ProtestEuropas Gewerkschaften streiken gegen Sparpolitik

In Belgien stehen die Züge still, in Spanien und Portugal soll es Generalstreiks geben. Die Gewerkschaften mobilisieren heute in ganz Europa gegen die Sparpolitik. von afp und dpa

Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys verkehrt am europaweiten Aktionstag der Gewerkschaften nicht zwischen Brüssel und Köln.

Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys verkehrt am europaweiten Aktionstag der Gewerkschaften nicht zwischen Brüssel und Köln.  |  © Yves Herman/Reuters

Mit einem europaweiten sogenannten Aktionstag wollen Gewerkschaften gegen die Sparmaßnahmen zur Bekämpfung der Finanzkrise protestieren. In Spanien und Portugal sind landesweite 24-stündige Generalstreiks geplant. Arbeitsniederlegungen von drei bis vier Stunden sollen Griechenland und Italien treffen.

Der Europäische Gewerkschaftsbund ruft unter dem Motto "Für Arbeit und Solidarität – Nein zur sozialen Spaltung in Europa " zu Aktionen auf. 40 Gewerkschaften in 23 Ländern sind beteiligt. Proteste gegen rigide Sparmaßnahmen und eine übermäßige Belastung der Arbeitnehmer soll es unter anderem in Deutschland, Italien, Frankreich , Belgien und Polen geben.

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In Belgien sind die Eisenbahner im Ausstand. Beschäftigte des Bahnbetreibers SNCB begannen am Dienstagabend einen eintägigen Streik. Aus Frankreich kommende Reisende mussten in der Nacht in Lille in Busse umsteigen, um nach Brüssel zu gelangen. Der Ausstand sollte vor allem den Süden des Landes treffen; Behinderungen dürfte es auch in Brüssel und in Flandern geben.

Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys werde nicht zwischen Deutschland und Belgien verkehren, teilte der Betreiber mit. Auf den anderen Routen nach Frankreich und den Niederlanden seien Verspätungen möglich. Der Eurostar-Zug durch den Kanaltunnel nach London soll hingegen wie üblich verkehren.

In Spanien rief der Gewerkschaftsbund CCOO zum zweiten Generalstreik seit Ende März auf. Die Arbeitsniederlegungen sollen von Demonstrationen in etwa 120 Städten begleitet werden. Protestkundgebungen sind auch in Portugal geplant.

Fluggesellschaften haben viele Spanien- und Portugal-Flüge abgesagt. Die großen spanischen Linien strichen etwa die Hälfte der geplanten Verbindungen. Auch im internationalen Flugverkehr könnte es zu Störungen kommen. In Spanien wurde für die Bahnen, U-Bahnen und Busse ein Mindestbetrieb vereinbart, der in jedem Fall aufrechterhalten werden soll.

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Leserkommentare
    • Germany
    • 14. November 2012 9:13 Uhr

    Die Gewerkschaften protestieren heute gegen die Sparpolitik. Gegen die Schuldenpolitik in ihren Ländern haben sie nie protestiert. Diese Schuldenpolitik aber hat uns zum gro0en Teil in die vorhandene Krise getrieben. Gewerkschaftler sitzen in den Parlamenten und sie haben Sitz und Stimme im Aufsichtsrat der Betriebe. Nie haben sie gestreikt, weil die öffentliche Verwaltung nicht durchorganisiert ist, weil der öffentlichen Dienst zu aufgebläht ist, weil der Reiche kaum Steuern zahlt, weil auch Tote noch Renten beziehen usw. usw.
    Heuchlerischer als die Gewerkschaften kann man kaum sein.

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    Die Gewerkschaften haben nie gegen die Verschuldungen protestiert, weil mit den öffentlichen Krediten Wachstum und Arbeitsplätze für die eigenen Mitglieder gekauft wurden.

    Das dabei Defizite vorprogrammiert sind hat sie ebensowenig interessiert wie die jeweiligen Regierungen.
    Solange man sich damit über steigende BIP, AL-Quoten und Prophezeihungen von selbsttragenden Aufschwüngen selbst beweihräuchern konnte, war die Welt in Ordnung.

    Nun sind die Kreditlinien aufgezehrt, und man verlangt das Spiel weiterspielen zu dürfen. Dabei sind die Knapp 35 Mio. tatsächlich arbeitslosen Individuen in der EU nichtmal das eigentliche Problem, denn Güter produzieren wir auch ohne diese Menschen mehr als genug.
    Das Problem ist; dass man den arbeitslosen Menschen den Zugang zu diesen (teils lebensnotwendigen) Gütern nur über Arbeit die gar nicht benötigt wird, gewähren möchte.

  1. Die Freiheit des Kapitalmarkts ist eine andere, als die der geistigen Freiheit. Wäre schön, wenn man sich mal von der Bedürfnispyramide lösen könnte und statt immer nur materielle auch mal geistige Größen berücksichtigen könnte. Und nur weil unsere Eierköpfe das nicht in eine Formel bekommen, heißt das nicht, dass dies nicht existiert. Nur den Körper am Leben zu halten kann nicht die Maxime sein.

