Troika-BerichtZwei-Jahres-Aufschub für Griechen kostet Europa 32 Milliarden

Die Kontrolleure der Troika sind mit dem Sparfortschritt in Griechenland zufrieden. Doch die Euro-Finanzminister haben die Freigabe der nächsten Hilfstranche vertagt. von afp, dpa, reuters und dapd

Ein Graffiti in Athen, das sich gegen die Sparpolitik der Regierung wendet

Ein Graffiti in Athen, das sich gegen die Sparpolitik der Regierung wendet  |  © Aris Messinis/AFP/Getty Images

Die Euro-Gruppe hat die Entscheidung über die nächste Hilfstranche an Griechenland aufgeschoben. Die Finanzminister der Währungsgemeinschaft würden ihre Beratungen darüber am 20. November fortsetzen, erklärte Euro-Gruppe-Chef Jean-Claude Juncker nach Abschluss des Ministertreffens in Brüssel .

Demnach verlangen die Währungspartner von der Regierung in Athen die Umsetzung einiger weiterer Zusagen, die vor Monaten im Gegenzug für ein zweites Hilfspaket gemacht wurden. Es handle sich nur um wenige Punkte, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde . Auch müsse in den kommenden Tagen noch an der Beurteilung der Schuldentragfähigkeit des Landes gearbeitet werden.

Anzeige

Griechenland soll aber voraussichtlich zwei Jahre mehr Zeit zum Erreichen seiner Sparziele erhalten; eine endgültige Entscheidung soll dazu am 20. November fallen. Der Aufschub sei "eine angemessene Anpassung angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung", heißt es in einer nach dem Brüsseler Treffen verbreiteten Erklärung. "Die Eurogruppe ist der Ansicht, dass ein korrigiertes Haushaltsziel eine angemessene Anpassung auf dem Pfad der Budgetkonsolidierung ist", sagte Juncker.

Die Troika hatte ein vorläufiges Zeugnis vorgelegt, in dem Athen "substanzielle Fortschritte" bescheinigt werden. Doch eine Analyse zur Schuldentragfähigkeit blieben die Experten von Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds ( IWF ) und EU-Kommission weiterhin schuldig.

Frankreich drängte auf schnellere Einigung

Bis zum 20. November sollten die fehlenden Elemente vorliegen, damit Entscheidungen getroffen werden könnten, sagte Juncker nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Der französische Ressortchef Pierre Moscovici hatte auf eine politische Einigung noch in dieser Sitzung gedrungen, war jedoch unter anderem am deutschen Widerstand gescheitert.

Der Bericht der internationalen Kontrolleure über den Stand der Reformen fiel nach Angaben von Juncker grundsätzlich gut aus. "Der Troika-Bericht ist im Grundton positiv, weil die Griechen ja wirklich geliefert haben." Das Parlament habe ein "sehr ambitiöses" Reformprogramm und dem Haushalt für das kommende Jahr zugestimmt. Das "begegnet unserer Wunschliste fast integral".

Die Troika hatte sich auch damit befasst, was passiert, sollte Griechenland zwei Jahre mehr Zeit bekommen, seine Sparziele zu erfüllen. Weitere 32,6 Milliarden Euro an Finanzhilfe seien dann notwendig, errechneten die Fachleute. 15 Milliarden davon seien bereits bis Ende 2014 erforderlich.

"Mehr Zeit kostet mehr Geld"

Die zusätzliche Zeit könnte die Schärfe der Einsparungen abmildern, hieß es in dem Vorabbericht der Troika. Griechenland soll 2013 einen ausgeglichenen Primärhaushalt – also ohne Schuldenrückzahlungen – erreichen. Im Jahr darauf soll ein Plus von 1,5 Prozent, ein Jahr später von drei Prozent und 2016 eines von 4,5 Prozent entstehen.

Die 17 Finanzminister der Euro-Zone vertagten bei ihrem Treffen in Brüssel eine Entscheidung, ob Griechenland die Bedingungen für weitere Hilfen erfüllt und damit die nächste Tranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro bekommen soll. Der Staatsbankrott droht schon bald, da Griechenland bereits am 16. November alte Schulden bedienen muss. Als wahrscheinlichste Lösung zeichnet sich ab, dass der griechische Staat kurzfristig weiterhin auf EZB-Hilfe zurückgreifen kann.

