SchuldenkriseGriechen protestieren gegen neues Sparprogramm

Noch weniger Rente, noch weniger Lohn: Die Griechen wehren sich gegen weitere Einschnitte. Vor der entscheidenden Abstimmung formiert sich vor dem Parlament der Protest. von afp, dpa, reuters und dapd

Demonstranten vor dem griechischen Innenministerium in Athen

Demonstranten vor dem griechischen Innenministerium in Athen  |  © Nikolas Giakoumidis/AP Photo/dapd

Bei Protesten gegen die drastische Sparpolitik der griechischen Regierung und die Forderungen der internationalen Gläubiger ist es vor dem Parlament in Athen zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen kleinen Gruppen von vermummten Demonstranten und der Polizei gekommen.

Etwa 200 zum Teil vermummte Demonstranten schleuderten in der Nähe des Parlamentes Dutzende von Brandflaschen auf die Polizei. Die Beamten setzten Wasserwerfer, Blendgranaten und Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Am zweiten Tag des Generalstreiks blieben Schulen, Banken, Behörden und der öffentliche Transport geschlossen, während sich in den Straßen unabgeholter Müll türmte.

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Zuvor hatten vor dem Parlament mehr als 70.000 Menschen bei strömendem Regen über zwei Stunden lang friedlich vor dem Parlament gegen das Sparprogramm demonstriert. Ein entsprechender Gesetzentwurf sieht bis zum Jahr 2016 weitere Einsparungen in Höhe von 13,5 Milliarden Euro vor. Der Plan sieht neben Massenentlassungen und Steuererhöhungen vor allem neue Kürzungen bei Renten und Gehältern sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, außerdem Streichungen von Kinder- und Weihnachtsgeld vor.

Die Zustimmung des Parlaments ist Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Höhe von 31,5 Milliarden Euro an das hochverschuldete Land. Andernfalls droht Griechenland die Pleite.

Nikos Kioutsoukis, der Generalsekretär der Dachorganisation der Gewerkschaften GSEE, nannte die Maßnahmen "das schwerste politische und soziale Verbrechen gegen Land und Leute", das es je gab. "Wir werden nicht zulassen, dass sie das Land zerstören."

Die entscheidende Abstimmung wird für die Nacht zum Donnerstag erwartet.

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Leserkommentare
  1. ...wie wir uns das mit der Einführung des Euros vorgestellt haben. Ich glaube jedoch kaum, dass die griechische Regierung über die Proteste unglücklich ist - im Gegenteil: Eine Woche kräftiger Radau ist allemal besser als 50 Jahre Schuldendienst. Die Demonstrationen bringen Athen in eine starke Position für den erwünschten Schuldenschnitt.

    Und so läuft der deutsche Steuerzahler - wie es die Spatzen schon seit drei Jahren von den Bäumen pfeifen - geradewegs in drei Messer: Erstens in das griechische, zweitens in das der Banker und Hedgefonds, drittens in das der deutschen Wirtschaftsbosse, welche es sich (allerdings ganz privat) mit dem Euro-PONZI-Modell jahrelang gut gehen ließen.

    Den letzten beißen die Hunde - und es war nicht schwer zu erraten, wer dies am Ende des Tages nun sein würde.

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    ...wie seit Jahren nicht - schreiben Presse und Fernsehen. Vermutlich arbeiten die alle für Griechenland et.al.

  2. ...wie seit Jahren nicht - schreiben Presse und Fernsehen. Vermutlich arbeiten die alle für Griechenland et.al.

    Antwort auf "Es läuft genau so..."
  3. Kann sich nicht ein Journalist nach Griechenland aufmachen und ein paar Fakten recherchieren?

    - Wie viele Steuersünder wurden seit Beginn der Kriese angeklagt - wie viele verurteilt und welche Strafen gab es?

    - Welche Steuerprivilegien (z.B. für Reederer) wurden gestrichen?

    - Welche Geschenke für Staatsdiener und ihre Angehörigen wurden gestrichen (z.B. Renten für Töchter von Generälen).

    Bitte, macht das mal - die Presseagenturen werden euch das nicht frei-Haus liefern.

  4. und die rapide Umverteilung von unten nach oben protestlos akzeptiert. Wir akzeptieren die Ausplünderung der Entwicklungsländer mit Hilfe des IWF.

    In Griechenland haben die Mächtigen es definitif zu weit getrieben. Sie haben die Lebensgrundlagen vieler Menschen zerstört, ihnen sogar medizinische Hilfe versagt.

    Legal erworbene Ansprüche wie Renten werden geplündert.Das ist Enteignung. Enteignung kennt man eigentlich nur in Zusammenhang "verhasster sozialistischer" Systeme. Nein hier findet eine massive Enteignung statt.

    Wie schlimm muss es noch werden, bis wir als die viel beschworenen "Europäer" gemeinsam auf die Straße gehen?

    Mikis Theodorakis habe ich mal kennengelernt. Ein sehr sympathischer Mensch.

    Hier bekannte Musik von ihm:
    http://www.youtube.com/watch?v=cec34OOdnRA

    Liebe Griechen,
    solidarische Grüße aus Deutschland an ein unendlich gastfreundliches Land.

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    Besser könnte ich es nicht zusammenfassen. Ergänzen möchte ich noch, dass mit diesem Ansatz, der dort jetzt versucht wird, bereits die Regierung Brüning die Weimarer Republik vor die Wand gefahren hat.

  5. Besser könnte ich es nicht zusammenfassen. Ergänzen möchte ich noch, dass mit diesem Ansatz, der dort jetzt versucht wird, bereits die Regierung Brüning die Weimarer Republik vor die Wand gefahren hat.

  6. ...die gemeinsam mit der Polizei die große griechische Tragödie abziehen - film-und fernsehwirksam - Hellas alaaf.

    • RPT
    • 07. November 2012 23:11 Uhr

    ihre wichtiste Industrie, die Reeder, besteuern würden, dann müssten die Steuerzahler anderer Länder weniger zur Finanzierung ihres Haushalts bezahlen. Es wäre also nicht nur im eigenen Interessen, in dem der Armen dort denen man das Geld geben könnte, sondern auch ein Zeichen der Solidarität mit den anderen wenn sie es endlich tun würden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Bank | Behörde | Euro | Gehalt | Müll | Parlament
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