WirtschaftsreformenFrankreich will kein Hartz IV
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Hollande hat mehr soziale Gerechtigkeit versprochen – das schränkt ihn nun ein

In Paris reagiert man auf solche Aussagen gereizt. Der Mann habe wohl noch nichts von dem  Wettbewerbspakt gehört, der in dieser Woche auf den Weg gebracht wurde, heißt es in der Regierung. Die Unternehmen sollen durch Steuererleichterungen um 20 Milliarden Euro entlastet werden. Im Gegenzug soll es weitere Einsparungen im Haushalt geben, auch soll die Mehrwertsteuer ab dem Jahr 2014 von 19,6 auf 20 Prozent steigen.

Die Reduzierung der Lohnnebenkosten ist dringend nötig: Mit 34,20 Euro war eine französische Arbeitsstunde 2011 um 4,10 Euro teurer als in Deutschland. Dennoch werde auch dieser Schritt die Wettbewerbsfähigkeit nicht nachhaltig verbessern, fürchten Experten. "Die  Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze werden in Frankreich erst dann wieder geschaffen, wenn in Innovation, in Produkte und in die Industriebetriebe investiert wird", sagt Max Blanchet, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants.

Genau das aber könnten die Regierungspläne sogar verhindern, sagt Blanchet. Viele Firmen könnten die Einsparungen unter dem Druck der derzeitigen Absatzschwäche dazu  nutzen, die Preise zu senken. Oder um Aktionäre zu befriedigen. Weil die Produktivität  französischer Industrieunternehmen hinter derjenigen der deutschen Konkurrenz herhinkt – der geschaffene Mehrwert pro Mitarbeiter liegt um zehn Prozent niedriger – müsste eigentlich der Automatisierungsgrad erhöht werden.

Doch da die Steuerentlastung der Unternehmen anhand der Zahl ihrer Mitarbeiter gemessen wird, wäre dies kontraproduktiv. Blanchet geht sogar davon aus, dass Großunternehmen aus diesem Grund an Zulieferfirmen abgegebene Aufgaben zurückholen werden. Dann müssten kleine und mittelständische Unternehmen die Zeche bezahlen.

Auch André Grjebine, Forschungsdirektor an der Eliteuniversität Sciences Po, ist skeptisch. Die Senkung der Lohnnebenkosten im Zuge der Agenda 2010 habe in Deutschland vor allem deshalb zu mehr Exporten geführt, weil damals die europäischen Abnehmerländer boomten, sagt er. Heute  sei das Gegenteil der Fall. Den französischen Unternehmen fehlten die Abnehmer. Das spüren nicht nur die Autobauer PSA und Renault, die auf ihren Kleinwagen sitzen bleiben.

Premierminister Ayrault muss also eine Menge erklären in Berlin. Die Ängste wird er wohl nicht ganz ausräumen kann. Frankreichs Regierung steckt ohnehin in einem Dilemma. Der Staatspräsident und Sozialist François Hollande hatte im Wahlkampf vor allem mit dem Thema soziale Gerechtigkeit um Stimmen geworben. Dass er nun zum harten Sanierer wird, ist schwer denkbar. Schon jetzt, sechs Monate nach der Wahl, sind die Umfragewerte der Sozialisten auf dem Tiefpunkt. Eine Großreform im Stile der deutschen Agendareformen erscheint für sie wahrlich nicht verlockend.

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Leserkommentare
  1. Land der Revolution ein politisches Erdbeben auslösen. Schon in der BRD, und dem Michel kann man ja bekanntlich einiges zumuten, gab es Massenaktionen die zu einer Abspaltung von der refomistischen SPD führte.....

    • etiam
    • 15. November 2012 12:06 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen und verfassen sie differenziert argumentierte Beiträge. Danke, die Redaktion/jp

  2. wollte auch kein Hartz IV, deswegen hat man auf das Zugpferd Schröder (Gerhard, nicht Doris) und seine SPD gesetzt. Dumm gelaufen - war leider das falsche Pferd.

    Ist also nur eine Frage der Zeit und der Formulierung, wie und wann die Sozialisten in Frankreich den kram einführen. ALG II ist schließlich ein Exportschlager aus einer Zusammenarbeit von Deutschland (SPD) und Großbritannien (Labour).

