Euro-KriseGriechenland-Hilfe belastet Bundeshaushalt millionenschwer

Ein Minus von fast 730 Millionen Euro muss Finanzminister Schäuble wegen der Griechenland-Hilfe einplanen. Der Bundestag soll schnell entscheiden, die SPD aber bremst. von afp, dpa und

Wolfgang Schäuble erklärt in Berlin die Beschlüsse der Euro-Finanzminister zu Griechenland.

Wolfgang Schäuble erklärt in Berlin die Beschlüsse der Euro-Finanzminister zu Griechenland.  |  © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Die weiteren Hilfsmaßnahmen für Griechenland führen zu Millionen-Verlusten im Bundeshaushalt. Insgesamt erwartet Finanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) Mindereinnahmen von etwa 730 Millionen Euro: Die geplanten Zinssenkungen für Griechenland-Kredite würden zu Verlusten von 130 Millionen Euro im Jahr 2013 führen, sagte er. Hinzu komme der Verzicht Deutschlands auf den deutschen Anteil an den Gewinnen, welche die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren Ankaufprogrammen für griechische Staatsanleihen erzielt. Die Summe beläuft sich auf rund 599 Millionen Euro.

Die Bundesregierung wolle nicht länger von diesen Gewinnen zu Lasten Griechenlands profitieren. Sie werde sie stattdessen auf ein Sonderkonto an die Regierung in Athen überweisen. Schäuble begründete dies mit dem gebotenen "Maß an Fairness". Die Gewinne an Griechenland zurückzugeben, sei "Teil der Solidarität in einer schwierigen Zeit".

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Schäuble sagte, die beschlossenen Maßnahmen kosteten den Steuerzahler erst einmal nichts. Für den Bundeshaushalt bedeuteten sie allerdings Mindereinnahmen. Diese Verluste kann die Regierung durch Ausgabenkürzungen oder Mehreinnahmen auf der Steuerseite ausgleichen.

Wie schnell entscheidet der Bundestag?

Die Euro-Finanzminister hatten sich mit den anderen Geldgebern in der Nacht zu Dienstag im Grundsatz auf die Freigabe von knapp 44 Milliarden Euro an Notkrediten für Griechenland geeinigt . Mit einem zusätzlichen zweistelligen Milliarden-Betrag soll der zweijährige Aufschub für Reformen in Griechenland finanziert werden. Bis Ende 2014 ist der zusätzliche Finanzbedarf Griechenlands nun offenbar gedeckt.

Finanzminister Schäuble will nun im Bundestag eine entsprechende Änderung des Griechenland-Programms beantragen und eine Entscheidung im Parlament möglichst noch in dieser Woche erreichen. Die endgültige Entscheidung über die Freigabe der Hilfstranche will die Euro-Gruppe am 13. Dezember treffen. Dann wird die Troika schauen, ob das geplante Schuldenrückkaufprogramm der griechischen Regierung ausgereicht hat, um die Schuldenquote des Landes auf ein Maß zu reduzieren, das der Internationale Währungsfonds akzeptiert.

SPD will mehr Bedenkzeit

Der SPD geht der Zeitplan der Bundesregierung allerdings zu schnell, sie will am Donnerstag noch keine endgültige Entscheidung im Bundestag treffen. Es gebe bislang keinerlei Berechnungen, welche Folgewirkungen sich für die deutschen Haushalte ergäben, sagte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. "Wir können bislang nicht beurteilen, welche Folgewirkung diese Verständigung von heute Nacht hat", sagte Steinmeier. Nach den Worten des designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück sei es für die Opposition "absolut unzumutbar", über die Presse mitgeteilt zu bekommen, wann der Bundestag entscheiden solle.

Steinmeier sprach sich dafür aus, am Donnerstag zunächst nur den Punkt zu beschließen, der einen möglichen Rückkauf griechischer Staatsanleihen betrifft. Für alle anderen Punkte sei bis Mitte Dezember Zeit, da diese davon abhingen, ob das Rückkaufprogramm funktioniere.

Schuldenschnitt ausgeschlossen?