"Mehr Zeit kostet auch mehr Geld", sagte Österreichs Finanzministerin Maria Fekter. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Minister wieder zu ihren eigenen Steuerzahlern gehen." Fekter sprach von einem Mix von Möglichkeiten, wie etwa die Streckung von Zahlungszielen. Die EZB könne Gewinne mit griechischen Staatsanleihen an nationale Notenbanken weiterleiten, die diese wiederum an Eurostaaten auszahlen könnten.

Die Welt berichtete unter Berufung auf Notenbankkreise, dass die EZB die Hilfen für griechische Banken ausweiten und weitere Wertpapiere als Sicherheiten für Notkredite akzeptieren werde. Zwar könnten griechische Banken künftig weniger kurzfristige Staatsanleihen als Sicherheiten für Notenbankkredite nutzen, allerdings werde dies gleichzeitig durch die Annahme anderer Wertpapiere als Pfand kompensiert.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    Eine Leserempfehlung
  2. 2. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    Eine Leserempfehlung
  3. von durchaus pro Euro-EU gesinnter Seite.
    Es gäbe wohl Fortschritte (Defizitsenkung), aber Griechenland käme nicht voran beim Sparen (Masse der Staatsangestellten) und Steuerneintreiben.
    Aber das ist ja eh gleichgültig, die Regierenden haben beschlossen, dass wir, die nichts davon haben, die Euro-EU-Rettung bezahlen, also zahlen wir.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • THAROS
    • 12. November 2012 22:14 Uhr

    Man könnte fast erbarmen haben, aber nicht begründet mit den Griechen, sondern mit dem Deutschen der immer noch selber glaubt der Arme zu sein! Propaganda war mindestens seit Göbbels einer der stärkeren "Waffen" ein Volk zu verleiten und sie sind der Beweis dass es noch gut funktioniert!

  4. Ah ja.... die Troika ist also zufrieden damit, dass die griechische Bevölkerung vollkommen ausgeplündert wird, die Gruppe der vermögenden Griechen aber nach wie vor vollkommen unangetastet bleibt und diese Gruppe auch weiterhin ihr Vermögen kaum bis gar nicht versteuern muss. Frau Merkel nimmt dies denn auch mit "großem Respekt" zur Kenntnis.

    Finde ich sehr aussagekräftig....

    26 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das sehe ich genauso.
    Immer öfter stelle ich mir die Frage: Ist die Welt total verrückt geworden...?!?

    Yes, die einzigen Verlierer der Krise sind die 99%... Alle ohne größere Geldvermögen.
    Daher ist es an der Zeit für Zivilen Ungehorsam und neue Ideen:

    Bedingungsloses Grundeinkommen:
    http://www.youtube.com/wa...

    Weg von Hartz4
    http://www.youtube.com/wa...

    Ein faires Finanz und Steuersystem mit fließendem Geld
    http://www.youtube.com/wa...

  5. Hier werden die kleinen Leute vollständig ausgeplündert, die Verusacher bekommen Geld von kleinen Steuerzahler aus Europa, das nennt sich denn Demokratie, wo manche gleicher als Gleich sind. Merkel möchte Europa beherrschen, da hat der griechische Oppositionsführer recht. Schande über Frau Merkel und alle anderen Reichen, die nicht zur Kasse gebeten werden

    5 Leserempfehlungen
    • bayert
    • 12. November 2012 14:13 Uhr

    wurden Reformen bereits umgesetzt oder wurde geduldiges Papier geliefert?

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund!

    In einem Jahr werden wir dann vermutlich hören, dass die sehr ambitionierten Pläne - leider, leider - nicht komplett umgestzt werden konnten.
    Sozialabbau und sinkende Lohne wurden schon verwirklicht, an Steuergerechtigkeit wird noch fieberhaft gearbeitet...

