Euro-Krise: Bundestag stimmt neuem Griechenland-Hilfspaket zu
Der Bundestag hat für neue Hilfen für Griechenland votiert. Die schwarz-gelbe Koalition erreichte dabei zwar eine eigene Mehrheit, die Kanzlermehrheit aber verfehlte sie.
© Michael Gottschalk/dapd

Kanzlerin Angela Merkel während der Abstimmung im Bundestag
Der Bundestag hat den neuen Milliardenhilfen für Griechenland mit breiter Mehrheit zugestimmt. 473 Abgeordnete votierten am Freitag dafür, 100 stimmten dagegen, 11 enthielten sich. Neben Union und FDP stimmten auch SPD und Grüne mehrheitlich für die Hilfen. Nur die Linke lehnt den Antrag ab.
Aus Reihen der Regierungsparteien stimmten 297 Parlamentarier für das Hilfspaket. Das hätte zu einer eigenen Mehrheit gereicht, da nur 584 der 620 Abgeordneten an der Abstimmung teilnahmen. Die Kanzlermehrheit aber von 311 Stimmen verfehlte die Koalition deutlich. Für die Abstimmung hatte die Kanzlermehrheit keine Bedeutung. Sie gilt aber als ein Indiz für die Machtbasis von Regierungschefin Angela Merkel.
Vor der Abstimmung rechtfertigte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im Bundestag die Griechenlandhilfen. Er rechne aber trotz Fortschritten nicht mit einer raschen Lösung der Euro-Krise. "Es stellen sich erste Erfolge ein, aber der Weg ist noch lang." Jahrzehntelange Versäumnisse könnten nicht in zwei Jahren aufgeholt werden. Aber erste Erfolge seien sichtbar: "Griechenland gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit", sagte der CDU-Politiker und verwies auf sinkende Lohnstückkosten.
"Wir dürfen weiterhin keine falschen Anreize für ein Nachlassen der griechischen Reformbemühungen setzen", sagte Schäuble. Deswegen dürfe es auch keine Spekulationen über einen Schuldenschnitt geben.
Steinmeier rechnet mit Schuldenschnitt
In der Debatte kritisierte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier die zögerliche Haltung der Bundesregierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die Diskussion über einen Rausschmiss Griechenlands aus der Euro-Zone in ihrer Koalition zuletzt einfach laufen gelassen. Er zeigte sich aber anders als Schäuble überzeugt, dass es früher oder später zu einem Schuldenschnitt mit Griechenland kommen werde. Die Bundesregierung scheue diese Wahrheit jedoch.
Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin griff trotz Zustimmung zum Hilfspaket die Regierung an. Die Finanzhilfen seien das Ergebnis einer falschen Politik, zu lange habe Schwarz-Gelb auf reines Sparen und Kürzungen gesetzt. "Mit einer reinen Austeritätspolitik ist der Euro nicht zu retten." Er forderte ein Konjunkturprogramm für Griechenland.
FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle dagegen verteidigte die strengen Auflagen: "Was Griechenland durchmacht, ist eine bittere Therapie. Aber die Reformnotwendigkeiten dort sind auch riesig."
Linkspartei wollte Abstimmung verzögern
Die Linkspartei hatte zu Beginn der Debatte versucht, die Abstimmung zu verzögern. Die Beratungszeit seit der Entscheidung der EU-Finanzminister sei viel zu kurz, kritisierte Parlamentsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann. "Sie wollen mit einem Blankoscheck beraten." Die Fraktion scheiterte aber mit ihrem Antrag, den Tagesordnungspunkt abzusetzen und die Abstimmung zu verschieben.
