Finanzsystem"Nordeuropa wird selbstgefällig"

Der Ökonom Robert Shiller hält nichts von pauschalen Urteilen über die Finanzwelt. Er sagt: Lasst euch lieber was Neues einfallen – und demokratisiert die Finanzmärkte! von  und

ZEIT ONLINE: Herr Professor Shiller, viele Deutsche dürften der These ihres neuen Buches widersprechen.

Robert Shiller: Das kann schon sein.

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ZEIT ONLINE: Sie schreiben, dass die Wall Street nicht die Ursache der weltweiten Krise ist, sondern vielmehr ein Teil der Lösung.

Shiller: Natürlich gibt es an der Wall Street Betrüger, so wie es überall gute und schlechte Menschen gibt. Aber schauen Sie auf den Anfang der Finanzkrise und das Platzen der Immobilienblase: Hausbesitzer gingen pleite, weil der Wert ihrer Häuser unter den Wert der Hypothek fiel. Also konsumierten sie weniger, und am Ende erlebte die Welt eine Rezession. Der Markt für diese Hypotheken war einfach schlecht designt, wie übrigens schon einmal in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

ZEIT ONLINE: Wie hätte die Wall Street da helfen können?

Robert J. Shiller

ist einer der einflussreichsten Ökonomen in den USA und Anwärter auf den Wirtschaftsnobelpreis. Shiller, Professor in Yale, 66 Jahre alt, sagte die New Economy-Blase Anfang 2000 und die Immobilienblase im Jahr 2007 voraus. Sein Buch "Animal Spirits", das er zusammen mit George Akerlof veröffentlichte, gilt als eine der besten Analysen der Finanzkrise. Im Sommer erschien sein neues Buch "Märkte für Menschen – So schaffen wir ein besseres Finanzsystem“ im Campus Verlag.

Shiller: Es hätte ein Versicherungsmodell für Hypotheken gebraucht, um diese Menschen zu schützen. Oder nehmen Sie das Problem der gestiegenen Ungleichheit in den USA , das auch die Occupy-Bewegung anprangert. Eine Ursache liegt in der wachsenden Bedeutung von Informationstechnologien, die dafür sorgen, dass die Einkommen von drei Vierteln der Bevölkerung sinken, weil sie von Computern und Technik ersetzt werden. Schauen Sie nur, was Ihr iPhone heute kann und überlegen Sie, was es in fünfzig Jahren können wird. Das ist eine umwerfende Revolution, die weiter gehen wird.

ZEIT ONLINE: Und?

Shiller: Ich glaube, dass es sich um ein Risiko handelt, das versicherbar ist, selbst von privaten Versicherungsunternehmen. Man könnte eine Unterhaltsversicherung einführen. Der Staat könnte außerdem sein Steuersystem an den Index für Ungleichheit koppeln, um die Spreizung der Einkommen zu dämpfen. Je größer die Ungleichheit wird, desto stärker könnten die Steuern für die Reichen steigen. Die Ungleichheit könnte auf diese Weise sinken.

ZEIT ONLINE: Die meisten Menschen denken bei Finanzinnovationen eher an andere Dinge. Etwa an Credit Default Swaps , die in der Krise als Brandbeschleuniger wirkten.

Shiller: Ja, aber in einem größeren Zusammenhang betrachtet, lief es an den Finanzmärkten nicht nur schlecht. Das Wachstum in den Industrieländern lag bis zur Krise bei immerhin rund drei Prozent. Nun sinken die Wachstumsraten, okay, aber wir befinden uns immerhin auf dem Wohlstandsniveau des Jahres 2007. Das ist für einige Leute sicherlich schlimm. Aber es ist kein Desaster. Vor allem, wenn man bedenkt, welchen gewaltigen Reichtum uns der Finanzkapitalismus in den vergangenen Jahren gebracht hat.

ZEIT ONLINE: Sie stellen die Forderung auf, die Finanzmärkte zu demokratisieren. Wie ist das zu verstehen?