  6. Das sehe ich genauso.
    Immer öfter stelle ich mir die Frage: Ist die Welt total verrückt geworden...?!?

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "........"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • krister
    • 13. November 2012 9:02 Uhr

    7.
    "Aussagekräftig
    Das sehe ich genauso.
    Immer öfter stelle ich mir die Frage: Ist die Welt total verrückt geworden...?!?"

    wenn man Wahnsinnige nicht stoppt,machen sie weiter.

  7. die diese grossartigen Artikel verfassen, mal ganz kurz erläutern wo die ganzen MRD€ hinfliessen! Politiker können es nicht und reden immer den gleichen inhaltslosen Quatsch.

    Beispiele:

    Rettung Europas, Rettung Euro, Rettung EU! Was wird denn gerettet?

    Wer ist der Profiteuer der Rettung?

    Und was ist mit den Menschen?

    Werden die auch gerettet?

    Bedauerlicherweise habe ich leider den Eindruck dass dem Journalismus in unserem Land etwas fehlt:

    Ein Rettungs-schirm incl. Wiederbelebung der journalistischen Fertigkeiten.

    Kaum einer hinterfragt und nun hört man wieder: bei Verstoß gegen Abmachungen werden Konsequenzen gezogen! So wie in den letzten 15 Jahren?

    21 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Hallo oberalten,

    haben Sie unsere bisherigen Artikel zur Euro-Krise gesehen?
    http://www.zeit.de/schlag...

    Und zu Griechenland?
    http://www.zeit.de/schlag...

    Vielleicht finden Sie dort Antworten auf Ihre Fragen.

    Beste Grüße aus der Redaktion
    Sebastian Horn

    Sie haben recht, man sollte fragen, wohin fliesst das ganze Geld? Das moechte man aber eigentlich verschweigen, denn wir sind die Empfaenger, wobei "wir" nur den Teil der Bevoelkerung betrifft, der tatsaechlich Geldvermoegen in groeserem Umfang besitzt. Gut dann reduziert sich das "wir" letztendlich auf ca 10% der Deutschen, die bei einer Pleite Suedeuropas um ihr Vermoegen fuerchten muessten, da unsere ach so hoch bezahlten Versicherungs- und Bankmanager arglos deren Geld in Suedeuropa verliehen haben. Glauben Sie nicht, dass die Griechen etwas von den 32 Mrd saehen, die allerdings nur geliehen werden. Das Problem ist einfach, so sagt die OECD, dass eine Reduktion der Staatsausgaben um einen EUR, das BIP um mehr als einen EUR senkt, wenn bei der Defizit- und Schuldenquote aber der Nenner schneller sinkt als der Zaehler werden beide Groessen eben wachsen. Herr Schaeuble hat aber schon implizit erklaert, dass er das nicht verstehe und deshalb versucht man jetzt die Gesetze der Mathematik auszuhebeln. Ein Trick waere man definiert x:0=0, dann waere das Problem final geloest, allerdings fuer alle Beteiligten. Der Durchschnittsbuerger ist in beiden Staaten der Dumme. Nur ein Beispiel, Siemens hat in grossen Umfang grieschische Politiker bestochen, damit diese Siemensprodukte ordern, alle waren happy die Eigner von Siemens und die bestochenen Griechen. Das noetige Geld haben die Eigner dann auch noch gerne den Griechen geliehen. Aber jetzt wollen die dieses Geld zurueck.

    • Polyp
    • 13. November 2012 0:39 Uhr

    geht mal ca. ein jahr zurück, zu sogenannen Schuldenschnitt, als die privaten gäubiger Zugeständnisse machen sollten. Da hat Ackerman die ganze Show ungewollte enttarnt. Das Geld geht zu denen und nur zu denen - zu Soros, Goldman Sachs und Zocker-Konsorten. Und die Troika sind deren Vasallen. Wiel gegen jene bedeutet no mony für IWF etc. Was oder wen interesssieren die Mensch. Heute Wähler, morgen Verbraucher, übermorgen Patient etc. pp - aber nie doch Mench da wird doch eingespart und gekürzt. Pfiu Teufel.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Europa | Jean-Claude Juncker | EU-Kommission | Europäische Zentralbank | Griechenland | Christine Lagarde
Service