Die Euro-Finanzminister stehen erneut vor langwierigen Verhandlungen in Brüssel : Nachdem zwei Griechenland-Gipfel bereits gescheitert sind, treffen sich die Finanzminister abermals mit dem Internationalen Währungsfonds ( IWF ), um über ein Rettungspaket für Griechenland zu entscheiden. Dass diese Hilfen kommen sollen und müssen – und zwar schnell – steht fest. Nur über die genauen Modalitäten der Auszahlung gibt es noch Streit .

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Regierung in Athen ihre Staatsfinanzen langfristig selbst in den Griff bekommen kann. Der IWF unter Direktorin Christine Lagarde schlägt deshalb einen zweiten Schuldenschnitt vor. Diesmal aber sollen nicht wie Anfang des Jahres die privaten Gläubiger Griechenlands auf ihr Geld verzichten, sondern die öffentlichen, sprich die übrigen Euro-Länder. Das bedeutet, dass am Ende Steuergelder fällig werden.

Allen voran Deutschland stellt sich hier quer. Für die Bundesregierung wäre der Schuldenschnitt der erste Schritt auf dem Weg in eine Transferunion. Zudem hätten die Geberländer kein Druckmittel mehr in der Hand, um die Griechen dazu zu bewegen, ihr Haushaltsdefizit abzubauen. Der Reformdruck würde sinken.

Der CDU-Haushaltsexperte Norbert Barthle warnt vor den Folgen des Schuldenschnitts für andere Krisenstaaten. "Dies hätte fatale Wirkungen auf die anderen Länder des Euro-Rettungsprogramms – auf Irland , Spanien , Portugal und demnächst auch Zypern ", sagte er Spiegel Online . Er verweist auf die Reformanstrengungen in diesen Ländern, die bei einem öffentlichen Schuldenschnitt für Griechenland , so befürchtet Barthle, dann nachlassen könnten. Wie soll man argumentieren, dass Griechenland einen Schuldenschnitt erhält, andere Krisenstaaten aber nicht?

Für den IWF sind solche Befürchtungen allerdings zu vernachlässigen. Direktorin Lagarde setzt voll auf den Schuldenschnitt und knüpft daran auch die Zustimmung für weitere Zugeständnisse. Darunter gehört auch die Verlängerung der Frist, bis zu der Griechenland seine Sparauflagen erfüllen muss. Die Euro-Gruppe plädiert für zwei Jahre mehr Zeit, also bis 2022. Dann allerdings bräuchten die Griechen auch zusätzliche Hilfen in Höhe von 14 Milliarden Euro.

Auch über die Frage, wie diese Finanzierungslücke zu schließen ist, werden die Finanzminister streiten. Im Raum stehen verschiedene Vorschläge: verbilligte Zinsen für die Hilfskredite, ein Schuldenrückkaufprogramm und Finanzierungsmodelle über die Europäische Zentralbank (EZB).

Erst wenn all diese Punkte geklärt sind, kann die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras – die mit einem neuen Sparpaket in Vorleistung gegangen ist – auf die nächste Milliarden-Tranche der internationalen Geldgeber zählen. Bleibt diese Zahlung aus, droht dem Land der Staatsbankrott.

Und so mahnt das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen eine rasche Entscheidung in Brüssel an. "Alle müssen sich bewegen", sagte er der Bild -Zeitung . Aus Frankreich kommen dagegen deutlich skeptischere Töne. Dort will Finanzminister Pierre Moscovici keine Garantie übernehmen, dass am Montag eine Einigung zustande kommt. Dies aber, so Moscovici zum TV-Sender BFM , "wäre unverantwortlich".