Außerdem werden die Geberländer ihre Forderungen an Griechenland stunden. Derzeit wird das Land mit zwei Hilfspaketen am Leben gehalten. Das erste umfasste bilaterale Kredite, deren Zinssätze nun gesenkt werden. Das zweite Paket enthält Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF. Der Fonds wird nun auf einen Teil der Garantiegebühren verzichten. Noch entscheidender ist, dass die Geberländer Griechenland nun vor allem mehr Zeit gewähren: Sie verlängern die Laufzeiten der Kredite aus beiden Paketen um 15 auf 30 Jahre und stunden die Zinszahlungen für die kommenden zehn Jahre. Allein die Stundung der Zinszahlungen verschafft Griechenland Erleichterung – Schätzungen zufolge rund 44 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren.

Zuletzt verzichtet die Europäische Zentralbank auf die Gewinne, die sie bisher mit Griechenland-Anleihen gemacht hat. Die Profite werden oftmals unterschlagen und entstehen dadurch, dass die EZB am Sekundärmarkt griechische Anleihen aufgekauft und wieder verkauft hat. Das alles könnte Griechenland um weitere elf Milliarden Euro entlasten.

Damit alle drei Punkte funktionieren, rücken alle Parteien von ihren Positionen ab. Der IWF und die Länder der Euro-Zone hatten zuletzt offen darüber gestritten, wie schnell Griechenland seine Schuldenquote reduzieren soll. Der IWF pochte auf einen Schuldenstand von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020. Die Euro-Finanzminister wollten Griechenland zwei Jahre mehr Zeit geben.

Nun steht am Ende ein Kompromiss, wenngleich einer, der es in sich hat. Der IWF stimmt zwar einem Schuldenstand von 124 Prozent im Jahr 2020 zu. Bereits zwei Jahre später soll der Schuldenstand aber bei 110 Prozent liegen. Im Klartext heißt das: Spätestens dann wird es einen Schuldenschnitt für Griechenland geben müssen. Anders ist schließlich eine solch heftige Reduzierung der Schulden nicht zu machen.

Griechenland braucht Kredite – für die Zinszahlungen

Gerade der IWF hatte zuletzt darauf gedrängt, dass auch öffentlichte Geldgeber auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten – im vergangenen Jahr hatten dies bereits Privatanleger und Banken getan. Aktuell ist nun der "Haircut" zwar vom Tisch, auch auf Drängen der Bundesregierung , die kaum ein Interesse daran hat, vor der Bundestagswahl 2013 über ausgefallene Kredite zu sprechen. Nun wird der Schuldenschnitt wohl kommen, als eine Belohnung für die griechischen Reformanstrengungen.

Bis dahin wird ein Kreislauf am Leben gehalten, der allen Beteiligen die größten Schmerzen erspart. Griechenland braucht die neuen Kredite vor allem, um seinen Zinsverpflichtungen gegenüber den Geberländer nachzukommen. Der griechische Primärhaushalt – also der Staatshaushalt ohne Zinsen – ist mittlerweile nahezu ausgeglichen. Die Länder der Euro-Zone wiederum versorgen das Land mit Krediten, damit das Land seine Zinsen begleichen kann und es zu keinen Ausfällen in den Haushalten im Euro-Raum kommt. Mit dem Beschluss von vergangener Nacht wird dieser seltsame Kreislauf in Schwung gehalten. Solange es geht.