Um drei Uhr meldete Herman Van Rompuy Vollzug: "Der EU-Rat hat Yves Mersch offiziell in das EZB-Direktorium berufen", twitterte der Ratspräsident aus Brüssel . Damit ist der Streit um den Luxemburger beendet – und die Machtzentrale der Europäischen Zentralbank bleibt eine Domäne von Männern.

Genau dies wollte das EU-Parlament verhindern und hatte die Ernennung des Notenbankchefs abgelehnt . Die Begründung: Er sei keine Frau , was der 63-Jährige auch unumwunden zugab: "Ja, ich muss leider bekennen, ich bin keine Frau", stellte er bei seiner Befragung im Plenum in Straßburg fest. Letztlich aber blieb dieses Intermezzo ohne Folgen, die Abgeordneten haben kein Veto-Recht. Der Ernennung stand also im Grunde nichts mehr im Wege, und Parlamentspräsident Martin Schulz musste sich damit zufrieden geben, dass man immerhin "ein starkes Signal" gegeben habe.

Unterstützung für die deutsche Position

Ein solches kam aber auch aus Madrid , ebenfalls ohne Auswirkung auf den Berufungsprozess. Spanien hatte Anfang November als einziges Mitgliedsland die Bestätigung des Kandidaten im sogenannten schriftlichen Verfahren blockiert .

Um Merschs Geschlecht ging es dabei weniger als um seine geldpolitischen Auffassungen, die wiederum der Bundesregierung sehr gelegen kommen. Denn so wie die Deutschen plädiert auch Mersch für eine strenge Geldpolitik und sieht die oberste Aufgabe eines Notenbankers im Kampf gegen Inflation. Der Deutsche im EZB-Direktorium, der frühere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Jörg Asmussen , bekommt also Verstärkung an seine Seite.

Statement per Krawatte

Mersch ist seit 1998 Direktor der Luxemburger Zentralbank. In dieser Funktion ist der gelernte Jurist bereits Mitglied des Gouverneursrats der EZB, dem die Notenbankchefs der 17 Euro-Länder angehören. Der Vater zweier erwachsener Kinder kann eine beeindruckende internationale Karriere vorweisen: Unter anderem war er bei der Weltbank tätig, bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, bei der Europäischen Investitionsbank und beim Internationalen Währungsfonds in Washington.

Mit seinen diskreten, maßgeschneiderten Anzügen und den weißen Hemden entspricht Mersch perfekt dem Bild des seriösen Bankers. Doch die Wahl seiner Krawatten zeugt manchmal auch von einer guten Portion Schalk. Zur Anhörung im Europaparlament erschien der Luxemburger mit einem knallroten Binder, auf dem sich eine Herde weißer Comic-Lämmchen tummelte – und ein schwarzes Schaf.