Bankenregulierung : Deutsche-Bank-Chef Fitschen beklagt Exzesse im Finanzsektor

Der neue Chef von Deutschlands größter Bank hat sich gegen kurzfristiges Profitdenken ausgesprochen. Das sei "ökonomisch unsinnig" und dürfe keinen Platz mehr haben.

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen hat sich gegen exzessive Boni und kurzfristiges Gewinnstreben in der Bankenbranche ausgesprochen. Zwar müsse es den Banken, wie jedem anderen Unternehmen auch, gestattet sein, nach Gewinn zu streben, sagte er in Hamburg auf einer Konferenz der ZEIT. Aber das reine kurzfristige Gewinnmaximieren sei "ökonomisch unsinnig" und dürfe keinen Platz haben. "Langfristig würden wir uns damit Schaden zufügen." Umgekehrt verzichte das Unternehmen auf nichts, "wenn wir kurzfristige Möglichkeiten auslassen, um langfristig besser dazustehen".

Die Geldhäuser müssten verlorenes Vertrauen wieder zurückgewinnen, sagte Fitschen. "Die Banken haben erhebliche Schuld auf sich geladen." Aber es sei auch "nicht zielführend", ihnen die alleinige Schuld an der Krise zu geben. Jetzt gehe es darum, eine Brücke zu schlagen zwischen dem unternehmerischen Gewinnstreben der Banken und ihrem Auftrag, "Partner" der Gesellschaft und der Realwirtschaft zu sein.

In der Vergangenheit hätten die Anreizsysteme "nicht nachhaltig geholfen", so Fitschen. Die Deutsche Bank werde künftig gerade von ihren Führungskräften erwarten, "dass sie fünf Jahre auf die Auszahlung bestimmter Bonifikationsbestandteile warten – keine andere Bank, kein anderes Industrieunternehmen ist so weit gegangen", sagte der Bankchef. Er glaube, dass die Manager dazu bereit seien. Auch sie wollten "stolz sein auf das, was sie tun, und Anerkennung finden."

Mit Bezug auf die Euro-Krise sprach sich Fitschen für eine Bankenunion aus. Richtig ausgestaltet könne sie ermöglichen, dass einzelne Institute pleitegehen, ohne das gesamte System zu gefährden. Die Vorschläge zu einem Trennbankensystem hingegen kritisierte er. Es stimme nicht, dass eine Trennung der unterschiedlichen Geschäftsbereiche die Krise hätte verhindern können. "Wenn man ehrlich ist, sieht man, das ausgerechnet die spezialisierten Banken zum Opfer der Krise geworden sind. Solche, die sich auf Investmentbanking spezialisiert haben, oder auf Konsumentenkredite, oder auf Mittelstandsfinanzierung."

Die Deutsche Bank werde auch künftig danach streben, eine große, global relevante Bank zu sein. "Zu glauben, dass eine kleine deutsche Bank die deutschen Unternehmen global begleiten kann, ist ein Irrtum. Um das erfolgreich zu tun, braucht es eine gewisse Größe", sagte er. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft sei eine global orientierte, große Bank wichtig. "Deutschland braucht eine globale Bank, denn es lebt mehr als alle anderen davon, dass seine Unternehmen global aktiv sind."

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Frommer Wunsch

"Aber das reine kurzfristige Gewinnmaximieren sei "ökonomisch unsinnig" und dürfe keinen Platz haben." Ist das nicht ein frommer Wunsch?.

Nachdem die Strukturen einschliesslich der Bilanzierungsregelungen auf den schnellen Profit ausgerichtet wurden und Beteiligungen und Abteilungen auf und abgebaut werden können wie Zelte?

Ich glaube ja, und was haben die Boni damit zu tun?. Nur ein bisschen. Einer allein gegen den Strom geht auch nicht. Und solange Geld wichtiger ist als das nachhaltige operative Geschäft wird sich nicht viel ändern.

Längst erbrachtes Orientierungswissen

Das, was ungerechtfertigte von stets zulässiger Bereicherung privatwirtschaftlich tätiger Unternehmen scheidet, findet sich vor allem in den einschlägig nicht mehr widerlegbaren Erkenntnisbeständen politischer Ökonomie. Es stünde daher nicht allein der Deutschen Bank gut zu Gesicht, nicht mehr so zu tun, als ob in dieser Frage zurückliegend keinerlei Forschung betrieben worden wäre.