Rating-AgenturMoody's entzieht Frankreich Bestnote

Frankreich rutscht in seiner Bonität auch bei Moody's um eine Stufe herab. Die Rating-Agentur begründet das mit der Haushaltslage und schlechten Konjunkturaussichten. von afp, dpa, reuters und dapd

Das Logo der Rating-Agentur Moody's an der Hauptgeschäftsstelle in New York

Das Logo der Rating-Agentur Moody's an der Hauptgeschäftsstelle in New York  |  © Emmanuel Dunand /AFP/Getty Images

Frankreich verliert auch bei der US-Rating-Agentur Moody's die Bestnote bei der Kreditwürdigkeit. Nach Standard & Poor's senkte Moody's die Bonität des Landes um eine Stufe von AAA auf AA1 ab.

Als Grund nannte die Rating-Agentur Frankreichs ungewisse Haushaltslage und die langfristig schlechteren Wachstumsaussichten. Das Land habe an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, außerdem sei der Arbeits-, Waren- und Dienstleistungsmarkt zu unbeweglich, begründete die Rating-Agentur ihren Schritt weiter. Es sei auch immer weniger berechenbar, wie Frankreich künftige Schocks in der Euro-Zone verkrafte.

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Der Ausblick bleibt negativ, damit droht eine weitere Herabstufung. Frankreichs Rating bleibt der Agentur zufolge aber dennoch auf einem recht hohen Niveau, weil das Land andere Stärken habe, die seine Kreditwürdigkeit absicherten. Moody's nannte die breit gefächerte Wirtschaft, ein starkes Bekenntnis zu Strukturreformen und die Sparanstrengungen der Regierung. Gleichzeitig bezeichnete die Rating-Agentur die angekündigten Reformen als nicht ausreichend, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.

Die Finanzmärkte reagierten prompt: Nach Bekanntwerden der Entscheidung fiel der Euro unter 1,28 Dollar.

Frankreichs Reformen seien nicht ausreichend

Finanzminister Pierre Moscovici kommentierte, die Bewertung von Moody's beziehe sich auf die Vergangenheit. Gleichzeitig machte er die konservativen Vorgängerregierungen für die Herabstufung der Kreditwürdigkeit verantwortlich. Moody's Entscheidung reflektiere, dass sie zu wenig für die Haushaltssanierung und die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft getan hätten. Die seit Mai amtierende sozialistische Regierung unter François Hollande habe hingegen entschlossen Reformen eingeleitet und werde dies auch weiter tun.

Standard & Poor's hatte Frankreich Anfang des Jahres die Bestnote aberkannt und von AAA auf AA+ abgestuft. Damit hält lediglich die Agentur Fitch noch ein sogenanntes Triple-A aufrecht, wenngleich auch hier mit negativem Ausblick. Ein schlechteres Rating kann die Geldbeschaffung am Kapitalmarkt erschweren und verteuern. Die Abwertung ist auch deswegen schwerwiegend, weil Frankreich zu den größten Volkswirtschaften der Euro-Zone gehört.

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Leserkommentare
  1. Moodys und Co. endlich die Lizenz zum Diskreditieren entziehen, und die Andager unter Hartz IV veranlagen. Die Werthaltigkeit deren Aussagen entspricht der Kaffeesatzleserei von Esoterikberatern (vgl. Topratings der amerikanischen Brandpapiere 2008) . Auch die finden leider genug Dumme, die dran glauben.

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    = Ansager

    sollte die in der einen wie der anderen Richtung fragwürdigen Bewertungen der Ratingagenturen ignorieren und sich bedeutsameren Entwicklungen zuwenden, z. B. -> http://www.reuters.com/ar...

  2. = Ansager

    Antwort auf "Man sollte"
  3. Das ist doch so Offensichtlich dass das GrossKapitals versucht der sozialen Erneuerung Europas unter die Guertllinie zu schlagen. Wie lange sollen wir uns das noch gefallen lassen!

    Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

  4. Die Ratingagenturen machen ja im Prinzip nichts anderes, als zu sagen:,,Dem würde ich aber kein Geld leihen, weil...".

    Soweit ist das deren gutes Recht, ich finde es nachvollziehbar, wenn jemand sein Geld nur jemand anderem leihen möchte, von dem er es wahrscheinlich auch zurück erhalten möchte.

    Das Problem ist die gewaltige Macht, welche die Ratingagenturen so zentralisiert besitzen - eine Einstufung hat weltweite Konsequenzen.

    Diese Unternehmen (ja, Unternehmen, es sind keine gemeinnützigen Gesellschaften) haben gigantischen Einfluss, zu viel Einfluss vielleicht.

    Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen:
    Das Problem an sich sind nicht die Ratingagenturen, diese ,,machen" keine Schulden- und Finanzkrisen.

    Sie haben eher die Rolle des Spielverderbers, sie decken das politische und wirtschaftliche Missmanagement auf, sie decken Schuldenberge auf, die eigentlich nicht mehr abzuarbeiten sind. Diese Schuldenberge sind durch Blindheit, Profitgier und Wachstum um buchstäblich jeden Preis entstanden.

    Die Ratingagenturen sorgen mit ihrer Einschätzung, dass die ,,Maschine" Wirtschaft, weltweit und in einzelnen Staaten, eben nicht mehr einfach nur weiterläuft, bis sie irgendwann umkippt - sondern die Menschen, besonders in Politik und Wirtschaft, GEZWUNGEN sind, sich endlich mal als Mechaniker und Reparateur zu betätigen.

    Nicht die Ratingagenturen sind das Problem, sondern blinde Profitgier, fast krankhafte Hatz auf Wirtschaftswachstum und fehlende Weitsicht.

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    Denn eigentlich müssten sie schon längst alle pleite sein !!

