Treffen in Mexiko : G20-Finanzminister schießen sich auf die USA ein

Europas Finanzkrise, Marktregulierung: Die Finanzminister der G20-Staaten widmen sich den Dauerthemen. Hinzu kommt die Sorge über einen Konjunktureinbruch in den USA.
Der mexikanische Finanzminister José Antonio Meade beim Treffen der G20-Finanminister in Mexiko-Stadt © Edgard Garrido/Reuters

In Mexiko-Stadt sind am Sonntagabend (Ortszeit) die Finanzminister der G20-Staaten zusammengekommen, um über weitere Schritte zur Bewältigung der Finanzkrise zu beraten. Im Zentrum des zweitägigen Treffens der führenden Industrie- und Schwellenländer dürfte neben der Schuldenproblematik in Europa erneut auch die Regulierung der Finanzmärkte stehen.

Der mexikanische Finanzminister José Antonio Meade sagte vor dem Treffen, ein wichtiges Thema sei die Lage in den USA . "Es herrscht Besorgnis über die Frage, wie die sogenannte Fiskalklippe gelöst werden kann", sagte er. Dabei geht es um die möglichen Folgen der in den USA zum Jahreswechsel drohenden Steuererhöhungen, die eine Schwächung der Kaufkraft zur Folge haben werden, bei gleichzeitigen Budgetkürzungen im Umfang von 600 Milliarden Dollar.

Der australische Finanzminister Wayne Swan rief die Vereinigten Staaten auf, das Problem der Fiskalklippe entschlossen anzugehen. Auch der Internationale Währungsfonds ( IWF ) hatte deshalb vor einem Rückfall der US-Wirtschaft in eine Rezession gewarnt. Die Regierung in Washington müsse eine glaubwürdige Mittelfriststrategie entwickeln, wie sie ihre Schuldenprobleme in den Griff bekommen will.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte, nicht nur die Schuldenkrise im Euro-Raum dämpfe das weltweite Wachstum, auch die US-Haushaltsprobleme und die hohe japanische Verschuldung stellten große Risiken dar. "Die fiskalische Klippe zeigt bereits jetzt Auswirkungen auf die US-Konjunktur", mahnte er. Sie erschwere bereits Investitionsentscheidungen. Es gebe aber keinen Grund für Schwarzmalerei.

Bundesregierung fordert langfristige Ziele zum Schuldenabbau

Die Bundesregierung will in Mexiko vor allem auf weitergehende Vorgaben zur Sanierung der Staatsfinanzen dringen und langfristige Ziele zum Schuldenabbau anregen. Die bisherigen Vereinbarungen, wonach die G20-Länder ihre Haushaltsdefizite bis 2013 halbieren und ihren Schuldenstand bis 2016 stabilisieren sollen, reichten nicht aus, hieß es im Finanzministerium .

Es ist das letzte Treffen der Gruppe in Mexiko, das in diesem Jahr die G20-Präsidentschaft innehatte. Aus Deutschland ist neben Weidman Finanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) in die mexikanische Hauptstadt gereist. US-Finanzminister Timothy Geithner und der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi , hatten ihre Teilnahme dagegen abgesagt.

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Irgendwann werden wir der Wahrheit ins Auge blicken....

... und eingestehen müssen das all das herrliche Kapital für das wir täglich zig Stunden schuften eigentlich nur den Gegenwert von Altpapier hat da es durch keinerlei Sachgegenwerte mehr besichert ist.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen entwerten die Staaten durch weiteren Gelddruck nun noch die Altersvorsorge ihrer Bürger.

Manchmal frage ich mich ob Politiker wirklich so kurzsichtig sind oder ob es heutzutage einfach System hat nurnoch auf höchstens vier Jahre zu planen und vorauszudenken.

Es gibt Grund zur Sorge...

Weiter so?

Das Problem ist, dass Alternativen zum gegenwertigen Wirtschafts-System, das mitterfristig zum Scheitern verurteilt ist (der Planet hat keine endlosen Resourcen, weder an Oel, noch an Rohstoffen fuer Windturbinen oder Solaranlagen) nicht ernsthaft diskutiert werden. Umverteilung des Reichtums, Reduzierung der Weltbevoelkerung, nachhaltige Energie und Resourcenverteilung muessen diskutiert, optimiert und auch umgesetzt werden.

Obama kann den amerikanischen Traum wieder flott machen!!

Er braucht aber etwas Zeit. Jahrzehntelanges Ausplündern, durch so genannte Investoren die amerikanische Arbeitsplätze nach China transferiert haben und ihr Geld auf Auslandskonten außerhalb der USA lagern, kann nicht von jetzt auf gleich wieder von Obama geheilt werden.
Daher finde ich eine Kritik an Obama bezüglich der amerikanischen Wirtschaftspolitik etwas übereilt und entstammt nicht einem Thinktank sondern nach meiner Meinung unterhalb der Gürtellinie.

Die Zeiten der Nachfrage aus den USA sind vorbei

Die USA wird auf absehbare Zeit keine große Nachfrage mehr generieren können als Importmarkt. Und das ist politisch auch so gewollt. Die Nachfrage auf dem US-Binnenmarkt der letzten Jahre (vor der Krise) waren schon nicht wirklich echt. Sie wurden finanziert auf Pump, mittels viel zu lasch vergebener Kredite.

In der Krise aber sind die Löhne weiter gefallen. Die Fake-Nachfrage per Kredit gibt es auch nicht mehr so einfach. Die Lohnstückkosten der USA sind (ähnlich wie in Deutschland) gesunken, dank Löhnen die nicht mit der Produktivität mithalten können.

Die USA versuchen wieder mehr zu exportieren, was ihnen nur durch die hohe Arbeitslosigkeit und damit verbundene niedrige Arbeitskosten gelingt.

Nein, die USA fahren genau die gleiche sinnlose Austeritätspolitik wie sie in Europa derzeit stattfindet.

Nur eins haben die Neocons nicht bedacht, die derzeit die Weltpolitik dominieren: Wer kauft den billig produzierten Plunder noch, wenn die Arbeiter mit ihrem Lohn gerade noch die Lebenserhaltungskosten beschreiten können?