Euro-ZoneEZB-Direktorium bleibt in Männerhand

Das Nein der EU-Abgeordneten und der Widerstand Spaniens waren vergebens: Die Mitgliedsländer haben den umstrittenen Luxemburger Yves Mersch ins EZB-Direktorium berufen. von afp, dpa und dapd

Der Neue im EZB-Direktorium: Yves Mersch

Der Neue im EZB-Direktorium: Yves Mersch  |  © Patrick Herzog/AFP/Getty Images

Um drei Uhr meldete Herman Van Rompuy Vollzug: "Der EU-Rat hat Yves Mersch offiziell in das EZB-Direktorium berufen", twitterte der Ratspräsident aus Brüssel . Damit ist der Streit um den Luxemburger beendet – und die Machtzentrale der Europäischen Zentralbank bleibt eine Domäne von Männern.

Genau dies wollte das EU-Parlament verhindern und hatte die Ernennung des Notenbankchefs abgelehnt . Die Begründung: Er sei keine Frau , was der 63-Jährige auch unumwunden zugab: "Ja, ich muss leider bekennen, ich bin keine Frau", stellte er bei seiner Befragung im Plenum in Straßburg fest. Letztlich aber blieb dieses Intermezzo ohne Folgen, die Abgeordneten haben kein Veto-Recht. Der Ernennung stand also im Grunde nichts mehr im Wege, und Parlamentspräsident Martin Schulz musste sich damit zufrieden geben, dass man immerhin "ein starkes Signal" gegeben habe.

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Unterstützung für die deutsche Position

Ein solches kam aber auch aus Madrid , ebenfalls ohne Auswirkung auf den Berufungsprozess. Spanien hatte Anfang November als einziges Mitgliedsland die Bestätigung des Kandidaten im sogenannten schriftlichen Verfahren blockiert .

Um Merschs Geschlecht ging es dabei weniger als um seine geldpolitischen Auffassungen, die wiederum der Bundesregierung sehr gelegen kommen. Denn so wie die Deutschen plädiert auch Mersch für eine strenge Geldpolitik und sieht die oberste Aufgabe eines Notenbankers im Kampf gegen Inflation. Der Deutsche im EZB-Direktorium, der frühere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Jörg Asmussen , bekommt also Verstärkung an seine Seite.

Statement per Krawatte

Mersch ist seit 1998 Direktor der Luxemburger Zentralbank. In dieser Funktion ist der gelernte Jurist bereits Mitglied des Gouverneursrats der EZB, dem die Notenbankchefs der 17 Euro-Länder angehören. Der Vater zweier erwachsener Kinder kann eine beeindruckende internationale Karriere vorweisen: Unter anderem war er bei der Weltbank tätig, bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, bei der Europäischen Investitionsbank und beim Internationalen Währungsfonds in Washington.

Mit seinen diskreten, maßgeschneiderten Anzügen und den weißen Hemden entspricht Mersch perfekt dem Bild des seriösen Bankers. Doch die Wahl seiner Krawatten zeugt manchmal auch von einer guten Portion Schalk. Zur Anhörung im Europaparlament erschien der Luxemburger mit einem knallroten Binder, auf dem sich eine Herde weißer Comic-Lämmchen tummelte – und ein schwarzes Schaf.

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Leserkommentare
  1. Soso: Um Merschs Geschlecht ging es dabei weniger als um seine geldpolitischen Auffassungen! Das heißt, man hat den Posten nach fachlichen Kriterien vergeben! Skandal! Jetzt müssen alle Quotenbewegten ganz schnell "betroffen" sein und das "unerträglich" finden.

  2. gesagt, seine geldpolitischen Aussagen wichtiger als sein Geschlecht.

    Dankenswerter Weise handelt der Text auch davon.

    Warum aber diese - vom Inhalt aus betrachtet - eher irreführende Überschrift?

    Sollen Leser, die sich für Geldpolitik interessieren, abgestoßen und solche angezogen werden, die sich für ein anderes Politikfeld interessieren - und dann hauptsächlich mit etwas bedient werden, was nun überhaupt nicht ihrem Interesse entspricht?

    P.S.: Kleidung und Krawatten halte ich für noch irrelevanter als das Geschlecht. (Auch wenns in diesem Fall nett pointiert ist.)

    • ST_T
    • 23. November 2012 10:53 Uhr

    Soso, jetzt bleibt das Direktorium in "Männerhand", wie so gerne konnotiert wird.
    Wen interessierts?
    Solange der Mann fachlich geeignet dafür ist sollte Geschlecht keine Rolle spielen!

    Ich sehe schon die nächste Quote: Mindestens 50% der VWL-Studenten muss weiblich sein weil sonst der Studiengang nicht zu Stande kommt!

    Oder es fällt sonst eine absurde Idee ein, die grundgesetzeswidrig etabliert werden soll damit die armen, benachteiligten Frauen auch einmal nicht benachteiligt werden sollen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • DDave
    • 23. November 2012 12:10 Uhr

    Also bei den VWL-Studenten eine Quote von 50% Frauen wird man eher erreichen als bei Physik oder den ingenieurwissentschaftlichen Fächern.
    (In Elektrotechnik waren im einem Kurs nach 2 Semester sage und schreibe 100% Männer.)

    • TDU
    • 23. November 2012 10:56 Uhr

    "Ja, ich muss leider bekennen, ich bin keine Frau"

    Damit ist alles gesagt zum Mann/Weib Anteil der Entscheidung, und man kann sich auf die Folgen dieser Komponente konzentrieren:

    "Denn so wie die Deutschen plädiert auch Mersch für eine strenge Geldpolitik und sieht die oberste Aufgabe eines Notenbankers im Kampf gegen Inflation."

  3. "... und die Machtzentrale der Europäischen Zentralbank bleibt eine Domäne von Männern"

    Na und? An der Spitze des IWF steht eine Frau. Ich kann nicht erkennen, dass ihr Geschlecht ihre Handlungsweise beeinflusst, weder positiv noch negativ.

  4. Es ist doch völlig egal, ob die EZB in Männer- und Frauenhand ist. Viel wichtiger ist doch die Erkenntnis, dass europäische Männer und Frauen mittefristig gleichermaßen in den Händen der EZB sein werden. Und was tun wir? Streiten uns darüber, ob unsere EU-Kontrollapparatur von Penissen oder Vaginas repräsentiert wird. Ich freu mich schon auf die Lektüre zukünftiger Geschichtsbücher.

    • DDave
    • 23. November 2012 12:10 Uhr

    Also bei den VWL-Studenten eine Quote von 50% Frauen wird man eher erreichen als bei Physik oder den ingenieurwissentschaftlichen Fächern.
    (In Elektrotechnik waren im einem Kurs nach 2 Semester sage und schreibe 100% Männer.)

    Antwort auf "Umgekehrter Schuh"
    • siar
    • 23. November 2012 12:13 Uhr

    Doch wie das zustande gekommen ist, ist undemokratisch hoch 10.

    Das Europaparlament wird übergangen und einfach jemand installiert.

    Macht es hier niemanden Angst, wenn ein paar Hanseln allmächtig, über das Parlament hinweg, Entscheidungen treffen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP, kg
  • Schlagworte Bundesregierung | Euro-Zone | Europaparlament | Geldpolitik | Jörg Asmussen | Martin Schulz
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