ZEIT ONLINE: Was schwebt Ihnen vor?

Shiller: Ein Vorschlag ist ziemlich radikal. Die Regierungen könnten sich nicht wie bisher Geld am Kapitalmarkt leihen, sondern würden stattdessen Anteile an der Volkswirtschaft ausgeben. Wir nennen das trills . Die Staaten könnten also ein Trillionstel am Bruttoinlandsprodukt an die Anleger verkaufen.

ZEIT ONLINE: Was würde das bringen?

Shiller: Bisher steigt die Verschuldung von Staaten auch dann weiter, wenn das Land in wirtschaftlich schweren Zeiten ist – also auch, wenn das Bruttoinlandsprodukt sinkt. Wenn die Staaten wie Unternehmen Aktien ausgeben würden, würde deren Wert mit dem BIP sinken – der Schuldenberg aber würde nicht wachsen. Ich habe diese Idee auch schon dem US-Finanzministerium vorgestellt, auch in Großbritannien .

ZEIT ONLINE: Die Reaktion?

Shiller: Die fanden die Idee ganz schön extrem. Aber sie hatten kaum grundsätzliche Einwände – bis auf einen: Was passiert, wenn der Markt zusammenbricht? Dann bricht auch der Aktienpreis ein, was psychologische Wirkungen haben würde.

ZEIT ONLINE: Ein anderer Vorschlag von Ihnen lautet, zwischen guten und schlechten Schulden zu unterscheiden. Was heißt das?

Shiller: Ich nenne sie abscheuliche ( odious ) und heilsame ( salubrious ) Schulden. Die abscheulichen Schulden macht zum Beispiel ein brutaler Diktator, der sich nur Geld leiht, um sich Paläste hinzustellen und Urlaub zu machen. Muss das Land trotzdem auf diesen Schulden sitzen bleiben, wenn der Diktator einmal fortgejagt wurde? Ich finde, dass kann man nicht verlangen.

ZEIT ONLINE: Sind die griechischen Schulden abscheulich oder heilsam?

Shiller: Die Griechen sagen, dass es teilweise schlechte Schulden sind. Aber das glaube ich nicht. Die griechische Regierung war weder tyrannisch, noch stellte sie Paläste hin.

ZEIT ONLINE: Weltweit bekannt wurden Sie auch dadurch, dass sie als einer der ersten Ökonomen die Immobilienblase in den USA vorhersahen. Wo lauert die Gefahr der nächsten Jahre?

Shiller: Anfang des Jahres ist mir der Immobilienboom in Norwegen aufgefallen. Nordeuropa wird selbstgefällig und denkt, es könne besser wirtschaften. Das alles ist ein ideales Umfeld für eine Blase. Ähnlich ist die Lage in Vancouver , Kanada und San Francisco . Und seit über einem Jahr warne ich vor den Entwicklungen bei Ackerflächen. Es gibt eine weltweite Nahrungsmittelknappheit. Und es gibt den Biomasseboom. Diese Konkurrenz treibt die Ackerpreise hoch. Die Entwicklung in den USA könnte sogar für Deutsche interessant sein.

ZEIT ONLINE: Für die Deutschen?

Shiller: In den siebziger Jahren gab es schon einmal eine große Ackerlandblase in den USA. Und wissen Sie, wer sie damals ausgelöst hat?

ZEIT ONLINE: Wer denn?

Shiller(lacht) : Die Deutschen! Wissen Sie was? Hier ist ein heißer Anlagetipp für die Deutschen: Kaufen Sie Ackerland in den USA!