    Die haben damals doch die Schrottpapiere mit AAA gewertet.
    Ergo hätte man sie eigentlich so mit Schadensersatzklagen überziehen müssen, die deren Finanzkraft weit übersteigen, dass nur die Insolvenz bleibt !!!

    Wenn die Medien sie nun wenigstens ignorieren würden.
    Hiermit entziehe ich der "Zeit" die Bestnote >:-/

    • Trypsin
    • 20. November 2012 14:24 Uhr

    'Sie haben eher die Rolle des Spielverderbers, sie decken das politische und wirtschaftliche Missmanagement auf, sie decken Schuldenberge auf, die eigentlich nicht mehr abzuarbeiten sind. Diese Schuldenberge sind durch Blindheit, Profitgier und Wachstum um buchstäblich jeden Preis entstanden.'

    ABER dann hätten die Ratingagenturen den USA schon längst das Triple-A und die Kreditwürdigkeit abnehmen müssen. Die USA ist extrem hoch verschuldet. -Sich selbst würden sie nie von ihrem A3 Level herabstufen, obwohl sie schon lang nicht mehr die Anforderungen erfüllen, die sie von anderen Ländern verlangen. Diese Herabstufung der Franzosen ist politisch gewollt. Das wird sowohl für Frankreich als auch für uns (Dtl. und EU) Folgen haben.

  5. Das war längst überfällig. Wahrscheinlich hat Moodys dem Hollande eine kleine Schonzeit zugestanden, die der aber hat verstreichen lassen, ohne irgendetwas positives in Gang gebracht zu haben. Da werden wir wahrscheinlich auch bald drankommen, weil bei uns passiert auch nahezu nichts. Der fürs nächste Jahr geplante Haushalt ist jedenfalls ein Witz.

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    "Wahrscheinlich hat Moodys dem Hollande eine kleine Schonzeit zugestanden, die der aber hat verstreichen lassen, ohne irgendetwas positives in Gang gebracht zu haben."

    Sind Ratingagenturen nun schon die neuen Schattenregierungen, die souveränen Staatsregierungen nach Gutdünken großmütig etwas zugestehen und - falls man nicht pariert - auch wieder entziehen können? Ein interessanter Standpunkt, den Sie da implizit kundtun. Wie war das noch mal mit der Demokratie?!

    • sioux
    • 20. November 2012 7:38 Uhr
    6. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

  6. "Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt... Arbeits-, Waren- und Dienstleistungsmarkt zu unbeweglich... Die Finanzmärkte regieren prompt. ...Reformen nicht ausreichend..."

    Langsam werden die Schulnoten dieser Wall Street-Agenten lächerlich. Frankreich wird seinen eigenen Reformweg gehen und sich nicht weismachen lassen, dass es dem Land besser gehe, wenn es seine Gesellschaft zerstöre. Bleib' standhaft, gallischer Hahn, und lass dich nicht zu einem Chickenburger verarbeiten.

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    Ich finde Ihre Polemik unangebracht. Man muss beileibe nicht alle Auswüchse des Finanzkapitalismus gutheißen, die Tatsache aber, dass Frankreich ein großes Struktur- und Finanzproblem hat, ist wohl kaum zu leugnen. Das eigentlich Ärgerliche ist aber, dass in Frankreich seit Jahren die Defizite verleugnet werden. Man sieht sich weiterhin als "Grande Nation", ist natürlich Weltmacht, alles was aus dem angelsächsischen Raum oder aus Deutschland kommt, kann es sowieso nicht mit der überlegenen französischen Kultur aufnehmen, etc. etc. Diese bräsige Selbstgefälligkeit fällt den Franzosen jetzt auf die Füße.

    • Moika
    • 20. November 2012 10:36 Uhr

    Daß die Ratingagenturen nicht uneigennützig handeln, wissen wir ja nun schon lange. Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung - das Treffen der Finanzminister heute - ist deshalb nicht verwunderlich.

    Frankreich kann noch froh sein, daß Moody's nicht härter rangegeangen ist. Frankreichs mit größtes Problem ist der überbordende Staatsapparat: auf 1.000 Einwohner kommen 55 Beamte oder öffentlich Angestellte. Die Bezahlung dieses Staatsmolochs wird schon seit vielen Jahren - ebenso wie große Teile der Sozialsysteme - nur noch über Kreditaufnahmen finanziert.

    An dieser Großbaustelle hat Hollande noch nicht einmal begonnen, weil er zu sehr den Zorn der Wähler fürchtet. Und die anderen bisher in Angriff genommenen "sogenannten Reformen" werden der finanziellen Situation des Staates nicht wirklich weiter helfen - der Wirtschaft schon gar nicht. In der letzten Woche haben die französischen Ökonomen in einer Umfrage klipp und klar gesagt was sie von den Reformbemühungen der Regierung halten: Sie sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind, zumal einige dieser "Reformen" die angestrebten Ergebnisse vollkommen konterkarieren....

    Als Hollande ein "Reförmchen" Sarkozys, die Anhebung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre, wieder kippte, setzte er damit zudem ein fatales Signal über die Reformfähigkeit dieser Regierung an die Märkte.

    Aber Hollande wird's nicht wundern, der Gute hat schließlich das Diplom in Ökonomie einer Eliteuni in der Tasche...

    • Repec
    • 20. November 2012 8:20 Uhr

    Frankreich Bonität ist weiterhin überbewertet. Selbst ein AA+ Rating scheint mir angesichts Hollands offenbarter Hilflosigkeit und den eingegangenen Verpflichtungen des französischen Staates für Südeuropa als völlig überzogen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, dapd, Reuters, nf
  • Schlagworte Frankreich | Agentur | Euro-Zone | Finanzmarkt | Finanzminister | Kapitalmarkt
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