Hedgefondsmanager Steven Cohen im Mai 2011 © Steve Marcus/Reuters

Preet Bharara genießt sichtlich seinen großen Auftritt. Erhaben steht er am Pult, sein Blick ist kalt und klar. Was der Oberstaatsanwalt des südlichen Verwaltungsbezirks von New York an diesem Dienstagabend zu verkünden hat, wird ihn am nächsten Tag auf die Titelseiten der Zeitungen heben. Bharara wird das wissen. Der "Sheriff der Wall Street" , wie er von den heimischen Medien genannt wird, hat wieder einmal zugeschlagen.

Bharara verkündet einen außergewöhnlichen Ermittlungserfolg. Zusammen mit dem  FBI und Amerikas Börsenaufsicht SEC haben seine Mitarbeiter den vermeintlich lukrativsten Insiderhandel der Wall Street aufgedeckt. Abgespielt hat er sich bei SAC Capital, einem der Schwergewichte unter den amerikanischen Hedgefonds. Angeklagt ist der frühere SAC-Manager Mathew Martoma wegen Insidergeschäften in der Höhe mehrerer Hunderter Millionen Dollar. Am Dienstagmorgen wurde er in seinem Haus in Florida festgenommen.

Die drei Behörden werfen Martoma vor, Testergebnisse von einem Medikamententest vorab erhalten und seine Wetten danach ausgerichtet zu haben. Offenbar handelte es sich um marktrelevante Informationen. Die Geschäfte, die Martoma aufgrund seines Wissens tätigte, brachten dem Fonds laut der Anklage rund 275 Millionen Dollar Gewinn ein. Glaubt man Bharara, hat der Betrug einen "Maßstab, der keinen historischen Präzedenzfall kennt". Es ist das größte Insidergeschäft, das es bisher vor ein amerikanisches Gericht geschafft hat.

Auch SAC-Chef Cohen steht nun im Visier

Was noch viel bedeutender ist: Zum ersten Mal geben die Behörden in ihrer Anklageschrift einen Hinweis darauf, dass auch der Gründer und Chef von SAC Capital, Steven Cohen, eine Rolle bei den Insidergeschäften gespielt haben könnte. Zwar wird der Manager, einer der bekanntesten und erfolgreichsten der Branche, namentlich nicht erwähnt. Die Klage liest sich allerdings an einigen Stellen so, als ob auch der SAC-Chef persönlich einige von Martomas Positionen abgesegnet hätte. Das bestätigen auch mit dem Fall vertraute Personen. Bisher hatten die Ermittler in den USA erfolglos versucht, Cohen Insiderhandel nachzuweisen.

Steven Cohen gilt vielen als schwarzes Schaf in der Branche. Als "dunklen Lord" schmähen ihn seine Feinde. "SAC war schon immer riesig und ein bisschen mysteriös", sagt auch der Hedgefonds-Experte Sebastian Mallaby . In seinem Buch More Money than God hat er sich ausführlich mit der Branche und ihrer Geschichte auseinandergesetzt. Bei den meisten Hedgefonds kann Mallaby erklären, warum sie erfolgreich sind. Manche haben besser ausgebildete Mitarbeiter, andere überlegene Computer-Handelssysteme. "Aber bei SAC hat niemand so richtig verstanden, wie sie diese Gewinne machen ", sagt Mallaby. "Es gab schon immer den Verdacht, dass es mit etwas Illegalem zu tun hat."