  2. immer wieder von einer Staatsschuldenkrise spricht, hat die neoliberale Finanzkrise mit ihren Spekulationsblasen verdrängt.

  3. Es gibt genügend Gründe. Nominale und reale Rentenkürzungen, Auffressen der Hartz4-Sätze durch die Inflation, Bezahlung der Löhne durch den Steuerzahler (Aufstockung), Abbau von Leistungen im Gesundheitswesen, Erhöhung der Energiepreise, immer größere Armut, immer mehr Menschen leben mit ihren Kindern unterhalb des Existenzminimums.

    Es gibt sicherlich noch andere Missstände zu nennen wie ESM und Militär im Innern und last not least die klientelorientierte Politik dieser Regierung, die jedes Augenmaß für den kleinen Mann oder den immer schwieriger werdenden Lebensalltag des Normalbürgers verloren hat.

  4. Eigentlich war ein Generalstreik für Portugal, Spanien, Griechenland sowieso, sowie Malta und Zypern angekündigt. Nun macht Spanien nicht mit?

    Die Wahrheit dieser Eurokrise ist auch, dass Solidarität zwischen Arbeitern/ Lohnabhängigen grenzüberschreitend nicht funktioniert. Sollte Europa jemals durch etwas wie eine Bürgerbewegung gestützt werden, ist diese Illusion wohl durch Tage wie heute eindrucksvoll widerlegt.

    Es ist grotesk, dass diejenigen, die wider alle Propaganda Marx und auch Luxemburg etc. lesen, relativ gut antizipieren können, wohin diese Krise noch führen wird und was für neue Ausbeutungszyklen und -verhältnisse gerade politisch geschaffen werden, aber diese Leute überhaupt nicht mehr gehört werden von den Gesellschaften.

    Zudem zeigt der Tag wieder einmal, dass sich Gewerkschaften wunderbar gegeneinander ausspielen lassen und deutsche Gewerkschaften sich für eine Rechtfertigung gescheiterter deutscher Wirtschaftspolitik einspannen lassen.

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    Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde

    "Es ist der wohl größte PR-Coup der Geschichte: Die Banken haben sich aus der Schusslinie genommen, indem sie aus der Finanz- eine Staatsschuldenkrise machten. Die Politik zieht daraus die falschen Schlüsse. Jetzt aber wird die Kritik an Merkels Spardiktat immer lauter."
    http://www.cicero.de/kapi...

    Es ist vor allem auch der größte Raubzug der Geschichte!

    Als Unterstützer der Räuber an forderster Front: Schäuble und Merkel. Und nicht zu vergessen: Steinbrück! In der großen Koalition.

  5. ...
    neue Strukturen
    neue Köpfe

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    • Mithra
    • 14. November 2012 14:09 Uhr

    Der Satz "Man sollte echt mal aktiv werden" ist die beste Zusammenfassung aller Forenbeiträge, die ich bisher gesehen habe, Gratulation!
    Noch ein bisschen besser wäre höchstens "Warum nur wird eigentlich keiner aktiv??"

  6. Die Gewerkschaften haben nie gegen die Verschuldungen protestiert, weil mit den öffentlichen Krediten Wachstum und Arbeitsplätze für die eigenen Mitglieder gekauft wurden.

    Das dabei Defizite vorprogrammiert sind hat sie ebensowenig interessiert wie die jeweiligen Regierungen.
    Solange man sich damit über steigende BIP, AL-Quoten und Prophezeihungen von selbsttragenden Aufschwüngen selbst beweihräuchern konnte, war die Welt in Ordnung.

    Nun sind die Kreditlinien aufgezehrt, und man verlangt das Spiel weiterspielen zu dürfen. Dabei sind die Knapp 35 Mio. tatsächlich arbeitslosen Individuen in der EU nichtmal das eigentliche Problem, denn Güter produzieren wir auch ohne diese Menschen mehr als genug.
    Das Problem ist; dass man den arbeitslosen Menschen den Zugang zu diesen (teils lebensnotwendigen) Gütern nur über Arbeit die gar nicht benötigt wird, gewähren möchte.

    Antwort auf "Gewerkschaften"
  7. Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde

    "Es ist der wohl größte PR-Coup der Geschichte: Die Banken haben sich aus der Schusslinie genommen, indem sie aus der Finanz- eine Staatsschuldenkrise machten. Die Politik zieht daraus die falschen Schlüsse. Jetzt aber wird die Kritik an Merkels Spardiktat immer lauter."
    http://www.cicero.de/kapi...

    Es ist vor allem auch der größte Raubzug der Geschichte!

    Als Unterstützer der Räuber an forderster Front: Schäuble und Merkel. Und nicht zu vergessen: Steinbrück! In der großen Koalition.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sc
  • Schlagworte Arbeitnehmer | Bahn | Belgien | Demonstration | Finanzkrise | Flugverkehr
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