Anfang der Woche hatte sich die Euro-Gruppe auf das Hilfspaket für Griechenland verständigt. Es soll knapp 44 Milliarden Euro an aufgelaufenen Notkrediten freigeben. Die Finanzierungslücke von 14 Milliarden Euro bis 2014 wird mit Zinssenkungen, mit Kreditstundungen und mit Gewinnen aus dem Anleihenkaufprogramm der EZB gefüllt. Zudem soll Athen für zehn Milliarden Euro unter Wert gehandelte Papiere von Privatinvestoren aufkaufen – und so seine Schulden deutlich verringern.







Das, was die „Opposition“ in der Griechenlandfrage geboten hat, war lächerlich. Besonders der Auftritt von F.W.“Ich sage“ Steinmeier:
Steinmeier hatte zunächst „ohne Wenn und Aber“ ja zum Griechenlandpaket gesagt. Dann brauchte er mehr Zeit für die Griechenlandberatung. Währenddessen sah Herr Oppermann die Sache in der SPD „kritisch“. Auch der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wollte sich nicht unter Druck setzen lassen. Er halte es für „absolut unzumutbar“, über die Presse mitgeteilt zu bekommen, wann im Bundestag entschieden werden solle. Der Bundestag sei kein „Abnickparlament“, kommentierte auch Joachim Poß. Und soeben haben sie genau das getan, sie haben abgenickt.
Jürgen „auf Augenhöhe“ Trittin war konsequenter. Er „freute sich über deutsche Verluste“ und war deshalb sofort bereit zuzustimmen. Eine wirkliche Opposition wurde nur von der Linken geboten.
Soviel zu der „Opposition“ im Deutschen Bundestag.
Die Diskussion um die Abnickung des nächsten 44 Mrd. Jahren schweren Hilfspaketes war in den Ohren des aufmerksamen Zuhörers - neben peinlicher Beschönigung der gescheiterten Rettungspolitik - vor allem eine Ankündigungsrede. Einer Ûbernahme von ursprünglich privaten Schulden durch den deutschen Steuerzahler, kurz auch "Schuldenerlass" bzw. "Schuldenschnitt" genannt.
Rainer Brüderle (FDP), welcher Griechenland plötzlich eine vorbildliche Erfûllung der Troika-Auflagen attestierte, redete bereits vom "Pariser Club", alle anderen Politiker der Zustimmungskoalition aus CDU, FDP, SPD & Grünen - incl. Schäuble - stellen ihre im Parlament geäußerten Abweisung eines Schuldenschnittes mit den Worten "derzeit" unter Vorbehalt. Ein Schuldenschnitt zulasten der Steuerzahler, so Brüderle weiter, sei "derzeit" in Deutschland und einigen anderen europ. Staaten aus rechtlichen nicht möglich und würde sofort zu einem Stopp der Auszahlungen der anderen - vornehmlich durch Deutschland finanzierten - Rettungsfonds zur Folge haben.
Die unerwünschte Diskussion über den unvermeidlichen, bereits durchklinkenden Schuldenschnitt, so warnt CDU-Abgeordnete Gerda Hasselfeldt, werde augenblicklich auch die anderen Krisenländer auf den Plan rufen und Reformbemühungen erschlaffen lassen. Mit der Beurteilung über die Aussichten und aufgrund der Vorsaussagbarkeit der Merkelschen Rettungspolitik könnte die Dame durchaus recht behalten.
Am Dienstag kommt die Meldung, dass der Bundestag über 43,7 Milliarden Euro abstimmen soll. Am Mittwoch kommt dann die Info mit 153 Seiten hochkomplexen Detailinfos. Nur auf Druck der SPD konnte der Termin zur Abstimmung auf den heutigen Freitag verschoben werden.
Die Parlamentarier entscheiden hier über eine Summe, die höher ist als das Jahresbudget für Verkehr/Bau (25,9 Milliarden Euro) und Gesundheit (14,5 Milliarden Euro) zusammen.
Und sie haben keine Chance sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen.
Das ist eine Verhöhnung des Parlaments udn keine Ausnahme. Und es ist eine Schande, dass das nur den Linken auffällt!
http://www.freitag.de/aut...
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