stehen kurz vor einem Ergebnis. Wir sehen keinen großen Hemmschuh", sagte er. In den kommenden Tagen gebe es jedoch technische Aspekte und Berechnungen abzuhandeln. IWF-Direktorin Christine Lagarde äußerte sich indes verhaltener. "Wir haben unsere Positionen angenähert", erklärte sie nur.

"Griechenland hat wirklich geliefert"

Grundsätzlich sind die Geldgeber aber offenbar gewillt, dem Land die dringend benötigte Hilfszahlung von mindestens 31,5 Milliarden Euro zu gewähren. "Ich bin massiv daran interessiert, dass Griechenland die nächste Tranche erhält", sagte Juncker und verwies auf die jüngsten griechischen Sparmaßnahmen . "Griechenland hat wirklich geliefert. Man muss das anerkennen. Es ist jetzt an uns, adäquat darauf zu antworten."

Die einzige Einigung, die bei den Beratungen erzielt wurde, ist Schäuble zufolge die Einrichtung eines "verbesserten Kontrollmechanismus". Dadurch werde in Zukunft sichergestellt, "dass Schritt für Schritt auch die Reformen weiter umgesetzt werden und darüber berichtet wird". Der CDU-Politiker hatte sich mit der Unterstützung seiner österreichischen Kollegin Maria Fekter für eine solche strengere Kontrolle der Regierung in Athen ausgesprochen.

Laut Juncker und Schäuble soll der Griechenland-Streit aber nicht auf den EU-Sondergipfel getragen werden, der von Donnerstag an über die langfristige Haushaltsplanung der EU von 2014 bis 2020 beraten wird. Mit Blick auf Gipfelchef Herman Van Rompuy sagte Juncker: "Es ist nicht seine Absicht, über dieses Thema anlässlich des ins Haus stehenden Gipfels zu reden."

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Leserkommentare
    • EU fan
    • 21. November 2012 8:13 Uhr
    9. [...]

    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass unsere Netiquette durchgehende Großschreibung verbieten. Danke, die Redaktion/jp

    2 Leserempfehlungen
    • MaxS2
    • 21. November 2012 8:18 Uhr

    Ich finde, es muss auch irgendwann Schluss sein - ein (fester) Punkt, an dem man zugibt, dass das Land pleite ist, und es eine geordnete Insolvenz erhält.

    Was bringt es denn, wenn über Jahre hinweg Geld hineinpumpt, und dem Land Sparmaßnahmen abverlangt, die es kaum schultern kann? Der einzige Vorteil scheint mir zu sein, dass auf diesem Wege die Haftungsrisiken nicht aufgedeckt werden, und das Versagen vieler Politiker noch einige Zeit nicht offensichtlich wird.

    6 Leserempfehlungen
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    • EU fan
    • 21. November 2012 8:47 Uhr

    und dieser Zeitpunkt war vor 4 Jahren!

    ... als man das erste mal Banken gerettet hat, die man besser hätte pleite gehen lassen.

    Der Euro ist im allgemeinen eine Fehlkonstruktion, umso mehr staunt man das es schon einmal so eine Fehlkonstruktion gab!

    Damals waren Frankreich, Belgien, Italien, die Schweiz und Griechenland beteiligt

    http://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Münzunion

    Man rate wenn man nicht schaut wer dafür verantwortlich war, dass das Ganze scheiterte.

    Man kann hier nur betonen aus der Vergangenheit nichts gelernt.

  1. am Monatg werden sie einen versteckten Schuldenschnitt aus dem Hut zaubern, den sie uns als besonders nachhaltig verkaufen werden.

    7 Leserempfehlungen
  2. dass sie endlich mal zugeben, dass sie auch keine blasse Ahnung haben was da passiert.Es scheint vorgezeichnet, dass dieser Quatsch bis wenigstens 2020 regelmäßig durch die Medien gehen wird. Das sit ja rosige Aussichten.

    3 Leserempfehlungen
  3. Seit Beginn der Griechenlandkrise frage ich mich, warum NUR DIE ARMEN die Krise in Griechenland stemmen sollen?

    Den Rentnern wird die Rente gekürzt, die Arbeitslosen haben keine Krankenversicherung mehr, und viele Menschen hungern.

    Würden Sie nicht auf die Strasse gehen, wenn Ihr Kind krank wäre und Sie kein Geld (mehr) hätten, zum Arzt zu gehen?

    Und die Reeder fahren immer noch steuerfrei!

    7 Leserempfehlungen
    • MaxS2
    • 21. November 2012 8:34 Uhr

    liegt neben anderen Dingen in der Person von Jean-Claude Juncker. Von ihm kommen so vertrauensbildende Aussprüche wie:
    "wenn es ernst wird, muss man lügen" oder
    ""Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt" (Quelle: http://de.wikiquote.org/w... ).

    Ein Politiker, der solche Positionen vertritt ist nicht dazu geeignet, die Interessen eines Volks ehrlich vertreten. Es ist daher völlig gerechtfertigt, darüber zu spekulieren, in welcher Weise hier gegen die Interessen der Völker Politik gemacht wird.

    7 Leserempfehlungen
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    • ekbül
    • 21. November 2012 10:57 Uhr

    Das Vorgehen, das Juncker da beschreibt, ist seit Jahrhunderten gängige Praxis in Demokratien. Dafür habe ich sogar ein gewisses Verständnis.
    Kein Verständnis habe ich für die Lemminge, die diese Leute immer wieder wählen.

    • RPT
    • 21. November 2012 8:36 Uhr

    Was immer auch "Lieferung" heißt, aber es ist ja nun wirklich nicht so, das die Griechen eine Party mit dem Geld machen würden. Sparen tut der Staat schon schon sehr erheblich und das reißt das Land natürlich nach unten. (Eine Abwertung der Währung wäre eben *viel* einfacher (1)). 25% Arbeitslosigkeit klingt jedenfalls schon sehr hoffnungslos für die Betroffenen, mir tun diese Leute wirklich sehr leid.

    Nur leider bestehen die "Lieferungen" eben nur darin bei den kleinen Leuten zu sparen, nicht die Strukturreformen anzugehen die nötig wären, um wieder auf den grünen Zeig zu kommen. Selber Schuld natürlich, bzw. die der jeweiligen Interessenvertreter. Die Besteuerung der Reeder scheint ja weder auf der Liste der geforderten "Lieferungen" zu stehen noch scheinen die Griechen selber auf die Idee zu kommen, dass dort Geld zu bekommen wäre das dringen gebraucht werden würde.

    1) Interessant wäre es zu erfahren, ob denn eingentlich auch die Preise in Griechenland sinken, für Mieten, Transport, Produkte die in Griechenland hergestellt werden. Dann wäre es sowas wie eine Art Abwertung des Euro im Land. Diese Seite der Medallie gehört ja auch dazu, nicht nur das Senken der Gehälter und Renten.

    7 Leserempfehlungen
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    Über Jahrzehnte gewachsene Seilschaften bestehen weiter und verhindern, dass die finanzstarke Schicht beteiligt wird.

    • NoG
    • 21. November 2012 11:08 Uhr

    produzenten- u. verbraucherpreisindizes steigen als haette es den lohn-, pension- u. rentenrasenmaeher nie gegeben.
    allerdings wurden mit sicherheit auch verbrauchssteuern erhoeht.

    meine quelle ist kostenpflichtig und kann somit nicht hingelegt werden.

    • EU fan
    • 21. November 2012 8:47 Uhr

    und dieser Zeitpunkt war vor 4 Jahren!

    Eine Leserempfehlung

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