FinanzlückeEuro-Gruppe plant griechischen Schuldenrückkauf

Griechenland soll seine Schulden durch einen Finanztrick drücken. Darauf hat sich die Euro-Gruppe bei ihrem Treffen nun verständigt, sagt Finanzminister Schäuble. von dpa, reuters und dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble  |  © Sean Gallup/Getty Images

Um den akuten Geldbedarf Griechenlands zu lindern, hat sich die Euro-Gruppe laut Finanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) auf einen Schuldenrückkauf geeinigt. Damit soll die Regierung in Athen seinen Schuldenstand insgesamt senken. Auf dem nächsten Treffen der Euro-Gruppe am kommenden Montag solle das Programm beschlossen werden, sagte Schäuble. Die Einzelheiten seien aber noch unklar.

In einem solchen Programm würde die Regierung in Athen eigene Staatsanleihen von seinen Gläubigern zurückkaufen. Derzeit werden griechische Schuldtitel weit unter ihrem Nominalwert gehandelt. Deshalb könnte die Athener Regierung Titel mit einem Nennwert von 100 Euro beispielsweise zu einem Kurs von 50 oder 70 Euro zurückkaufen. Auch wenn sich das Land dazu wieder Geld leihen müsste, würde dadurch insgesamt die Schuldenlast sinken .

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Das Geld für dieses Programm könnte nach Auffassung der Bundesregierung aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF kommen. Eine leichte Erhöhung der Garantien im EFSF-Programmteil für Griechenland um etwa zehn Milliarden Euro könnte einen Schuldenrückkauf ermöglichen, sagte Kanzlerin Angela Merkel nach Teilnehmerangaben in einer Sitzung der Unionsfraktion .

Effekt des Programms umstritten

Ob das Rückkaufprogramm den erhofften Effekt bringt, ist allerdings umstritten . Denn laut den bisherigen Plänen soll Griechenland nur Staatsanleihen zurückkaufen, die von privaten Gläubigern gehalten werden. Das Volumen dieser Anleihen beläuft sich aber auf lediglich etwa 70 Milliarden Euro. Öffentliche Gläubiger wie die Europäische Zentralbank halten den weitaus größeren Anteil der insgesamt 345 Milliarden Euro griechischer Schulden.

Die Euro-Gruppe diskutiert auf ihrem Treffen aber noch die Möglichkeit, die Zinsen, die Griechenland für seine Kredite zahlt, radikal zu senken. Eine Kombination mit einem Schuldenrückkauf wird in der Bundesregierung für möglich gehalten.

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Leserkommentare
  1. ... sollen Verluste sozialisiert und die privaten Investoren belohnt werden:

    "Denn laut den bisherigen Plänen soll Griechenland nur Staatsanleihen zurückkaufen, die von privaten Gläubigern gehalten werden. Das Volumen dieser Anleihen beläuft sich aber auf lediglich etwa 70 Milliarden Euro. Öffentliche Gläubiger wie die Europäische Zentralbank halten den weitaus größeren Anteil der insgesamt 345 Milliarden Euro griechischer Schulden."

    Das ist Betrug am Steuerzahler.

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    Die Anleihen (Nominale 70 Mrd.) haben z.Zt. einen Marktwert von ca. 20 Mrd. +/- 2 Mrd.

    Wenn also die "Privaten", darunter sind übrigens auch viele "echte Privatleute" wie Direktanleger, LV- oder Riester- Versicherungsnehmer, statt der investierten 70 Mrd. (die meisten haben sogar mehr investiert: siehe Haircut I)ca. 20 Mrd. zurückbekommen, werden diese also belohnt?
    Mit ca. 70 % + Verlust?
    Diese Logik erschließt sich mir nicht!

  2. wäre es ja nun nicht mehr, denn viele Varianten wurden bereits besprochen.

    Meine Variante wäre, schämt euch das ihr noch nichts geregelt habt, wie peinlich sieht das aus für die nicht Eu-Staaten und die anderen Kontinente, die nehmen uns sicherlich irgendwann nicht mehr ernst und verstehen unter EU das Wort Streitkultur ohne Ende.

    Bei so viel weggeworfenem Geld (deutsche Bad Bank die Milliarden ohne Ende abgeschrieben hat weil straffrei deutsche Banker Finanzexzesse feierten etc) das es ja nur auf dem Papier gibt wie es immer heißt, schreibt mehr darauf und versorgt mit dem "Papier"-Geld die Mitglieder alle so reichlich das da wieder Wirtschaft wachsen und Bürgervertrauen in die eigenen Staaten und in die EU wachsen kann.
    Bei diesem Gezeter gibt es bald keine EU mehr.