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    der auf Pump finanziert ist. Lohnsenkungsmaßnahmen ala Hartz IV würde viel größere Auswirkungen auf die franz. Wirtschaft haben als damals in der BRD.....

  3. schon für Deutschland nichts Gutes verheißt,
    was glaubt man denn, wird Franreich blühen?

  4. der auf Pump finanziert ist. Lohnsenkungsmaßnahmen ala Hartz IV würde viel größere Auswirkungen auf die franz. Wirtschaft haben als damals in der BRD.....

    Antwort auf "Deutschland"
  5. noch eine Lohndrückerei auf französisch ist die Rettung.
    Der Euro ist auch mit einer auf Hochtouren laufenden französischen Wirtschaft am Ende.
    Auch wenn die Staatsratsvorsitzende und das Politbüro in Berlin dies bestreitet.

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    haben wir bald den "Crash". Die Staatsschulden werden nicht mehr weniger. Auch Deutschland wird bald pleite sein. Je länger das Gezeter um das unabwendbare dauert, desto größer der Abbau des Sozialstaats desto länger brauchen wir um das Vorkrisenzeitalter wieder zu erreichen.

  6. Die Definition von Wahnsinn besteht darin, dass man immer das Gleiche tut und dabei ein anderes Ergebnis erwartet...

    Wir haben in Deutschland mit H4 ein Heer von Niedriglöhnern geschaffen, die, damit sie überleben können, von Steuerzahlern bezuschusst werden müssen.

    Wir haben auch die Basis für massenhafte Altersarmut gelegt und ziehen den Schwachen mittels Riester-Rente auch noch den letzte Penni aus der Tasche.

    Ergebnis: 99% zahlen dafür, dass 1% immer reicher wird.

    Dieses neoliberale Modell wollen Schäuble und Merkel auch in Frankreich durchdrücken.

    Das ganze wir auch noch maximal ungelenk herausposaunt.

    Wer es noch nicht bemerkt hat: Wir haben eine Guthabenkrise!

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    Vermögensverteilungskrise.

  7. Zitat
    "Die Reduzierung der Lohnnebenkosten ist dringend nötig"
    Zitat Ende

    Es gibt keine "Lohnnebenkosten", das was an "Kosten" an Sozialversicherungsträger vom Arbeitgeber abgeführt wird, sind Lohnbestandteile, die für Sachleistungen in Form von Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung verwendet werden!

    Jegliche Senkung von "Lohnnebenkosten" bedeutet eine Lohnkürzung und keine Entlastung von Arbeitnehmern, da die Leistungen dieser Versicherung eingeschränkt oder gekürzt werden.

    In diesem Zusammenhang frage ich mich, warum eigentlich die Kosten eines Dienstwagens, nicht als "Lohnnebenkosten" bezeichnet werden.

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    • ffes
    • 15. November 2012 12:46 Uhr

    erhöht ggf die die Beiträge zu den Sozialversicherungen, sicher aber das zu versteuernde Einkommen.

    Natürlich sollen auch die Unternehmen ihren Beitrag zu Rente, Arbeitslosen- und Krankenversicherung leisten. Diesen Beitrag aber ausgerechnet nur bei den Unternehmern einzusammeln, die Menschen statt Maschinen beschäftigen, das ist nicht mal asozial sondern einfach nur dumm. Die Lohnnebenkosten sind eine Steuer auf Arbeitsplätze und dagegen muß man ankämpfen. Wer das für rechte Politik hält, hat nicht recht nachgedacht.

    • nyobion
    • 15. November 2012 15:28 Uhr

    warum wird die arbeit von menschen besteuert, die arbeit von maschinen nicht?

    die arbeit ist die gleiche, sie wird von maschinen schneller und oft ohne zeitunterbrechung (außer wartung usw) durchgeführt. der eine zahlt steuern, der andere nicht (obwohl die arbeitsleistung höher ist und mehr geld dadurch erwirtschaftet wird - gleichzeitg werden leute entlassen die dem staat zusätzlich geld kosten)

    ein doppelter schaden keine steuern und noch arbeitslosengeld.
    wer profitiert davon?

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