Shiller: Der Trend vollzieht sich schon lange. Es geht darum, dass immer mehr Menschen die Vorteile von finanziellen Institutionen nutzen können. Ein normaler Bürger hätte vor 200 Jahren noch kein Sparbuch eröffnen können – die Bank hätte ihn einfach weggeschickt.

Leserkommentare
  1. Wissen Sie was.Wissen Sie wie mir das Interview vorkommt.Also so ungefähr so: Der Herr Shiller steht finanzmarkteuphorisiert
    mit "rauchenden Colts" in beiden Händen da und hat nicht gemerkt,dass ihm die Hose runtergerutscht ist.

  2. ....Finanzwelt.

    Ich empfehle Robert Schillers Economics Kurs 252 - Financial Markets, der auf OpenYale (http://oyc.yale.edu/economics/econ-252-11#overview) frei zur verfügung steht. Schiller wird in dieser Diskussion weitläufig missverstanden, teilweise willentlich als kurzsichtiger Denker oder anderseitig als inkompetent dargestellt. Seine Vortragsreihe hingegen zeigt, dass Schiller Financial Markets als 'technologische' Instrumente versteht, die es Menschen erlauben bessere Lebensbedingungen zu erschaffen. Ob diese Instrumente gute oder schlechte Ergebnisse erzielen hängt ganz von der Entwicklung, dem Design ab. Niemand, der auch nur ein Paper von ihm gelesen oder auch eine Vorlesung von ihm gehört hat kann guten Gewissens behaupten, dass Schiller einfach nur die Interessen des Marktes vertritt. Schiller ist kein Heilsbringer, er ist wie niemand unparteiisch, noch ist er ein Professor der alle Antworten liefert. Nicht viele Ökonomen plädieren so eindeutig für eine stärkere Finanzregulierung.

    Ideologische Verblendung hilft einem nicht die Realität der Umstände zu erfassen, sondern lediglich eine simple, pauschale Antwort auf Probleme zu finden. Sein Kurs erlaubt es eine kritische und reflektierte Betrachtungsweise zu entwickeln, die hilft die Geschichte und Entwicklung der Finanzwelt nachzuvollziehen.

    Liebe Zeit-Leser, macht eure Hausaufgaben, recherchiert die Hintergründe und überlegt ob eure Kritik sachlich und wohl begründet ist.

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    habe ich bis jetzt auch wenig substanzielle Kritik lesen können. Pauschal Vorurteile zu pflegen ist eben bequemer als eine sachlich differenzierte Auseinandersetzung.

  3. http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=KkHGV7AXFdM

    Vortrag von Prof. Dr. Norbert Geng auf der Konferenz der Partei der Vernunft „Europa muss schweizerischer werden!" vom 03. November 2012 in Offenburg.

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    von der 'Partei der Vernunft' mal wieder. Der Preis der goldenen Banane am Bande für die beste realsatirische Performance ist ihr sicher.

  4. von der 'Partei der Vernunft' mal wieder. Der Preis der goldenen Banane am Bande für die beste realsatirische Performance ist ihr sicher.

  5. ... bleibt mit seinen Vorschlägen am besten in den USA. Und wir bleiben in Europa. Dann kann jeder sein Ding machen und wir kommen uns nicht in die Quere!

    • wulewuu
    • 20. November 2012 17:32 Uhr

    Welch ein Blender, dieser Herr Professor. Tatsächlich einer der einflußreichsten Wirtschaftswissenschaftler in den USA?

    Ich kann es nicht fassen!

    • Otto2
    • 20. November 2012 18:31 Uhr

    Meine Absicht war nicht für oder gegen die Theorien des Herrn Sinn zu polemisieren. Ich hatte die Absicht darauf hinzuweisen, dass Herr Shiller nach meiner Ansicht nicht Neues vorstellte. Seine Innovation beschränkte
    soweit man es aus dem Interview entnehmen kann auf moralisch gefärbte Begriffe.
    Was die Sinn'schen Theorien angeht laufen sie bei mir offene Türen ein.
    MfG Otto2

  6. habe ich bis jetzt auch wenig substanzielle Kritik lesen können. Pauschal Vorurteile zu pflegen ist eben bequemer als eine sachlich differenzierte Auseinandersetzung.

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