  3. Sollte man besser bleiben lassen. Das geht sowieso in die Hose.

  4. "Eine leichte Erhöhung der Garantien im EFSF-Programmteil für Griechenland um etwa zehn Milliarden Euro ..."

    Sicher muß man das stets im richtigen Kontext sehen, aber wie viel besseres ließe sich mit so viel Geld machen als Finanzticksereien, die weitere Finanztricksereien nach sich ziehen werden....
    Jetzt werden wieder einige Finanzgenies (oder vorsichtig "Experten") erklären, wie naiv so eine Bemerkung sei.
    Aber Finanzgenies haben in letzter Zeit nicht viel Gutes angerichtet....

  5. Das wäre ja eine durchaus gangbarer Weg.

    Allein: Wer einen solchen Weg beschreiten möchte, beschreitet ihn still und heimlich und denkt weder laut darüber nach noch kündigt er ihn an.

    Das "Gerücht" alleine hat heute bereits einen Kursanstieg der GR-Bonds bedeutet.

    Das ist also das Ergebnis der geballten Bemühungen der Euro-FinanzministerInnen. Chapeau an die Damen und Herren ob dieser Idee und möglichen Umsetzung.

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    • H.v.T.
    • 22. November 2012 6:42 Uhr

    Unter ihresgleichen, gemeint sind die Finanzakteure der Hochfinanz, würde das sowieso nicht geheim bleiben; dass es vorzeitig öffentlich wird, ist doch der wesentlich interessantere Punkt.

  6. Nachdem das übliche Krisenmanagment der EU nicht verfing, das darin bestand, nicht vorhandenes Geld auszugeben, ein paar Kürzungen bei Leuten vorzunehmen, die sich durch ihren Mangel an Systemrelevanz (i.e. Nähe zur Politik) auszeichnen, und ansonsten darauf zu hoffen, dass sich die Probleme irgendwie von selbst lösen, versucht man es nun eben mit kreativer Hütchenspielerei.

    Recht viel mehr bleibt auch nicht übrig, denn die Währungsunion ist bankrott und der Euro hat Europa nicht nur in die schwerste Krise seit dem zweiten Weltkrieg geführt, sondern auch die Grenzen und Schwächen des autoritären europäischen Politikmodells klar aufgezeigt.

    Darauf zu hoffen, dass die selben Versager, die die Probleme verursacht hatten, imstande sein sollten, eine Lösung zu finden, war allerdings reichlich illusorisch, bzw. das Versagen des "Krisenmanagements" von Beginn an ersichtlich.

    Wenn Europa diese Krise "nur" mit einigen hundert Milliarden Schulden und Millionen ruinierter Existenzen übersteht, darf es sich glücklich schätzen. Weit realistischer ist allerdings die Annahme, dass die Rechnung letztlich um einiges höher ausfallen wird, und wir erst am Anfang einer ebenso unappetitlichen wie unausweichlichen Entwicklung stehen. Umso mehr, als die europäische Politik es an Beratungsresistenz und fanatischem Durchhaltewillen mit jedem noch so fragwürdigem historischen Vorbild aufnehmen kann.

    • Gerry10
    • 21. November 2012 17:29 Uhr

    ...als SIE SELBST herausgegeben haben?
    Und warum so kompliziert, nennt es einfach Schulden abschreiben. [...]
    Und warum hat man nicht schon längst die Zinsen gestrichen bzw. für die nächsten 10 Jahre ausgesetzt?
    Entweder Griechenland ist "einer von uns", dann schäme ich mich für die Hilfe Zinsen zu nehmen, oder diese Aktion ist ein Geschäft, dann ist die ganze Idee eine einzige Frechheit.
    Ach, was rege ich mich auf, vielleicht geht die Welt ja doch in einem Monat unter...

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf polemische Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jp

    • omnibus
    • 21. November 2012 17:47 Uhr

    können einem fast leid tun, wenn man zusieht, wie akrobatisch sie sich verrenken, um den Steuerzahlern nicht sagen zu müssen, dass deren Geld in Griechenland verloren ist und noch viele weitere Milliarden dorthin fließen werden, während überall Sparpakete durchgesetzt werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dapd, dpa, zz
  • Schlagworte Wolfgang Schäuble | Bundesregierung | Angela Merkel | CDU | Europäische Zentralbank | Unionsfraktion
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