Schäuble verteidigte die Beschlüsse zu Griechenland als guten Kompromiss. Damit werde das krisengeschüttelte Land gestützt und die Euro-Zone als Ganzes stabilisiert. Einen Schuldenschnitt für Griechenland lehnte der Finanzminister erneut ab. "Es war allen klar, auch dem IWF , dass dies keine Lösung für die Probleme ist." Solange man weiter Kredite an Griechenland gebe, würde ein Schuldenschnitt rechtliche Fragen aufwerfen. Man müsse auch den Druck auf Griechenland aufrechterhalten.

Die Opposition bezweifelt allerdings, dass damit ein Schuldenschnitt ausgeschlossen ist. Linksfraktionschef Gregor Gysi sagte, nach der Bundestagswahl 2013 werde es einen solchen geben müssen. Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschefin Renate Künast . Sie forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, endlich die Kosten der Griechenlandrettung zu benennen. Auch müsse man davon ausgehen, dass es "eines Tages" einen Schuldenschnitt der Geberländer geben werde, wenn Athen mit einzelnen Reformschritten weitergekommen sei.
 

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Leserkommentare
    • mores
    • 27. November 2012 22:32 Uhr

    Die Griechen haben erkannt, dass SIE am längeren Hebel sitzen und garnieren dies dosiert mit Randale; denn beim Zündeln wissen sie, dass ihr Militär NIE wieder marschiert. Griechische Pleite und Militärputsch kann die EU nie und nimmer gebrauchen. Wie schön für ALLE zu wissen!

    2 Leserempfehlungen
    • gooder
    • 27. November 2012 22:39 Uhr

    Hat Hr. Schick eigentlich nicht auch diversen Rettungsschirmen und nicht auch dem ESM zugstimmt?

    2 Leserempfehlungen
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    frage ich mich manchmal:

    Wissen sie, was sie da tun?

    • gooder
    • 29. November 2012 0:24 Uhr

    Ja das wissen sie, würden sie anders abstimmen würde das das Ende iher politischen Karriere bedeuten. Lieber an sich selbst denken,als an den Rest,so bringt man es zu etwas.

  1. nicht nur hinsichtlich der -Schuldenkrise-bietet.Mam bekommt immer wieder das Gefühl,es wird vernebelt, getäuscht und getrickst ,aus Angst man könnte sie wegen ihrer eigenen Lügen überführen und nicht wiederwählen.Leider sind viele Wähler sehr vergesslich,auf der anderen Seite wen soll man wählen,sind sie am Ende nicht alle gleichgestrickt ?

    Antwort auf "Perfid ist das"
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    • gooder
    • 27. November 2012 22:54 Uhr

    Meinen sie etwa, daß Steinbrück,Trittin ,Steinmeier oder Görin-Eckardt weniger tricksen und täuschen würden,wenn sie in der Situations Merkels oder Schäubles wären. Würden die mehr Offenheit und Ehrlichkeit an den Tag legen, gerade im Vor-Wahlkampf?

  2. "Schäuble sagte, die beschlossenen Maßnahmen kosteten den Steuerzahler erst einmal nichts. Für den Bundeshaushalt bedeuteten sie allerdings Mindereinnahmen. Diese Verluste kann die Regierung durch Ausgabenkürzungen oder Mehreinnahmen auf der Steuerseite ausgleichen."
    Kostet den Steuerzahler nichts. Die Verluste holt sich der Staat vom Steuerzahler.
    Ist der Mann noch klar im Kopf?

    2 Leserempfehlungen
  3. Doppelost. Die Redaktion/se

  4. 1) Das ist keine Überraschung und der kommende Schuldenschnitt erst recht nicht, denn jetzt sind alle, die etwas zu verlieren hatten und die dicken Bankkonten hatten schon lange abgesichert!

    2) Warum lässt man denen, die das hauptsächlich zu verantworten haben und daran sehr sehr gut verdient haben eigentlich so viel Zeit, ihre Gelder in Sicherheit zu bringen!?

    2 Leserempfehlungen
  5. ... ist der Wohlstandszuwachs auch etwas einseitig. Dafür können die Griechen natürlich nichts. Aber mit der Bereitschaft zu Solidaritätsleistungen hat es schon zu tun.

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    Antwort auf "Begriffsstutzigkeit"
  6. frage ich mich manchmal:

    Wissen sie, was sie da tun?

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    Antwort auf "G.Schick"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dpad, AFP, tis
  • Schlagworte Wolfgang Schäuble | Bundesregierung | CDU | SPD | Angela Merkel | Bundeshaushalt
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